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Unternehmer plant Nachtstreifen

Sebastian Wenger will drei Monate lang Altstadtwachen testen – wenn sich genügend Nutzer finden.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ralph Schermann

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Der Görlitzer Unternehmer Sebastian Wenger betreibt unter anderem Übernachtungsstätten auf der Ufer- und Hotherstraße. Er beobachtet die Entwicklung der grenznahen Kriminalität schon seit Jahren: „Es wird schlimmer“, sagt er. Das deckt sich mit wissenschaftlichen Untersuchungen. „Es macht Angst, wenn man das Gefühl hat, dass jeder Schritt von Kriminellen beobachtet wird“, sagt Wenger.

In Sachen Verkehrssicherheit hat er in Andreas Neumann-Nochten von der Hotherstraße einen Partner.
In Sachen Verkehrssicherheit hat er in Andreas Neumann-Nochten von der Hotherstraße einen Partner. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Das ist umso unpassender, je mehr Görlitz als liebens- und lebenswerte Stadt deutschlandweit von sich reden macht. Deshalb müsse es heißen: „Görlitz ist sicher!“ So nennt Wenger sein Ziel. „Dafür will ich kämpfen.“ Erster Weg: Mehr private Sicherheitstechnik, was mancher Geschäftsmann längst mit höherwertigen Schließanlagen beherzigt. Zweiter Weg: Notruf bei der Polizei schon beim kleinsten Verdacht. So bestätigt es ein Polizeisprecher: „Zeugenhinweise sind entscheidend.“ Beides aber reicht nicht. Denn der Kleinkriminalität werde man so kaum Herr, sagt Wenger. Dagegen benötige man als dritten Weg einen Verbund mit Betroffenen. Und so rief der Unternehmer eine Art Sicherheitsstammtisch ins Leben, der seit geraumer Zeit zusammenkommt und auf dem Wenger einen „Zwölf-Punkte-Aktionsplan“ formulierte. Seine Grundidee: „Aktionen sollten konzertiert und zeitlich befristet getestet werden.“ Drei Projekte hat sich der Unternehmer von der Uferstraße jetzt konkret vorgenommen.

Beobachtung: Zivile Nachtstreife soll die Altstadt gut im Blick haben

In der Altstadt will Wenger achtstündige Nachtstreifen anbieten: „Jedes Haus, das mitmacht, wird vier- bis fünfmal bestreift. Der Wachdienst weist seine Kontrollen mit einem technischen Marker nach, sozusagen einer modernen Stechuhr.“ Die Streifen erfolgen in unauffällig ziviler Kleidung auf täglich wechselnden Routenvorgaben, geplant und durchgeführt von einem professionellen Wachschutzunternehmen.

Hauptaufgabe der Streifendienste: Bewegungen beobachten. Zu erkennen gäbe es viel. So bemerkte ein Altstädter erst vor wenigen Tagen eine Frau, die jede Haustürklinke fotografierte. Unterwegs war sie mit einem Kinderwagen. „Perfekte Tarnung“, vermutet Wenger. Ihm geht es darum, durch gezielte Beobachtung „die wirklich gute Arbeit der Polizei zu unterstützen“, vielleicht sogar potenzielle Diebe abzuschrecken. „Keinesfalls wollen wir eine Bürgerwehr haben“, betont er. Auch die Kosten seien überschaubar: Wären 20 Häuser dabei, käme das monatlich auf 180 Euro je Eigentümer, bei 30 Interessenten wären es noch 120, und bei 40 Häusern nur 90 Euro und so weiter. „Es können sich auch Gemeinschaften zusammenschließen.“ Je nachdem, wie viele mitmachen, würde er Streifen von April bis Juni testen, der hohen Zeit der Fahrraddiebstähle. Nach einer Auswertung könnte der Sicherheitsstammtisch dann überlegen, ob und wie es weitergeht oder das Projekt sogar auf andere Stadtteile ausgeweitet werden könnte.

Im März will Sebastian Wenger zu einer öffentlichen Info-Veranstaltung einladen. Der Termin dafür steht noch nicht fest. Interessenten können sich aber auch jetzt schon an ihn wenden, am besten per Mail.

Bereitschaft: City-Detektive könnten sich Ladendieben in den Weg stellen

Sollten sich die Streifen bewähren, hätte Wenger für sein zweites Projekt gute Karten: Ebenfalls als Test für drei Monate im Sommer wäre er dann auf Berliner- und Jakobstraße, Post- und Marienplatz an City-Detektiven interessiert. Statt Eigentümern oder Mietern wären die dann von Händlern zu finanzieren. Das Prinzip ist simpel: Sollte sich ein Tatverdächtiger im Geschäft aufhalten oder ein Ladendieb entwischen, werden zwei ständig unscheinbar im Umfeld patrouillierende City-Detektive vom Verkaufspersonal mittels Sofortruftaste verständigt und übernehmen Observation, Verfolgung und wenn möglich Festnahme. „Sie arbeiten dabei eng mit der Polizei zusammen“, versichert Wenger.

Dieses Modell ist indes nicht neu: In Bielefeld, Hagen und weiteren Orten hat es sich längst bewährt. „Laden- und Taschendiebstähle gingen daraufhin zurück“, bestätigt ein Hagener Polizeisprecher. Wenn so ein Projekt scheiterte, lag es meist an den größeren Ketten, die sich im Gegensatz zu örtlichen Händlern selten beteiligten: In den Konzernzentralen interessiert man sich weniger für spezielle Belange einer abgelegenen Filiale. Man darf auf die Görlitzer Diskussion dazu wirklich gespannt sein.

Fahrweise: Sorgen der Anlieger vor zu schnellen Autos sind ernst zu nehmen

Sebastian Wenger hat auch die Verkehrssicherheit im Blick. Zwar bescheinigen Polizei und Rathaus, dass es keine Veranlassung gäbe, an der Tempo-30-Zone von Ufer- und Hotherstraße etwas zu ändern, doch als Anlieger sieht das nicht nur Wenger anders. Mehrere Bürger, allen voran der Künstler Andreas Neumann-Nochten, wollen sich starkmachen gegen Raserei und hohes Fahrzeugaufkommen. Neumann-Nochten, dessen Tochter einen Unfall auf der Hotherstraße erlitt, rechnet mit bis zu 2 400 Fahrzeugen täglich: „Das ist zu viel für die schmale Straße, in der jedes Haus unter Denkmalschutz steht.“

Wenger fordert mehr Schilder, die an die Tempo-Zone erinnern, vielleicht ein oder zwei Straßen-Schwellen und mehr Tempo-Kontrollen, am besten mit einer stationären Überwachungsanlage. Im Prinzip aber sei es wie mit der Kriminalität: „Jedes Mittel ist positiv, das im Rahmen der Gesetze zur Verbesserung des Sicherheitsgefühls beiträgt.“

Kontakt in Sachen Streife: info(at)pico-bello.com