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Unterschriften und Frühjahrsputz für die Stadthalle

Der Förderverein lässt nicht locker und sieht sich von den Görlitzern unterstützt.

Von Sebastian Beutler

Was der Stadthallen-Förderverein von der Stadt fordert, kann Michael Hannich in drei knappen Sätzen sagen. „Unverzüglich soll die Sicherung der Stadthalle begonnen werden, außerdem soll die Stadt die zwingend nötigen Gelder zur Verfügung stellen und bis Mai einen Zeit- und Finanzplan für eine Dachsanierung vorlegen.“ So erklärte er es vergangene Woche vor dem Stadtrat. Weil er rechtzeitig vor der Debatte aus dem Vorstand des Vereins ausgetreten war, konnte Hannich im Stadtrat das Wort ergreifen. Genauso klar aber wurde an diesem Abend auch: Für diese Forderungen gibt es im Moment keine Mehrheit im Stadtrat. Das Görlitzer Bündnis aus CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne will aber zumindest mal untersuchen lassen, was anschließend an Bauschäden dringend behoben werden muss. Wie umfangreich das sein wird und wie viel die Stadt dafür aufwenden muss, ist nun von der Prüfung abhängig.

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Wenn er auch keine Mehrheit im Stadtrat für weitergehende Forderungen hat, so fühlt sich der Förderverein um den CDU-Kommunalpolitiker Thomas Leder von den Görlitzern unterstützt. Unmittelbar vor der Stadtratssitzung übergab Leder 2 615 Unterschriften für die Erhaltung der Stadthalle dem Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege. Leder wollte die Listen am liebsten vor dem Stadtrat dem Stadtoberhaupt übergeben. Doch das Büro von Deinege bat um einen diskreteren Termin unmittelbar vor der Stadtratssitzung. Für den Förderverein war das ein weiteres Indiz dafür, dass im Moment die Stadt das Thema Stadthalle am liebsten niedrig hängen will. Bürgerbeteiligung, Jugendzentrum Werk I und familienfreundliche Kommune scheinen wichtiger zu sein. So wartet der Förderverein beispielsweise auf Antwort von der Stadt auf seinen Antrag vom November, den großen Saal im Juni erneut für eine Benefizveranstaltung nutzen zu dürfen. Künstler wie zuletzt Bill Ramsey kann der Verein dafür weiterhin nicht buchen. Die Antwort soll, so kündigte Oberbürgermeister Siegfried Deinege bei einer Zusammenkunft jüngst an, nun doch bis Donnerstag nächster Woche vorliegen. Vermutlich enthält sie eine Absage für den großen und eine Zusage für den kleinen Saal. Als bespielbare Baustelle. Diese Lösung legt auch der Stadtratsbeschluss vom Donnerstag nahe. Demnach soll Deinege prüfen, ob der Kleine Saal für Veranstaltungen vermietet werden kann. Der immer wieder diskutierte Bestandsschutz, der mit der Schließung erloschen sein soll, steht dem jedenfalls nicht im Wege: Er besteht nach wie vor.

So wichtig diese kurzfristigen Projekte sind, um die Stadthalle im Gespräch zu halten, so wenig ist damit deren Zukunft geklärt. Deinege machte keine Andeutung vor dem Stadtrat, wie er sie sich vorstellt. Auch in dem Beschluss vom Donnerstag sind Ideen für die Zeit nach der Notsicherung nicht vorgesehen. Zumal die Stadt die einst für die Sanierung vorgesehenen Gelder nun für andere Vorhaben nutzt, um an dieser Stelle nicht erneut Fördermittel zurückgeben zu müssen. Im Stadtrat gibt es derzeit aber auch keine politische Mehrheit für einen neuen Sanierungsanlauf. Das Görlitzer Bündnis tut sich damit schwer, die Linkspartei spricht vage von einem europäischen Zentrum für die Stadthalle und löchert andere, die einen Vorschlag einbringen, lediglich mit Fragen.

So ergeht es derzeit auch der FDP, die seit Monaten für eine Stiftungslösung wirbt. Dieser Marschrichtung schloss sich der Stadtrat doch an. Auch hier soll OB Deinege bis Mai prüfen, welche Chancen in einer solchen Stiftung liegen. Für FDP-Stadtrat Frank Wittig ist sie der einzige Weg, um die Konzerthalle in absehbarer Zeit sanieren zu können. Der Görlitzer Rechtsanwalt erinnerte vor dem Stadtrat an die Evangelische Kulturstiftung, die sich um das Heilige Grab, die Nikolaikirche und den Nikolaifriedhof kümmert. „Die Stiftung hat lediglich ein Grundkapital von 40 000 Mark“, erläuterte Wittig. „Dennoch war sie in der Lage, für mehrere 100 000 Euro einen Neubau zu errichten. Das Beispiel zeigt, was eine Stiftung alles leisten kann.“ Dabei ist Wittig klar, dass die Stadthalle eine größere Nummer als das Heilige Grab ist. Doch hält er Gespräche mit Sachsen, dem Bund und dem Landkreis nicht für aussichtslos. Nur: Bislang hat die Stadt nichts dafür getan. Die Stiftung könnte auch eine schrittweise Instandsetzung der Halle vornehmen. Die hätte den Charme, findet der Förderverein, dass so auch Fördermittel beantragt werden können. Ohne einen beschlossenen Fahrplan zur Instandsetzung bleiben die Geldschatullen in Dresden verschlossen.

Bis Mai will der Förderverein aber an der Stadthalle nicht abwarten. Er ruft an diesem Sonnabend zum Frühjahrsputz im Stadthallengarten auf. Alle können mithelfen, und Thomas Leders Traum wäre es, wenn sich auch Schulklassen beteiligen würden. Schließlich könnte der Stadthallengarten für ganz verschiedene Veranstaltungen genutzt werden. Den Wasseranschluss nehmen die Stadtwerke jetzt wieder in Betrieb, und die Firma Haustechnik Schöpstal setzt die Toiletten instand. Beide nehmen dafür kein Geld – für den Verein wieder ein Zeichen, dass die Stadthalle den Görlitzern noch wichtig ist.

Wer an dem Frühjahrsputz teilnehmen will, melde sich bei [email protected] oder  03581 409595 an.