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Unterricht am Display

Interaktive Tafeln sollen in drei Pirnaer Schulen das Lernen anschaulicher gestalten. Die Schüler sind noch skeptisch.

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Von Felix Hahn

Jörg Fankhänel wertet mit seinen Astronomieschülern die Antworten der letzten Klausur aus. Die Elftklässler des Herder-Gymnasiums schauen nicht wie sonst auf ihre eigene Klausur, sondern gespannt zur Tafel. Ein Stück Kreide hält Fankhänel nicht in seiner Hand. Stattdessen schreibt er die Lösungsansätze mit einem Stift direkt unter die Klausuraufgaben, die mit einem Beamer an die Tafel projiziert werden. Die Tafel entwickelt sich zum Touchscreen.

Drei Schulen in Pirna sind mit der neuesten Generation der interaktiven Wandtafeln ausgestattet. Am Herder-Gymnasium sowie an der Oberschule „Johann-Wolfgang von Goethe“ ist es jeweils ein Raum . Im Neubau der Oberschule „Carl Friedrich Gauß“ sind in sieben Räumen neue Tafeln installiert.

Diese sollen den Unterricht abwechslungsreicher gestalten. Lehrer können das Tafelbild beliebig mit Anzeichnungen und Bemerkungen bearbeiten. Selbst der Arbeitsstand eines Schülers kann auf die Tafel projiziert und verändert werden. Neben dem simplen Abspielen von Youtube Videos im Musikunterricht gibt es auch spezielle Programme für die jeweiligen Fächer. Im Geografieunterricht können so mehrere Karten gleichzeitig übereinandergelegt werden. Die alten Kartenständer haben dann ausgedient.

Für Jörg Fankhänel sind nicht die neuen Programme, sondern das Speichern des Tafelbildes der größte Pluspunkt. „Man kann in der nächsten Stunde da weiterarbeiten, wo man stehengeblieben ist. Bei einer Kreidetafel ist das nicht möglich.“ Die Schüler sehen die neuen Tafeln kritischer. Einige von ihnen bemerken keinen großen Unterschied zu den bisher vorhandenen Mitteln. So sagt Elftklässlerin Lisa: „Ein Beamer würde im Prinzip auch reichen.“ Mitschülerin Gloria sieht es ähnlich: „Die neuen Wandtafeln sind nicht unbedingt nötig.“ Andere sehen die Tafeln durchaus positiv, wenn auch mit Abstrichen. „Die Tafel ist durchaus sehr praktisch, doch sie besitzt noch leichte technische Schwächen“, sagt Zwölftklässler Maximilian. Er fügt hinzu: „Nicht alles, was angezeichnet wird, ist dann auch auf dem Bild sichtbar. Aber das lässt sich sicher beheben.“

Die neue Technik sollte recht bald Lehrer und Schüler zufriedenstellen. Immerhin kostet allein eine Wandtafel inklusive Beamer und Lautsprecher 2 500 bis 3 000 Euro. Die digitale Einrichtung der Räume wird über das Förderprogramm Medios II unterstützt.

Die Zimmer verfügen aber nicht nur über eine neue Tafel. Jeder Arbeitsplatz ist zusätzlich mit einem Computer ausgestattet. Insgesamt sind es 30 Rechner – und das kann zu Problemen führen. Um denen entgegenzuwirken, griff die Stadtverwaltung Pirna bei der Einrichtung des Raumes in die technische Trickkiste: „Die Schüler arbeiten an sogenannten Zero Clients“, sagt Heiko Dittrich, Fachdienstleiter im Bereich IT der Stadtverwaltung Pirna.

Ein Zero Client oder auch Thin Client genannt, ist ein Computer, der stark auf die Hilfe anderer Computer oder eines Servers angewiesen ist, um seine Aufgaben zu erfüllen. Im Fall des Herder-Gymnasiums werden die Arbeitsplätze über einen Server gesteuert. Heiko Dittrich sieht in der Technik große Vorteile für den Unterricht: „Da nur noch der Bildschirm benötigt wird, verringern sich die Lautstärke und die Wärmeentwicklung im Raum, die durch die Benutzung normaler Computer entstehen würden.“ Zero Clients haben allerdings auch Nachteile. „Man kann nicht gleichzeitig 30 HD-Videos abspielen“, so Dittrich. Er empfiehlt den Lehrern für das Arbeiten mit den neuen Tafeln eine Schulung. An der Gauß- und Goethe-Oberschule haben schon viele Lehrer daran teilgenommen. Das Herder-Gymnasium hat da laut Dittrich noch Nachholbedarf.