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Unter Problemkindern

„Besser wissen“ ist eine gemeinsame Produktion von Theaterjugendclub und Schauspielensemble. Dabei lernen beide Seiten voneinander.

Von Jan Lange

Laute und unmotivierte Schüler, Lehrer, die sich nicht durchsetzen können, soziale Probleme der Schüler – all das kennt Tabea Günther aus dem eigenen Schulalltag. Ganz so krass wie im neuen Theaterstück „Besser wissen“, das am Montag Premiere feiert, geht es aber zum Glück nicht in ihrer Schule zu. „Die Klasse, die wir spielen, ist sehr extrem“, sagt die 16-Jährige, die seit drei Jahren Mitglied im Theaterjugendclub (TJC) ist. Da gibt es zum einen den aggressiven Schläger, zum anderen den stillen Schüler, der nur Gedichte schreibt und Comics zeichnet, aber auch Mädchen, die zu früh nach Sexualität suchen. In dieser Klasse von Problemkindern muss sich die junge, idealistische Referendarin Zoe behaupten. Eine wirklich schwierige Sache.

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Auch Stephan Bestier, der bei „Besser wissen“ Regie führt, kennt eine ähnliche Situation aus eigener Erfahrung. Als Lehramtsstudent musste der heute 31-Jährige ein Praktikum an einer Gesamtschule in der Nähe von Hamburg absolvieren. Er sollte Schüler der 13. Klasse in Deutsch unterrichten - also Jugendliche, die gerade mal zwei bis drei Jahre jünger waren als er selbst. „Ich stand vor der Frage, ob ich die Respektkeule heraushole oder die Schüler auf gleicher Augenhöhe sehe“, erzählt Bestier. Er entschied sich für die Augenhöhe. Der Referendarin Zoe unterläuft dagegen im Ringen „wer-wem-was“ zu sagen hat, ein Fehler mit schwerwiegenden Konsequenzen. „Ich hatte damals eine tolle Mentorin“, erzählt Bestier. Zoe fehlt genau das - ihr Mentor ist mehr an ihrem Körper als an anderen Dingen interessiert.

Trotz seiner guten Erfahrungen ist Stephan Bestier letztlich nicht Lehrer geworden, sondern absolvierte vielmehr ab 2005 eine Schauspielausbildung. Ein Glücksfall für das Zittauer Theater, dessen Ensemble der gebürtige Wolgaster seit 2009 angehört. Ab und zu führt er auch Regie - wie jetzt bei „Besser wissen“. Das Stück ist in dieser Spielzeit bereits die zweite gemeinsame Produktion des Zittauer Schauspielensembles mit dem Theaterjugendclub des Hauses. Dieses Mal stehen vier Jugendliche mit drei professionellen Schauspielern auf der Bühne. Es sei diesmal ein gegenseitiges Voneinanderlernen, findet der junge Regisseur. Denn die beiden Ensemblemitglieder Paula Schrötter und Stefan Sieh sind selber jung und selber noch auf der Suche.

Es herrsche eine lustige und vertraute Atmosphäre, findet Tabea Günther. TJC-Kollege Erik Mattusch freut sich immer auf die Proben, weil er das Gefühl hat, dass alle ein gutes Team sind und alle sich aufeinander einlassen und verlassen können. Erst vor vier Wochen begannen die Proben. Hinzu kam, dass mit den Schülern nur abends nach der Schule probiert werden konnte. „So hatten wir vielleicht effektiv zwei Wochen Probezeit. Das ist sehr wenig“, meint Stephan Bestier. Dennoch ist er zuversichtlich, dass am Montag alles klappt und dass auch die Drehbühne wieder funktioniert, die in den vergangenen Tagen einige Probleme bereitet hat.

Dass die Inszenierung beim Publikum gut ankommen wird, davon ist Bestier fest überzeugt. Die Jugendlichen sehen das genauso. „Es reflektiert die heutige Sprache der Jugendlichen untereinander sehr gut. Ich meine, die meiste Zeit des Stückes ist sie wirklich radikal, brutal, schmutzig, hemmungslos und an der Grenze des Ertragbaren. Aber das ist die Realität“, findet Paula Schütze, die die Schülerin Sal spielt. Tabea Günther stimmt ihr zu: „Es hat etwas mit uns zu tun und ist kein alter, klassischer Schinken.“

„Besser wissen“ feiert am Montag um 19.30 Uhr

Premiere. Weitere Aufführungen: 19. und 26. Juni jeweils um 19.30 Uhr sowie am 25. Juni um 14 Uhr.