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Unternehmen abzugeben

Die Suche nach einem Nachfolger ist für viele Mittelständler schwierig. Bei Porst in Ostrau hat es geklappt.

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Von Peggy Zill

Er sei von Anfang bereit gewesen, die Firma zu übernehmen, sagt Steffen Porst heute. Wie viele Sachsen wagte sein Vater Gottfried 1990 den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Porst Landtechnik ist unterdessen in Ostrau, Kamenz und Großenhain vertreten und hat 65 Mitarbeiter. Wenn Gottfried und Renate Porst sich irgendwann in den Ruhestand verabschieden, müssen sie sich um ihre Firma keine Sorgen machen: Ihre Kinder Steffen und Kathleen werden das Geschäft weiter führen. Eingearbeitet werden die beiden schon seit Jahren. „Das ist eine gleitende Sache“, sagt Steffen Porst. Die Eltern würden Stück für Stück immer mehr Aufgaben abgeben. Als Familienmitglied eine Firma zu übernehmen, habe seine Vor- und Nachteile. „Wichtig ist, einen gesunden Mittelweg zu finden“, sagt der 35-Jährige. Damit es gar nicht erst zu Generationskonflikten kommt, seien die Aufgaben bei Porsts aufgeteilt worden.

Früh mit der Einarbeitung beginnen

Wie Gottfried Porst geht es laut Industrie- und Handelskammer (IHK) vielen Firmengründern von damals. Von 19 000 Mitgliedsunternehmen im Kreis haben rund 6 400 einen Inhaber beziehungsweise Geschäftsführer, der über 50 Jahre alt ist. Die meisten Chefs würden das Thema aber in der Hektik des Alltags zu lange vor sich herschieben. „Wer sich zu spät damit beschäftigt, der gerät unter Druck und verkauft seine Firma dann eventuell an den Falschen“, sagt Dr. Annette Schwandtke, Geschäftsführerin der IHK in Freiberg. Wer mit ruhigem Gewissen das eigene Unternehmen einmal in die richtigen Hände übergeben möchte, muss rechtzeitig mit dem Nachfolgeprozess beginnen. Der Mittelstand in der Region sei so erfolgreich, weil die Firmeninhaber meist einen regionalen Bezug haben. „Wir dürfen eben nicht nur die verlängerte Werkbank sein“, sagt die IHK-Chefin, die befürchtet, dass genau das passiert, wenn Investoren die Firmen kaufen. Je nach Unternehmensgröße müsse fünf bis zehn Jahre vor der geplanten Übergabe mit der Einarbeitung begonnen werden. „Mancher Firmenchef ist heute über 60 Jahre alt und die Suche nach einem Nachfolger wird dann schwierig“, so Schwandtke.

Denn dass der eigene Nachwuchs den Betrieb übernimmt, ist nicht selbstverständlich. Die Kinder sehen über Jahre, wie die Eltern schuften, ohne sich selbst etwas zu gönnen. Da ist eine 40-Stunden-Woche als Angestellter verlockend.

Viele Unternehmer seien sich der Problematik nicht bewusst, sagt Thomas Kolbe, Präsident der Regionalversammlung Mittelsachsen und Geschäftsführer der Max Knobloch GmbH in Döbeln. „Wer 40 oder 50 ist, denkt über Nachfolger nicht nach.“ Größere Unternehmen würden sich damit weniger schwertun. Doch besonders Einzelhändler würden sich immer häufiger dazu entschließen, ihre Geschäfte einfach zuzuschließen. „Weil der Arbeitsmarkt zurzeit recht gut ist, geht die Zahl der Neugründungen seit Jahren zurück. Es gehen weniger Menschen das Risiko ein, sich selbstständig zu machen“, so Thomas Kolbe.

Kathleen und Steffen Porst wussten, worauf sie sich einlassen. „Man wächst damit auf und irgendwie auch rein“, sagt Kathleen Porst, die für die Buchhaltung im Unternehmen zuständig ist. Es sei eben etwas anderes, in der eigenen Firma zu arbeiten. Für Steffen Porst ist es wichtig, eine klare Linie zu ziehen. „Irgendwann muss festgelegt werden, wer die Firma übernimmt. Eine ständige Lauerstellung ist anstrengend.“ 15 Jahre, bevor man aussteigen will, sollte man einen Plan entwickeln, sagt Steffen Porst. Über seinen eigenen Ruhestand macht er sich deshalb noch keine Gedanken.

Rund 57 Prozent der Firmen werden in Sachsen familienintern weitergegeben. Die anderen gehen an Mitarbeiter oder externe Führungskräfte. Nur selten ist der Verkauf an ein anderes Unternehmen oder einen Investor realisiert worden. Dabei ist auch das laut Annette Schwandtke keine schlechte Idee. „Ein Zusammenschluss mehrerer inhabergeführter Unternehmen ist auch eine Möglichkeit.“ Da jeder Nachfolgeprozess sehr unterschiedlich ist und es dazu viele Fragen gibt, bietet die IHK regelmäßig Sprechtage und Vorträge zum Thema an. Heute wird in Freiberg über das Thema „Gezielte Wertentwicklung – Sicherung von Unternehmen, Ruhestand und Nachfolge“ gesprochen. Am 10. April geht es darum, wie am besten ein Nachfolger gefunden wird. Anmeldungen sind unter Tel. 03731 798655200 möglich.