SZ +
Merken

Unternehmer in Bulgarien prellt Mähdrescherwerk

Vor zwei Jahren verkaufte das Mähdrescherwerk Singwitz Landmaschinen im Wert von drei Millionen Mark nach Bulgarien. Doch die acht Mähdrescher wurden nie bezahlt. In den nächsten Wochen holt nun der Betrieb...

Teilen
Folgen

Von Rica Sturm

Vor zwei Jahren verkaufte das Mähdrescherwerk Singwitz Landmaschinen im Wert von drei Millionen Mark nach Bulgarien. Doch die acht Mähdrescher wurden nie bezahlt. In den nächsten Wochen holt nun der Betrieb die Maschinen zurück.
Als ein deutscher Geschäftsmann vor drei Jahren acht Mähdrescher für sein Unternehmen in Bulgarien orderte, war der geschäftsführende Gesellschafter des Singwitzer Werkes, Hans-Ulrich Hege, zufrieden. Schließlich handelte es sich bei dem Vertragspartner um den Sohn eines bekannten ehemaligen bayerischen Wirtschaftsministers. Allein seines Namens wegen räumte der Landmaschinenbauer dem Bayern einen großen Vertrauensvorschuss ein. "Es gab keinen Grund, ihm zu misstrauen", erinnert sich Dr. Hege. Die Liquidität des Auftraggebers und der von ihm benannten Leasingfirma, die die Finanzierung an Singwitz zusagte, schien nach eingeholten Auskünften in Ordnung zu sein. "Der Mann hat sich seinen Namen zu Nutze gemacht und daraus Kapital geschlagen", sagt Mirco Bernard Schieren. Er ist Wirtschaftsjurist, verhandelt gegenwärtig mit Gläubigern und treibt Außenstände für den Singwitzer Betrieb ein.
Sein jüngstes Mandat führte den 22-jährigen Juristen nach Bulgarien. Dort stehen auf dem Gelände eines deutschen Unternehmens, das sich auf Lohndrusch- und Lohnarbeiten in der Landwirtschaft spezialisiert hat, acht Mähdrescher aus Singwitz mit einem Neuwert von 2,5 Millionen Mark. Alle unbezahlt. Diese Maschinen soll Schieren zurückholen. Ein Auftrag, der schwieriger schien, als vorerst angenommen. Denn die Mähdrescher waren an den bulgarischen Zoll verpfändet, weil der Käufer keine Einfuhrsteuer entrichtet hatte. Und wegen angeblicher technischer Mängel wollte der deutsche Unternehmer die gelieferte Ware auch nicht bezahlen. "Meine Recherchen bestätigten den Verdacht, dass die ganze Aktion vom Sohn des Ex-Ministers geplant war", sagt Mirco Bernard Schieren.
Das Mähdrescherwerk Singwitz ist aber nicht das einzige Unternehmen, das von dem Deutschen geprellt wurde. Vier andere bekannte Landmaschinenbauer und eine Bank sind ebenfalls betroffen. Es gehe um 30 Maschinen im Gesamtwert von sieben Millionen Mark. Als der Unternehmer die Mähdrescher, Saatgeräte, Traktoren und Pflüge weiterverkaufen wollte, informierte der Wirtschaftsjurist die Staatsanwaltschaft München II. Diese schaltete Interpol ein.
Inzwischen sitzt der Sohn des Ex-Ministers wegen Wirtschaftskriminalität in München in Untersuchungshaft, sein deutscher Kompagnon in bulgarischer Auslieferungshaft. Die Landmaschinen sind sichergestellt und werden bewacht. "Der Bayer hat ein Schuldgeständnis abgelegt und mich zur Rückführung aller Maschinen bevollmächtigt", sagt Schieren. Ob die acht Mähdrescher nach Singwitz zurückkehren, ist derzeit noch offen.
Fest steht jedoch, dass sie verkauft werden sollen. "Anfragen aus Bulgarien und anderen europäischen Ländern gibt es dafür", sagt Hans-Ulrich Hege. Angst vor weiteren Fällen dieser Art hat der Geschäftsführer nicht: "Die Sache ist ein Einzelfall."