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Gewerkschaftschef auf Stippvisite

Beim Treffen der GDL Pirna taucht als Überraschungsgast der Bundesvorsitzende Claus Weselsky auf – in Angriffslaune.

Von Franz Werfel

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In einem Restaurant am Donnerstagnachmittag: Pirnas Ortsverband der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL) hält seine Jahresversammlung ab. Neben Orts-Chef Jens Schulze und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bezirks Sachsen, Klaus-Peter Schölzke, sind zwölf Eisenbahner gekommen, darunter auch Rentner. Eine Frau ist dabei. Sie arbeitet als Zugbegleiterin. Die meisten trinken Bier, die Stimmung ist gut. Die GDL Pirna zählt unter anderem Beschäftigte der Deutschen Bahn, der Städtebahn Sachsen und des Transportunternehmens ITL zu ihren Mitgliedern. Kurz nach 16 Uhr der Anruf „vom Claus“, wie sie ihn hier alle nennen. Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der GDL und noch vor ein paar Monaten der meistgehasste Mann Deutschlands, möchte seinem alten Ortsverband eine Stippvisite abstatten. Hier in Pirna begann vor über 20 Jahren seine Karriere als Gewerkschaftsfunktionär.

Was bewegt die Männer zurzeit, die sonst die halbe Region und unzählige Güter in ihren Zügen bewegen? „Uns beschäftigt vor allem das Tarifeinheitsgesetz, das Arbeitsministerin Andrea Nahles vorbereitet“, sagt Schulze. Kern des Gesetzes ist das Mehrheitsprinzip: In einem Betrieb soll der Tarifvertrag jener Gewerkschaft gelten, die für die Mehrheit der Arbeitnehmer spricht. Das neue Gesetz sei ein Angriff auf kleinere Berufsgewerkschaften, zu denen beispielsweise auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund gehört. Zu Recht fragt Schulze: „Wer soll denn noch in eine Gewerkschaft eintreten, wenn die keine Tarifverträge aushandeln darf? Das neue Gesetz scheint extra gegen uns geschrieben zu sein.“ Die GDL positioniert sich entschieden dagegen. Es würde gegen die Vereinigungsfreiheit verstoßen, die im Artikel neun des Grundgesetzes steht. Die Bundesregierung will große Streiks vermeiden. Dagegen wehren sich die Eisenbahner. Und sprechen gar von einer „Arroganz der Macht“ in der Großen Koalition. Rechtsexperten, darunter der ehemalige Verfassungsrichter Thomas Dieterich, stimmen der GDL zu.

Dann ist er plötzlich da, der Claus. Auch wenn er betont, dass er nicht als Bundesvorsitzender kommt, sondern als alter Freund, hält das bekennende CDU-Mitglied seine Rede im Angriffsmodus. „Wir lassen uns von der DB nicht länger hinhalten. Das wissen die in der Chefetage auch. Den neuen Tarifabschluss wollen wir noch bis Ende März unter Dach und Fach haben.“ Auf jeden Fall, bevor die Bundesregierung das umstrittene Gesetz beschließt. „Wir haben keine Angst vor weiteren Streiks – die DB schon. Unsere Truppen stehen zusammen.“ Die begeisterte Zustimmung seiner Bahnerkollegen ist ihm sicher.

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