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„Unternehmen sollten freie Stellen schneller melden“

Die Radeberger Geschäftsstelle der Arbeitsagentur hat mit Gerlinde Voigtländer eine neue Leiterin. SZ sprach mit ihr über ihre Ziele.

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Frau Voigtländer, seit gut 14 Tagen leiten Sie als neue Chefin die Geschäftsstelle Radeberg der Arbeitsagentur. Sie kommen damit in jenen Bereich Sachsens, der die geringste Arbeitslosigkeit vorweist. Ist das überhaupt eine Herausforderung?

Jede neue Aufgabe ist eine Herausforderung – und reizvoll. Obwohl ich natürlich schon weiß, dass ich hier in große Fußstapfen meines Vorgängers trete, der hier eine hervorragende Arbeit geleistet hat.

Warum war die Neubesetzung der Leiter-Stelle überhaupt notwendig?

Mein Vorgänger Achim Woit ist ja eigentlich der Geschäftsstellenleiter der Agentur in Radebeul. Als hier in Radeberg vor einigen Jahren kurzfristig ein neuer Leiter gebraucht wurde, hat er diesen Posten mit übernommen. Jetzt ist sozusagen der Normalzustand wieder hergestellt, Achim Woit kann sich jetzt wieder voll und ganz auf Radebeul konzentrieren.

Sie haben es bereits angesprochen, Ihr Vorgänger hat eine der erfolgreichsten Geschäftsstellen geleitet – allein im vergangenen Jahr ist die Arbeitslosenquote in Radeberg von 11,7Prozent im Januar auf 7,8 Prozent im Dezember gesunken. Was ist daran der Anteil der Agentur?

Natürlich ist dieser Erfolg eine Symbiose aus vielen Einflüssen. Das allgemeine wirtschaftliche Klima in Deutschland ist ja besser geworden, auch die Unternehmen in Radeberg und Umgebung haben davon profitiert und neue Arbeitsplätze geschaffen. Aber natürlich hat auch unser ganz gezieltes Arbeiten mit den Arbeitslosen gefruchtet; die Vermittler haben ganz speziell die fachlichen Fähigkeiten der Einzelnen unter die Lupe genommen, ihre Stärken herausgearbeitet und sie gezielt gefördert, um somit auch ganz speziell auf konkrete Ansprüche von Arbeitgebern vor Ort reagieren zu können.

Neue Besen kehren gut, heißt ein Sprichwort. Was wollen Sie, bei allen Erfolgen Ihres Vorgängers, noch besser machen?

Wie gesagt, Achim Woit hinterlässt mir ein gut funktionierendes Team. Dennoch gibt es sicherlich noch Reserven. Wir müssen beispielsweise die Unternehmen noch mehr ansprechen, uns freie Stellen zu melden, damit wir dann gezielt Menschen dorthin vermitteln können. Diesen Service sollten die Arbeitgeber noch stärker annehmen.

Was heißt gezielt vermitteln?

Die spezifischen Ansprüche der Unternehmen an neue Mitarbeiter noch besser mit unseren Weiterbildungs-Möglichkeiten für Arbeitslose zu verknüpfen, zum Beispiel.

Worauf kommt es Ihrer Meinung nach vor allem an, um als Arbeitsagentur eine Vermittlungsquote vorzuweisen?

Ganz entscheidend ist das Tempo. Je schneller ein Arbeitsloser wieder in Arbeit kommt, umso besser ist es für ihn. Denn je länger man aus dem Arbeitsleben heraus ist, um so schwieriger ist das Wiederhineinkommen in Abläufe. Deshalb versuchen wir ja beispielsweise umgehend, das vorhandene Potenzial der Betroffenen zu erkennen und sie fit zu machen für die Ansprüche der Wirtschaft, sei es durch Trainingsmaßnahmen beim künftigen Arbeitgeber oder beispielsweise mit einem Zuschuss bei Einstellung.

In Radeberg haben sich in den vergangenen zwei Jahren interessante Netzwerke aus ortsansässiger Wirtschaft, Gewerbeverein, Schulen und Stadtverwaltung gebildet, die gezielt den Wirtschaftsstandort Radeberg voranbringen wollen. Durch eine enge Kooperation zwischen Schulen und Betrieben zum Beispiel. Wie wollen Sie sich in diese Netzwerke einbringen?

Ich bin natürlich jederzeit bereit, mitzuwirken. Ich könnte beispielsweise den Kontakt zur Berufsberatung der Arbeitsagentur herstellen, um auf diese Weise Unterstützung für diese Netzwerke zu leisten.

Gespräch: Jens Fritzsche