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Unterricht im Kimono

23 japanische Lehrer besuchten kürzlich die Heinrich-Heine Grundschule Heidenau-Großsedlitz. Mehr dazu im Gespräch mit der Lehrerin Sylke Bandelow. Gäste von so weit her kommen nicht alle Tage an eine Schule im Landkreis.

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23 japanische Lehrer besuchten kürzlich die Heinrich-Heine Grundschule Heidenau-Großsedlitz. Mehr dazu im Gespräch mit der Lehrerin Sylke Bandelow.

Gäste von so weit her kommen nicht alle Tage an eine Schule im Landkreis. Was war der Grund des Besuchs gerade an Ihrer Einrichtung?

Die japanischen Lehrer sind Teilnehmer einer Bildungs-Studienreise und wollten sehen, wie an unserer Grundschule gelernt wird. Bei uns wird nach der Lese-Lehrmethode unterrichtet, für die international ein großes Interesse besteht.

Wie klappte es denn mit der Verständigung?

Groß war für unsere Gäste die Überraschung, als sie zu Beginn des Unterrichts alles verstehen konnten. Unsere Schüler sprachen und sangen nämlich in deren Muttersprache: Japanisch.

Und wer brachte das den Schülern bei?

Ayumi Inoue, eine junge Frau aus Yokohama. Sie ist schon seit Anfang April täglich unser Gast und bleibt noch bis zu den Weihnachtsferien. In dieser Zeit wollte sie ihr Deutsch verbessern und sich auf ihre Arbeit als Dolmetscher vorbereiten. Im Unterricht vermittelt sie den Kindern Wissenswertes über ihr Land und die japanische Kultur. Inzwischen wissen alle Kinder beispielsweise, wie ein Kimono getragen wird und was Origami ist. Von jedem hängt auch ein gefalteter Friedenskranich im Schulhaus. Vieles haben wir in Japanisch gelernt: Lieder, Tänze, Spiele und natürlich Wörter, Redewendungen und Schriftzeichen. Frau Inoue will vor ihrer Abreise in jeder Klasse mit den Eltern noch eine Teezeremonie durchführen.

Was erlebten die Delegationsmitglieder in Großsedlitz?

Manches Erstaunliche für sie, beispielsweise das Lernen in Gruppen, das differenzierte Arbeiten am Computer und die zahlreichen Anschauungsmittel sowie Lernspiele. Das kannten die Gäste alles nicht. Dieses offene Lernen beeindruckte sie sehr, steht es doch im Gegensatz zum japanischen Schulalltag. Da sitzen bis zu vierzig Kinder in einer Klasse.

Gab es auch Begegnungen nach dem Unterricht?

Nach den Hospitationen gab es noch viele Fragen unter den Lehrern. Gerlinde Lenz, unsere Schulleiterin, stellte zum Beispiel eine Lern-Werkstatt vor und sprach über die Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“. Fragen zu den Lehrplänen und zu Unterrichtsinhalten fesselten unsere Gäste so, dass sie kaum zu Kaffee und Kuchen greifen wollten. Eine Lehrerin wollte sich unbedingt noch einmal für das Gesehene im Unterricht bedanken. Sie war noch ganz fasziniert von Mathias aus der dritten Klasse, wie er einen Versuch zur Luft vorgeführt hatte. Die japanischen Lehrer bedankten sich mit traditionellen Geschenken und überraschten uns unter anderem mit zahlreichen bewundernswerten Schülerarbeiten aus ihren eigenen Klassen.

Was machen Sie mit dem Material?

Das wollen wir in unserem Schulhaus aushängen und uns damit noch lange an diesen besonderen Tag erinnern. Vorher schmücken wir damit aber erst einmal die Klassenzimmer zur Teezeremonie.

Bearbeitet von Gabriele Schrul.