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Unternehmer darf einen Haken schlagen

Knapp entschieden sich die Räte nach einigem Hin und Her mit sieben gegen vier Stimmen bei drei Enthaltungen dafür, auf der Fläche der Buntweberei den Bau eines SB-Marktes zuzulassen. Noch im Juni hatte sich der Technische Ausschuss auf Verwaltungsempfehlung dagegen ausgesprochen.

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Von Elke Kunze

Knapp entschieden sich die Räte nach einigem Hin und Her mit sieben gegen vier Stimmen bei drei Enthaltungen dafür, auf der Fläche der Buntweberei den Bau eines SB-Marktes zuzulassen. Noch im Juni hatte sich der Technische Ausschuss auf Verwaltungsempfehlung dagegen ausgesprochen.

„Persönlich bin ich auch gegen einen weiteren Markt, aber wir sollten nicht marktregulierend eingreifen“, argumentierte Henry Görlitz (CDU). Sein Fraktionskollege Ralf Fischer ging sogar noch weiter, scheiterte aber mit seinem Antrag, das Gebiet nicht zu beplanen. Fischer sagte, es sei überhaupt nicht Aufgabe des Rates, gewerbliche Aktivität in jeglicher Hinsicht zu verhindern. Der Inhaber der Buntweberei Volker Körner hat vor, das Gelände des nicht mehr produzierenden Betriebes zu vermarkten, um schlussendlich auch die zehn noch vorhandenen Arbeitsplätze in seinem Unternehmen zu halten. Die Ansiedlung des SB-Marktes soll Zugpferd für weitere Firmen sein. „Manchmal muss man als Unternehmer eben einen Haken schlagen, damit die Entwicklung gesichert wird. Ob sie letztlich aufgeht, ist eine andere Sache“, so Ralf Fischer. Peter Fischer plädierte für die Freien Wähler dafür, Handel zentrumsnah anzusiedeln, während sich PDS-Abgeordneter Hans-Jürgen Gückel für Markt- statt Planwirtschaft aussprach. Den beiden SPD-Räten Dr. Wolfgang Fichtner und Harry Goldammer ging es vor allem darum, dass die Stadt die planerische Hoheit behält, was die Optik und die Verkehrsanbindung betrifft.

Letztlich beschloss der Rat, den Bebauungsplan aufzustellen und die Ausnahme – Ansiedlung eines SB-Marktes – zu gestatten. Diese städtische Stellungnahme geht heute dem Bauordnungsamt der Kreisverwaltung zu, die den Bauantrag bearbeitet.

Mit Sorge sehen dies allerdings Mitarbeiterinnen der den Textilwerken nahe liegenden Geschäfte. „Ich kann nicht verstehen, dass der Stadtrat, um eine Ruine zu verhindern, in Kauf nimmt, dass anderswo eine entsteht“, so eine Verkäuferin. Die Frauen glauben, dass der Neubau des SB-Marktes auf dem Textilwerke-Gelände Auswirkungen auf den in unmittelbarer Nähe befindlichen Diska-Markt haben könnte. „Ich glaube nicht, dass andere Handelsketten ihre Entscheidungen über das Fortschreiben von Mietverträgen davon abhängig machen. Auch Tengelmann an der Geschwister-Scholl-Straße lief gut, als die Entscheidung gefällt wurde, diesen Markt zu schließen“, so Henry Görlitz.

Nach den Worten des Bürgermeisters spiele der Denkmalschutz bei der Bearbeitung des Bauantrags keine Rolle. „Die Hallen sind zu verfallen“, so Gerald Herbst.