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Unternehmen werben um künftige Lehrlinge

Das Interesse am diesjährigen Berufepark war groß. Aber nicht jede Firma findet auch geeignete Auszubildende.

© SZ Thomas Eichler

Von Jan Lange

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Im Moment wird heftig über die Bildung der deutschen Schüler diskutiert. Ausgelöst hat die Debatte eine 17-jährige Schülerin aus Köln, die sich in einer Kurznachricht auf Twitter beklagte, dass sie zwar eine Gedichtsanalyse in vier Sprachen schreiben könne, aber sonst nur wenig vom Leben weiß. Auch in Zittau, wo sich am Sonnabend im Rahmen des Berufeparks heimische Unternehmen an den Oberschulen präsentierten, gab es sowohl Zustimmung wie auch Ablehnung. Ein Funke Wahrheit stecke immer hinter solchen Aussagen, findet Konrad Hänel, der bei Vattenfall eine Ausbildung zum Elektroniker absolviert. Er würde sich wünschen, wenn den Schülern mehr technisches Wissen vermittelt wird.

In den ersten Jahren sind noch Biomathematiker gekommen, die gar nicht zu uns passen. Aber inzwischen sind die Schüler viel besser vorbereitet. Die Qualität der Bewerber ist auch besser geworden. Bei uns hat sich jetzt das erste Mädchen als Elektroniker b © SZ Thomas Eichler
Das Problem ist, dass viele Schüler der 8. oder 9. Klasse keine Vorstellung haben, was sie machen wollen. Bei der Berufsmesse in Hoyerswerda kam eine Klasse an unseren Stand, die nur ihre Zettel ausfüllen wollte. Die richtigen Gespräche kamen erst mit den © Thomas Eichler

Jobberater Bernd Klose kann das nur unterstreichen. Denn manche Schüler hätten schon Probleme mit den einfachsten mathematischen Aufgaben. Manche Unternehmen überfordern seiner Meinung nach aber auch die Schüler. Wenn in einem Ausbildungsangebot perfekte Polnisch-Kenntnisse gefordert werden, sei das so ein Fall. „Welcher Schüler soll denn dieses Wissen mitbringen“, meint Klose fragend.

Nach seiner Einschätzung gebe es viele gute Schüler, aber auch jede Menge schlechte. „Die Mitte ist dafür schwach besetzt“, findet der Mitarbeiter der Agentur für Arbeit in Zittau. Die guten Schüler kümmern sich, so Klose, frühzeitig um eine Lehrstelle und bekommen die besten Ausbildungsplätze. Die Arbeitgeber, die diese Schulabgänger an ihr Unternehmen binden können, würden laut Klose auch nicht meckern.

Die Digades GmbH aus Zittau scheint zu diesen Arbeitgebern zu gehören. Denn mit der Qualität der jungen Bewerber sei man im Moment sehr zufrieden. Auch die Anzahl der Bewerbungen sei sehr gut. Vattenfall beklagt dagegen, dass es schon schwieriger werde, gute Lehrlinge zu finden. Bis jetzt habe man aber immer ausreichend geeignete Leute bekommen.

Bei der Firma Johnson Drehtechnik, die ihren Sitz im Zittauer Gewerbegebiet in der Weinau hat, sieht das anders aus. In dem Unternehmen hatte zuletzt nur ein Jugendlicher seine Ausbildung begonnen, dabei hätte man gern noch einen zweiten Lehrling gehabt, erklärt Geschäftsführer Florian Fritz. Seine Firma beteiligt sich regelmäßig am Berufepark. In den vergangenen Jahren war sie immer in der Weinauschule, diesmal wurde der Stand erstmals in der Burgteichschule aufgebaut. „Dass wir uns direkt vor Ort in den Schulen vorstellen können, ist eine sehr gute Sache“, erklärt Fritz. Das sei nicht so anonym wie bei einer Hochglanzveranstaltung. Er dränge darauf, dass die Jugendlichen das Unternehmen erst mal durch ein Praktikum oder einen Ferienjob kennenlernen. Auch Bernd Klose kann dies nur empfehlen. Es gebe immer wieder Jugendliche, die durch ein solches Praktikum merken, dass der gewünschte Beruf nichts für sie ist.

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