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PLUS Weißwasser

Unsere Randbetroffenheit

Weißwasser ist besonders und soll es bleiben. Entdeckungen und Gedanken zu einer Stadt zwischen den Welten.

Boulevard Einkaufspassage Rosa-Luxemburg-Straße in Weißwasser
Boulevard Einkaufspassage Rosa-Luxemburg-Straße in Weißwasser © Archivfoto: Gernot Menzel

Von Gregor Schneider

Weißwasser. Wer hängt zur Zeit seine Wäsche draußen zum Trocknen auf? Laue Luft zieht durchs Land, doch leider haben wir Weißwasseraner gegenwärtig wieder das Vergnügen, bei Windrichtung West-Südwest (WSW) opulenten Sandstürmen zuzuschauen, wie sie über die Stadt ziehen – sofern wir bei dem Staub die Augen offen halten können. Der Tagebau, der als Quellort der Sandmassen in Frage kommen könnte, ist ja schon west-südwestlich der Stadt über Urwald und Jagdschloss hinweggezogen – der Kohlekonzern nimmt uns „Randbetroffene“ noch im Augenwinkel wahr. Waschen wir die Wäsche eben ein zweites Mal und gucken in die Luft. Der Strukturwandel formiert sich, anders als der Wind, zur Zeit eher von oben. Da stehen Gelder im Raum, die verteilt werden wollen. Da sind Ideen und Vorschläge gefragt, wo sinnvoll für die Zukunft investiert werden soll.

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Diese Vorschläge können, ja sollten aber von unten, von hier kommen! Wenn wir uns jetzt mal den feinen Sand aus den Augen reiben und klar nach vorne blicken würden, gäbe es doch ohne Weiteres etliche Punkte, auf die wir uns einigen könnten, damit der Strukturwandel für unsere Region anhaltende Vorteile und neue Chancen bringt.

Neben der Verbesserung der Anbindung per Bahn, Straße und Datenkabel meine ich ganz persönlich, dass Zukunft nur geht, wenn junge Leute gut ausgebildet werden und Chancen haben, hier ihr Ding zu machen. Dazu gehört ein vielfältiges Bildungsangebot mit gutem, motiviertem Personal, welches den Heranwachsenden vermittelt, dass hier die gute Seite der Medaille ist und nicht dort, wo der Wind herkommt. Und: Den Strukturwandel werden wir nicht meistern, weil wir zehn Minuten eher in Dresden sind. Er gelingt, wenn Leute von hier und anderswo – also auch die viel gefragten Fachkräfte – Bedingungen zum Leben und Arbeiten für sich und ihre Kinder vorfinden, die attraktiv sind. Zu dieser Attraktivität zählen auch vielfältige Handels- und Kulturangebote. Und eine wirtschaftliche und politische Basis, die nicht das Goldene Kalb anbetet, sondern auf Vielfalt setzt.

Wir sind weder bei Sandstürmen, noch beim Strukturwandel nur „Randbetroffene“. Von uns sollten Signale ausgehen. Ärmel hoch und Zuversicht – das hier ist unsere Zukunft! Gerade jetzt haben wir die Chance, sie proaktiv mitzugestalten und nicht bloß den Staub zu wischen. Dazu sollten wir Prioritäten setzen, gemeinsame Nenner finden und endlich mal vereint für die Zukunft der Heimat handeln. Einigkeit statt Zerrissenheit. Zum Beispiel im Stadtrat, dem eine nicht unerhebliche strategische und operative Entscheidungsgewalt zukommt. Wie viele Sitzungen braucht es noch, bis dort mal konstruktiv und jenseits verstaubter Befindlichkeiten debattiert wird? Zukunft braucht einen gemeinsamen Handlungsfahrplan, nicht ein Korsett zur Selbstamputation bei Personal und Lebensqualität.

Es sei im Jahr der Wahlen die Frage erlaubt, wie die Zukunft vor Ort ausgehandelt wird, denn von dieser werden wir alle betroffen sein. Es wird Zeit für eine neue Einigkeit. Das destruktive Gehabe einiger Verantwortungsträger/-innen ist man leid wie den Staub in den Augen.

Unser Autor Gregor Schneider ist gebürtiger Weißwasseraner und Rückkehrer. Der Stadtplaner arbeitet derzeit für das Projekt „Kleinstadt gestalten – Ort schafft“. Hier äußert er seine privaten Gedanken zum Weißwasseraner Stadtgeschehen.

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