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Unter Harthas Händlern geht die Angst um

Seit Anfang Dezember hat die Polizei elf Einbrüche registriert. Einbrecher machen nicht mal vor Kita Halt.

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Kaum war der Gartenlaubeneinbrecher gefasst, ging es mit Einbrüchen in Läden und Kindereinrichtungen weiter.
Kaum war der Gartenlaubeneinbrecher gefasst, ging es mit Einbrüchen in Läden und Kindereinrichtungen weiter. © Dietmar Thomas

Hartha. Ronny Walter findet es unfassbar. „Wir hatten am Donnerstagabend in der Villa Kunterbunt noch die Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses. Und dann erfahren wir, dass in der Nacht zum Freitag in die Kindereinrichtung eingebrochen worden ist“, sagte Stadtrat und Mitglied des Ausschusses .

Einbruch in die Villa Kunterbunt

Laut Polizeiangaben drangen die Diebe über ein aufgebrochenes Fenster in das Innere einer Kindertagesstätte ein. Sie durchsuchten die Räume, brachen die Tür des Leiterinnenzimmers auf und entwendeten unter anderem Bargeld und einen Beamer, einen Projektor. Den Stehlschaden beziffert die Polizei mit etwa 1 000 Euro. Der entstandene Sachschaden wird auf mehrere hundert Euro geschätzt. Doch der moralische Schaden ist viel größer.

„Die Kinder wollen wissen, was denn mit meiner Tür passiert ist“, sagte Kita-Leiterin Silvia Schalm. Auch sie und die Erzieher gehen mit gemischten Gefühlen in die Einrichtung hinein und auch abends, wenn der letzte geht, ist das immer mit einem mulmigen Gefühl verbunden, so Schalm. Schade sei, dass der Beamer nicht mehr zur Verfügung stehe. Der sei für die pädagogische Arbeit und für Teamberatungen wichtig.

Der Einbruch in die Kindertagesstätte ist in Hartha kein Einzelfall. Schon zweimal waren Diebe im Hort Sonnenschein an der Sonnenstraße zu Gange (wir berichteten) und auch viele Händler berichten, dass bei ihnen eingebrochen worden ist oder zumindest versucht wurde, in die Läden zu kommen.

„Das zuständige Polizeirevier in Döbeln hat seit Dezember 2018 insgesamt elf Einbrüche in Geschäfte, leerstehende Häuser und eine Kita aufgenommen“, sagte der stellvertretende Pressesprecher der Polizeidirektion Chemnitz Andrzej Rydzik. Aussagen hinsichtlich der Täter seien reinweg spekulativ. Die Auswertung gesicherter Spuren dauere an. „Entsprechend der Häufung der Einbrüche wird die Stadt Hartha seit geraumer Zeit verstärkt bestreift“, so Andrzej Rydzik.

Doch das empfinden die Händler nicht so. „Wir würden uns vor allem in der Nacht und den früher Morgenstunden mehr Polizeipräsenz wünschen“, sagte Michael Kruschbersky, Inhaber des Ladens Zeitung und Lotto an der Dresdener Straße. Auch bei ihm waren die Diebe schon im Geschäft. Sie hatten die Tür aufgebrochen. Jetzt hat sich der Ladeninhaber von einer Leipziger Firma beraten lassen, wie er den Laden sicherer machen kann.

Ladenbesitzer sichern ihre Geschäfte

„Es wurden Jalousien vor den Fenstern und der Eingangstür eingebaut, die ich abends schließe. Wichtig ist, dass es die Täter schwer haben und nicht schnell in den Laden eindringen können“, so Kruschbersky. Trotzdem fühle er sich nicht sicher, schläft jetzt in dem Zimmer zur Dresdener Straße, damit er mitbekommt, wenn draußen etwas ungewöhnliches passiert.

„Man hört jeden Floh husten und ist sofort wach“, sagte Kruschbersky. Auch wenn die Diebe nicht viel Beute in seinen Laden gemacht hätten, so sei doch der moralische Schaden wesentlich höher. Er und auch andere Ladeninhaber fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen. Weder der Gewerbeverein noch die Stadt würden auf die vielen Einbrüche reagieren. „Es wäre schön, wenn wir zu einer Informationsveranstaltung eingeladen würden. Wir erfahren, wie wir uns besser schützen können und auch, was wir dürfen“, sagte Michael Kruschbersky. Sein Motto ist: „Wir geben nicht auf und lassen uns trotz allem nicht einschüchtern.“ Am Montag öffnet bei ihm gleich nebenan ein Gardinenladen.

„Ich kann die Betroffenheit verstehen. Denn auch in der Agentur wurde versucht die Türe aufzubrechen. Das ist den Dieben wegen der guten Sicherung nicht gelungen“, sagte Allianz-Agenturchef Ronny Walter. Viele Verkäuferinnen anderer Geschäfte erzählen über ihre Ängste, wollen aber in der Zeitung nicht genannt werden. Sie kommen schon mit Bangen auf Arbeit. Hoffen, dass nichts aufgebrochen wurde. Und in den düsteren Abendstunden fühlen sie sich auch nicht wohl.

Veranstaltung mit der Polizei

Um die Probleme gemeinsam anzugehen und die Bürger und Geschäftsleute zu beraten, organisiert Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) mit Unterstützung des Döbelner Revierleiters Andrėe Wagner zeitnah einen Informationsabend. Der Zeitpunkt wird noch bekannt gegeben. „Außerdem können sich Ladenbesitzer durch die Kollegen der Polizeilichen Beratungsstelle kostenlos beraten lassen, wie sie ihr Eigentum besser schützen können“, sagte der Polizeisprecher. Die Kollegen würden durchaus mit hilfreichen Tipps zur Verfügung stehen. Sie beraten auch individuell vor Ort.

Weitere Hinweise gibt es unter www.polizei.sachsen.de/de/beratungsstellen_pdc.htm.