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Unternehmen droht Lehrlings-Flaute

Nur jeder dritte Oberschüler will eine Ausbildung im Betrieb beginnen. Das ist ein Problem.

© Steffen Gerhardt

Von Sebastian Beutler

Landkreis. Eine Lehre in einem Unternehmen im Landkreis Görlitz steht bei Schülern an Ober- und Förderschulen im Kreis nicht sehr hoch im Kurs. Das ergab eine nicht-repräsentative Umfrage des Landratsamtes, an der 992 Schüler aus den Klassenstufen acht bis zehn teilnahmen. Demnach möchten nur rund ein Drittel der Befragten eine duale Ausbildung beginnen. Konkurrenten sind weiterführende Schulen wie die Fachoberschulen oder alternative Ausbildungen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie bei Landes- und Bundespolizei. Wie Sabine Schaffer von der Koordinierungsstelle für Berufsorientierung im Landratsamt mitteilt, können sich Jungen eher eine Lehre vorstellen als Mädchen. „Es sieht fast so aus, als hätte die Ausbildung im Betrieb für die Jugendlichen an Attraktivität verloren“, sagt Frau Schaffer. „Diesen Trend gilt es umzukehren, um die Unternehmen bei der Sicherung der Nachwuchskräfte zu unterstützen.“

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Dazu dient auch der Ausbildungsatlas Insider und die Messe Insidertreff, die beide von der Koordinierungsstelle federführend herausgegeben und organisiert werden. Mittlerweile habe die Messe einen Bekanntheitsgrad von 90 Prozent in der Klassenstufe 10. Der Königsweg zu einer Lehre bleibe aber, der Umfrage zufolge, ein Praktikum im künftigen Ausbildungsbetrieb. „Die Schüler brauchen den direkten Kontakt mit Betrieben, Ausbildern und Azubis“, heißt es nach der Umfrage. „Die Schüler wollen sich ausprobieren und Informationen aus erster Hand.“ Wenn es um gute Ratschläge für die Berufswahl geht, setzen die meisten, nämlich 83 Prozent aller Befragten, auf – die Eltern.

Bei der Berufswahl zeigen sich die Jungen mittlerweile flexibler. Während Mädchen weiterhin eher geschlechtertypische Berufe favorisieren, erobern die Jungen auch Branchen, die sie früher links liegen gelassen und den Mädchen überlassen haben. Unter den acht meistgenannten Berufen tauchen nun bei den Jungen auch Gesundheits- und Krankenpflege auf wie Erzieher. Nummer eins in dieser Kategorie ist allerdings eine Ausbildung bei der Landes- und der Bundespolizei, gefolgt von den Fachinformatiker- und Elektroniker-Berufen. Bei den Mädchen wurden am häufigsten die Gesundheitsberufe genannt. Auf Rang zwei landet die Erzieherinnen-Ausbildung. Und auch bei den jungen Frauen liegen Uniformen im Trend: Rang drei für eine Karriere bei der Landes- oder Bundespolizei.