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„Unsere Nachbarn sind großartig“

Sabine und Uwe Krause leben seit fünf Jahren in der Innenstadt West, betreiben eine kleine Brauerei. Und wollen nicht wieder weg.

© pawelsosnowski.com

Bei Görli-Bräu ging schon mehrfach nachts die Alarmanlage los. „Es war aber immer Fehlalarm“, sagt Sabine Krause. Sie und ihr Mann Uwe sind die Inhaber der kleinen Bierbrauerei auf der Löbauer Straße in Görlitz. Und sie sind Neulinge in der Innenstadt West, vor fünf Jahren sind sie aus Paderborn nach Görlitz gezogen, haben vor zwei Jahren mit ihrer Brauerei begonnen. „Wir haben uns ganz unterschiedliche Immobilien angesehen, auch direkt im Zentrum“, erzählt Sabine Krause. Das Ladengeschäft in der Löbauer Straße 28 habe ihnen auf Anhieb gefallen. Es sind großzügige Räume unter weißen, hohen Decken. Gründerzeit eben. Das Ehepaar hat mit viel Grün etwas Farbe dazugegeben. Sabine und Uwe Krause sind auch jetzt noch, zwei Jahre nach ihrem Einzug, zufrieden mit ihrer Entscheidung. „Hier haben wir den Platz, den wir brauchen“, sagt Sabine Krause. „Wir sind 500 Meter vom Bahnhof entfernt, wir sind hier an der Ecke gut sichtbar und im Grunde nur zwei Parallelstraßen weiter ist die Berliner Straße“, und damit die Görlitzer Geschäftsstraße. Parkplätze haben Krauses auch ausreichend vor der Tür. Eine solche Lage, sagen sie, wäre andernorts Gold wert, viel Gold.

Von den L-Straßen – die Löbauer Straße gehört dazu – hat das Ehepaar erst viel später erfahren. Sabine Krause stammt aus Cottbus, hat sogar Beziehungen nach Görlitz, ihre Großmutter lebte hier. „Aber von dieser L-Straßen-Thematik hatte ich noch nie was gehört. Unser Hausmeister hier hat es irgendwann mal erzählt, und dass das nicht die beste Lage in Görlitz sei“, sagt Sabine Krause. „Uns kümmert das nicht“, ergänzt ihr Mann Uwe Krause. Beide können das Negativ-Image nicht so recht nachvollziehen.

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„Es mag schon sein, dass hier Menschen wohnen, die finanziell nicht so gut gestellt sind“, so Sabine Krause. Das bedeute aber noch lange nicht, dass sie nicht herzlich wären. „Wir haben sehr hilfsbereite Nachbarn. Wir wohnen nicht über dem Geschäft, sondern ein paar Straßen weiter. Wenn bei uns die Alarmlage mal wieder losgeht, bekommen wir das trotzdem schnell mit.“ Denn dann ruft sofort einer der Nachbarn an, um Bescheid zu geben. Und wenn Flaschen angeliefert werden, würde fast immer jemand Hilfe anbieten. „Und zwar ohne eine Gegenleistung zu verlangen“, sagt Uwe Krause. Er hat viele Jahre in Frankfurt am Main gelebt. Er sagt: Von einer Parallelgesellschaft wie in anderen Großstädten,sei der Görlitzer Westen weit entfernt, „dagegen ist das hier Pippifax.“ Er und seine Frau sehen eher eine positive Entwicklung in jüngster Zeit. „In den vergangenen zwei Jahren haben sich in unserer unmittelbaren Umgebung bestimmt drei , vier weitere Geschäfte angesiedelt“, sagt Sabine Krause und zählt auf: das Biogeschäft Naturkost-Arche , ein Musikgeschäft auf der Landeskronstraße, eine Versicherungsfiliale. „Die Landeskronstraße soll früher ja eine große Handelsstraße gewesen sein. So wird es nicht mehr“, sagt Uwe Krause. Aber vielleicht anders. Krauses jedenfalls wollen bleiben. „Alles andere hätte für uns keinen Sinn.“