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Unter Strom

In Sebnitz lässt sich jetzt Saft für Elektroautos aus einer öffentlichen Steckdose zapfen. Und das Gerät kann noch mehr.

Von Thomas Möckel

Als Ralph Buder am Donnerstagmorgen seine Reise von Dresden nach Sebnitz antrat, wusste er noch nicht, ob er auf die gleiche Weise wieder nach Hause kommt. Der Kommunalverantwortliche der Energieversorgung Sachsen Ost (Enso) hatte den Akku seines Elektro-Mitsubishis aufgeladen, die Tafel an der Mittelkonsole zeigte eine Reichweite von reichlich 100 Kilometern an. Weil es frisch war, ließ er auf der Fahrt die Klimaanlage an. Die Reichweite des strombetriebenen Mini-Flitzers sank rapide, zuletzt auf unter 80 Kilometer. Eine Rücktour mit dem Wagen hätte Buder nicht mehr geschafft – wenn es nicht eine Möglichkeit gegeben hätte, frischen Saft aus der Dose für den Wagen zu zapfen. Sebnitz steht seit gestern zusätzlich unter Spannung.

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Auslöser für den Energieschub ist die Enso, die auf dem Parkplatz Lange Straße 2 eine neue, öffentliche Stromtankstelle in Betrieb nahm. Der Energiedienstleister engagiert sich seit drei Jahren in der Modellregion Elektromobilität Sachsen. Die Zapfsäule in Sebnitz ist die insgesamt neunte, die inzwischen am Netz ist. Weitere Stromtankstellen gibt es in Dresden, Glashütte, Großenhain, Radeberg, Tharandt, Oybin, Moritzburg sowie im Kurort Rathen.

Bei dieser Dichte soll es allerdings nicht bleiben, die Enso plant, das Netz weiter auszubauen. „Perspektivisch müsste künftig aller 25 bis 50 Kilometer so eine Zapfstelle stehen“, sagt Buder. In der Sächsischen Schweiz beispielsweise hat die Enso schon zwei weitere Standorte im Visier: In Königstein sowie an der Bastei sollen in Kürze zwei weitere Stromtankstellen errichtet werden.

Spannung für Touristen

Damit wird auch deutlich, an wen sich das übersichtliche Stromtanknetz derzeit in erster Linie richtet. Die Enso will damit vor allem Touristen bedienen, die laut Buder derartige Tankstellen immer häufiger nachfragen. Immer öfter unternehmen Gäste, die in Dresden übernachten, Fahrten ins Umland. Zunehmend greifen sie dabei auf Elektroautos zurück. „Daher wollen wir das bestehende Zapfsäulennetz verdichten“, sagt Buder. Bislang stehen die Stromtankstellen an Orten, die touristisch stark frequentiert werden. Sebnitz passte aus Sicht der Enso da gut ins Konzept. Laut Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) wird die Stadt bis zum Jahresende rund 170 000 Übernachtungen verzeichnen – das sind in der Sächsischen Schweiz die zweitmeisten hinter Bad Schandau.

Lange Ladezeiten

Im Alltagsleben hingegen steckt die Elektromobilität eher noch in den Kinderschuhen. Das belegen auch aktuelle Zahlen. Nach Angaben des Landratsamtes Pirna waren zum Stichtag 5. Dezember im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge insgesamt lediglich 23 reine Elektroautos zu gelassen. Hinzu kommen zwar 344 Hybridfahrzeuge mit der Kombination Benzin/Elektro sowie 5 Hybridautos mit der Kombination Diesel/Elektro. Diese Mobile fahren aber meist mit herkömmlichem Kraftstoff, nur in ganz bestimmten Modi schalten sie auf Elektrobetrieb um.

Die zögerliche Akzeptanz reiner Elektroautos ist unter anderem auch auf eine noch unausgereifte Technik zurückzuführen. Sie betrifft vor allem die Akkus, die den Strom speichern. Rund sechs bis acht Stunden dauert es, einen leeren Akku vollständig zu laden. Der Strom reicht dann für rund 100 Kilometer Fahrstrecke – abhängig davon, welche Aggregate im Auto noch betrieben werden.

Die Zapfsäule in Sebnitz besitzt zwei Ladepunkte – eine Haushaltssteckdose mit 230 Volt sowie eine etwas leistungsstärkere E-Mobilitätsdose mit 400 Volt, für die man aber einen speziellen Stecker benötigt. Der bereitgestellte Strom stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Neben Autobatterien aufladen kann die Zapfsäule aber noch mehr: Sie fungiert quasi als öffentliche Steckdose, die beispielsweise auch die Akkus von Mobiltelefonen oder Elektrofahrrädern speist.

Anmelden und bezahlen können Kunden ihren Strombedarf per Handy oder Laptop. Dazu bedarf es der App „HandyTicket“, die auch die Dresdner Verkehrsbetriebe nutzen. Als letzter Punkt ist darunter die Stromtankstelle zu finden. Sie gibt detailliert Hinweise, was dann an der jeweiligen Zapfsäule zu tun ist. Die Preise liegen bei reichlich einem Euro für eine halbe Stunde Ladezeit, für mehrere Stunden sind dann zwischen vier und sechs Euro fällig.