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Löbau

Kita zu - und jetzt?

Viele Firmen stehen wegen der Kita-Schließungen vor einem echten Problem. Die Klinik in Großschweidnitz hat jetzt eine Lösung gefunden.

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Symbolfoto ©  dpa

Die fehlende Kinderbetreuung - das ist eine der großen Herausforderungen, vor der jetzt viele Unternehmen stehen. Auch Wolfgang Zürn, Vorstand der Volksbank Löbau-Zittau weiß noch nicht, welche Auswirkungen das auf den Betrieb in den Filialen haben wird.

Derzeit sind die Filialen besetzt, Beratungsgespräche auch möglich. Allerdings könne es in der nächsten Zeit vorkommen, dass Mitarbeiter zu Hause bleiben müssen, um ihre Kinder zu versorgen. "Dann müssen wir Beratungszeiten verkürzen." Wie viele Kollegen das betreffen wird, die dann Überstunden abfeiern oder Urlaub nehmen müssen, sei derzeit noch nicht klar. Vieles müsse noch geklärt werden. Zum Beispiel auch, ob Bankmitarbeiter, deren Jobs unverzichtbar sind, ein Anrecht auf die Not-Kinderbetreuung in den öffentlichen Kitas haben.  

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Denn es gibt auch Bereiche in der Bank, die nicht einfach eingestellt oder eingeschränkt werden können, so Zürn. Die Bargeldversorgung, die EDV, das Rechnungswesen oder auch die Kreditvergabe zählt er als Beispiele auf. "Da ist auch eine Vertretung schwierig. So schnell kann man sich da nicht einarbeiten." 

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Ein Bereich, in dem die Mitarbeiter definitiv unverzichtbar sind, ist der Krankenhausbetrieb. Das Fachkrankenhaus in Großschweidnitz hat deshalb schon vor Wochen einen Krisenstab zum Coronavirus ins Leben gerufen und bereitet sich auf Notfallsituationen vor, teilt Pressesprecherin Andrea Witschel mit. 

Nun schließen die Kitas und die Mitarbeiter müssen sich um eine Betreuung für ihre Kinder kümmern oder können nicht zur Arbeit kommen - das ist so eine Notfallsituation. Das Fachkrankenhaus richtet deshalb jetzt eine eigene Betreuung für Kindergarten- und Schulkinder auf dem Klinikgelände ein. Patienten werden - sofern möglich - früher als geplant, entlassen. Platz und Personal werden dann für die Betreuung der Mitarbeiter-Kinder genutzt. Ab Donnerstag können die ersten Kinder betreut werden, so Andrea Witschel, Pressesprecherin am Sächsischen Krankenhaus Großschweidnitz. "Inklusive Mittagessen und Mittagsschlaf."  Man wisse natürlich um die Ansteckungsgefahren und werde die Kinder deshalb in Kleingruppen betreuen. Oberste Priorität habe, dass der Krankenhausbetrieb aufrecht erhalten wird. Daher müsse eine Kinderbetreuung für die Mitarbeiter organisiert werden. 

Eine eigene Kinderbetreuung organisiert auch die Herrnhuter Diakonie für ihre Mitarbeiter ab Mitte der Woche. Betreut werden die Kinder im Gebäude der Förderschule in Herrnhut. Dort ist Platz und auch alles kindgerecht eingerichtet, so Kristin Schiffner, Pressesprecherin der Herrnhuter Diakonie.

Bargeldversorgung ist gesichert

Eine interne Kinderbetreuung für seine Mitarbeiter zu organisieren, hält Wolfgang Zürn von der Volksbank für sein Unternehmen für keine gute Idee. "Das ist ja nicht der Sinn der Sache. Die Kindergartengruppe wird aufgelöst, damit die Ansteckungsgefahr sinkt und hier kommen sie dann wieder alle zusammen. Das kann nicht die Lösung sein." Er ist optimistisch, dass sich die Probleme mit der Kinderbetreuung in den nächsten Tagen so regeln lassen, dass möglichst viele Bankbereiche weiter arbeiten können. "Der Bankbetrieb wird aufrecht erhalten, die Geldversorgung hat oberste Priorität", versichert er. "Ruhe bewahren, das ist jetzt das wichtigste", sagt Zürn. "Wir wollen nicht, dass das, was jetzt mit den Lebensmitteln los ist, morgen auch beim Bargeld passiert." Er versichert: Die Bargeldversorgung wird sichergestellt sein, egal wie die Entwicklung weitergeht. Das heißt, die Selbstbedienungsbereiche mit Geldautomaten und Auszugsdruckern werden weiterhin funktionieren und für die Kunden zugänglich sein. 

Auch die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien bestätigt: Die Filialen sind derzeit geöffnet, die Versorgung gesichert. Wie es weitergeht - insbesondere was die Kinderbetreuung und den dadurch bedingten Ausfall von Kollegen angeht - müsse auch hier erst noch geklärt werden. Die Informationen bezüglich der Kita-Schließungen seien ja noch ganz frisch, so Sparkassensprecherin Bettina Richter-Kästner. 

Deshalb müssen die meisten Unternehmen sich jetzt erst einmal einen Überblick verschaffen, was da auf sie zukommt, nach Lösungen suchen und Vertretungen organisieren. Konkretes können die wenigsten jetzt schon sagen, wie eine kleine Umfrage ergeben hat. 

Welche Mitarbeiter sind betroffen?

So geht es auch Bernd Nebel, Geschäftsführer von Plastic Concept in Neusalza-Spremberg. Die Frage danach, wie es jetzt weitergeht, kann er noch nicht beantworten. Ständig muss er die Notfallpläne für seinen Betrieb überarbeiten. Immer wieder tauchen neue Probleme und Fragen auf. Welche Mitarbeiter sind von der ausfallenden Kinderbetreuung betroffen? Welche tschechischen und polnischen Mitarbeiter haben auf Arbeit zu kommen? Welche Mitarbeiter müssen womöglich in Quarantäne geschickt werden? Das alles muss jetzt erst einmal erfasst werden.

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"Dazu kommt noch die Kurzarbeit", so Nebel. Durch die Krise in der Automobilbranche hat Plastic Concept als Zulieferbetrieb für die großen Autohersteller einen Auftragsrückgang von etwa 20 Prozent zu verzeichnen. Die Firma in Neusalza-Spremberg stellt unter anderem Handschuhfächer und Becherhalter für Autos her. Weil die Autohersteller weniger Teile bestellen, hat Plastic Concept in Neusalza-Spremberg im vergangenen Jahr bereits die Zahl der Mitarbeiter reduzieren müssen. Zudem gibt es in diesem Jahr Kurzarbeit. Und schließlich müsse die Produktion immer noch am Laufen gehalten werden. Wie das klappen soll, wenn viele Mitarbeiter zu Hause bleiben müssen, um ihre Kinder zu versorgen - Bernd Nebel weiß es auch noch nicht. Und nun kommt  auch noch hinzu, dass VW bekannt gegeben hat, zum Ende der Woche seine Werke zu schließen. 

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