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Unternehmer sehen große Chance im IPO 

Viele Firmenchefs befürworten das riesige Gewerbegebiet am Autobahnzubringer – trotz einiger Bedenken.

Geplanter IPO-Standort links und rechts des Autobahnzubringers: Projekte angehen, an die sich sonst keiner traut.
Geplanter IPO-Standort links und rechts des Autobahnzubringers: Projekte angehen, an die sich sonst keiner traut. © Marko Förster

Wenn es um die harten Wirtschaftsfakten geht, sieht es für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge eher düster aus. Laut einer aktuellen Studie, sagt Christian Flörke, Chef der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP), belege die Region hinsichtlich der Wirtschaftsfaktoren im bundesweiten Vergleich nur einen hinteren Platz – vor allem, wenn es um den Wert der erzeugten Waren geht. „Nur wenige Landkreise sind noch schlechter als wir“, sagt Flörke. Der Grund: Zwar sind in der Region viele Dienstleister sowie Gastronomie- und Herbergsbetriebe ansässig, aber nur wenig produzierende Industrie.

Damit die Region in dieser Hinsicht künftig besser da steht, soll ein gigantisches Projekt helfen: Pirna, Heidenau und Dohna planen entlang des Autobahnzubringers ein großes Gewerbegebiet, den Industriepark Oberelbe (IPO), 140 Hektar groß, von der Fläche dürfen jedoch nur 60 bis 80 Prozent tatsächlich bebaut werden. Das Areal zu erschließen, kostet rund 140 Millionen Euro, 70 Millionen Euro Fördermittel sind dafür in Aussicht gestellt. Bis zu 3.000 Arbeitsplätze, so die Vision, könnten einmal auf dem Areal entstehen.

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Seit die Pläne reifen, ist das Projekt heftig umstritten, vor allem hinsichtlich dessen Folgen für Landschaft und Umwelt. In der Vergangenheit meldeten sich vor allem die Gegner zu Wort. Doch es gibt auch eine Menge Befürworter.

Vor allem Firmenchefs sehen in dem IPO eine große Chance für die Region – trotz einiger Bedenken. Für viele bieten die möglichen Neuansiedlungen auf dieser Fläche die Möglichkeit, Arbeitskräfte in die Region zu locken. Vor allem jene, die ihrer Heimat einst aus beruflichen Gründen den Rücken kehrten. „In den kommenden Jahren werden hier noch weniger Menschen leben und arbeiten als bisher“, sagt Maik Juppe, Geschäftsführer der Heidenauer Firma „Holzindustrie Dresden GmbH“. Daher gelte es jetzt, die Voraussetzungen zu schaffen, damit künftig genügend Arbeitskräfte sowie Flächen für Betriebe zur Verfügung stehen. „Wir müssen heute schon auf Vorrat investieren“, sagt Juppe.

Auch Norbert Rokasky, Geschäftsführer Heidenauer „Ausbildungsgesellschaft für Metalltechnik und Schweißer“ (AMS), plädiert dafür, dass die Kommunen jetzt mit dem IPO in Vorleistung gehen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. „Ich finde es super und hochprofessionell, wie das Projekt IPO angegangen wird“, sagt er und macht zugleich einen Kompromissvorschlag. Man könne ja durchaus den IPO und die städtischen Brachflächen – wie vor allem von IPO-Gegnern gefordert – parallel als Gewerbestandorte entwickeln.

In diesem Punkt sieht IPO-Projektkoordinator Manfred Elsner in erster Linie die Kommunen in der Pflicht. „Wir müssen genügend Gewerbeflächen vorhalten, das ist einfach unsere Aufgabe“, sagt er. Das könne aber nur gelingen, wenn Pirna, Heidenau und Dohna gemeinsam an dem Projekt arbeiten. Dem pflichtet auch Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) bei. „Wir müssen als Kommunen die Projekte angehen, an die sich kein Privater trauen würde“, sagt er. Beim IPO gehe es keineswegs darum, dass sich die drei beteiligten Städte ein Denkmal setzen – sondern darum, die Region für die Zukunft stark zu machen. Dazu gehöre auch, in Vorleistung zu gehen und einen Bebauungsplan für den IPO aufzustellen – sodass potenzielle Ansiedler später ohne Wartezeit einen Bauantrag stellen können. Lutz Fleck, Geschäftsführer der Heidenauer Firma „FAE Elektrotechnik“, plädiert ebenfalls dafür, jetzt mutig und visionär zu denken. „Es ist richtig, dass das Thema IPO jetzt angefasst wird“, sagt er.

Zwar gibt es bei den Unternehmenschefs auch Bedenken, später im IPO ansiedelnde Firmen könnten den hiesigen Betrieben die Fachkräfte abwerben. Diese Sorgen sind bei den meisten jedoch nicht vorherrschend. Er sei guter Dinge, sagt Juppe, dass er seine Mitarbeiter trotzdem im Betrieb halten könne. Auch Fleck hat keine Angst, durch den IPO Beschäftigte zu verlieren. „Damit dieser Umstand nicht eintritt, sieht er die jeweiligen Unternehmenschefs in der Pflicht. „Wir müssen unsere eigenen Firmen so attraktiv machen, dass die Menschen bei uns bleiben“, sagt er.

Für viele in der Region ansässige Betriebe ist der IPO eher eine Chance, zusätzlich Menschen in den Landkreis zu ziehen, was sich letztendlich positiv auf die Steuer- und Kaufkraft auswirkt. Wie das aussehen kann, verdeutlicht Flörke anhand Pirnaer Zahlen. Die Stadt, sagt er, profitiere schon seit 2012 von einem kräftigen Zuzug. In dieser Zeit sei das Aufkommen an der Gewerbesteuer von sieben auf zehn Millionen Euro, an der Einkommensteuer von sechs auf zehn Millionen Euro gestiegen. Kommt der IPO, könnten diese Summen künftig noch größer ausfallen.

Rokasky wirbt daher dafür, dass die ansässigen Unternehmen das Projekt IPO unterstützen. „Wir haben doch alle große Netzwerke. Wir sollten sie aktivieren, um weitere Firmen in die Region zu holen“, sagt er. Viele Betriebe, prognostiziert Rokasky, würden sich zunehmend von Dresden lösen, da sie dort für sich keine Entwicklungsmöglichleiten sehen – weil es einfach keine Gewerbeflächen mehr gibt. In Pirna droht ein ähnlicher Engpass: Laut Flörke stehen noch drei Gewerbegrundstücke zum Verkauf, dann war es das. „Für alle Firmen, die sich erweitern oder neu ansiedeln wollen, „sagt Rokasky, „ist der IPO eine riesige Chance.“

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