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Tretroller mit Antrieb

Ab Ende Mai sollen E-Scooter im deutschen Straßenverkehr erlaubt sein. Die neuen Vehikel sind aber nicht unumstritten. Ein Test.

Proberunde – nur fürs Foto – vor der Dresdner Semperoper: Redakteur Andreas Rentsch fährt den X2City.
Proberunde – nur fürs Foto – vor der Dresdner Semperoper: Redakteur Andreas Rentsch fährt den X2City. © Thomas Kretschel

Der erste Eindruck: ganz schön dick, dieses Ding. Vorsichtig hieve ich den 21 Kilo schweren Roller aus der Transportbox. Mit einem Tretroller, wie ihn meine Kinder fahren, hat der X2City aber allenfalls die grobe Form gemein. Unterm Trittbrett steckt ein Akku, der damit erzeugte Strom treibt einen Elektromotor am Hinterrad an. Laut Datenblatt soll der Roller damit bis zu 20 km/h schnell werden.

E-Scootern wie dem X2City, den BMW in Kooperation mit der Firma Kettler verkauft, wird ein Boom prophezeit. Denn die Bundesregierung will Autos von den Innenstädten fernhalten und stattdessen Mikromobilität stärken. Damit sind Fortbewegungsmittel gemeint, mit denen Pendler das letzte Stück von der Bus- oder Bahnhaltestelle zur Arbeit oder nach Hause fahren.

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In diese Kategorie gehören E-Tretroller ebenso wie elektrische Skate- oder Hoverboards und motorisierte Einräder. Noch sind diese Vehikel im Straßenverkehr verboten. Doch das soll sich ändern. Laut einer Verordnung, die der zuständige Minister Andreas Scheuer (CSU) kürzlich unterzeichnet hat, dürfen zumindest elektrische Tretroller voraussichtlich ab Ende Mai legal bewegt werden. Manche nur auf Gehwegen, andere auf Radwegen und Straßen.

Den X2City könnte ich dank Ausnahmegenehmigung des Kraftfahrtbundesamts schon jetzt versichern und fahren. Doch mein Testroller ist ohne Klebekennzeichen geliefert worden. Die Optionen für Proberunden bleiben also beschränkt. „Nicht im öffentlichen Verkehrsraum bewegen“, hat mir der Kettler-Mitarbeiter eingeschärft. Okay, fahre ich eben erst mal auf privaten Parkplätzen.

Jeder Pedalhub erhöht die Geschwindigkeit

Mit wenigen Handgriffen lässt sich der E-Scooter in einen fahrbereiten Zustand bringen. Rechts an der Lenkstange sitzt ein Bordcomputer. Ein kurzer Tastendruck weckt das System und zeigt den Ladezustand der Batterie: fast voll. Ich bin froh, nicht erst durch die 86 Seiten dicke Bedienungsanleitung blättern zu müssen.

Jetzt gilt es, die Fuhre zum Fahren zu kriegen. Dafür muss ich mich abstoßen und mit Muskelkraft auf mindestens sechs km/h beschleunigen. Sobald ich mit beiden Beinen auf dem Trittbrett stehe, stelle ich eine Ferse aufs Pedal am hinteren Rand des Trittbretts. Voilà! Wie von einem unsichtbaren Gummiband gezogen, zieht der Roller an und hält schließlich das Tempo. 

Jeder Pedalhub erhöht die Geschwindigkeit um zwei Stundenkilometer. Eine Balkenanzeige im Display zeigt mir, in welcher Fahrstufe ich mich befinde. Jetzt muss ich mich nur darauf konzentrieren, beim Herumkurven nicht mit einem Bordstein oder parkenden Autos zu kollidieren. Sobald ich den Fuß vom Pedal hebe, rollt der X2City aus. Gebremst wird mit Scheibenbremsen, deren Kraft sich gut dosieren lässt.

Ich werde mutiger und versuche, mit Maximaltempo ein paar enge Kurvenradien zu fahren. Die fetten 16-Zoll-Reifen quietschen laut, rutschen aber nicht weg. Doch es gibt ein anderes Problem: Das tief liegende Trittbrett ist so breit, dass ich mir nicht viel Schräglage zutraue. 

Gut möglich, dass mancher Anfänger die Wendigkeit des Rollers überschätzt. Mit 18 oder 20 km/h durch eine überfüllte Fußgängerzone zu cruisen, wäre wohl keine gute Idee. Die EScooter-Verordnung verbietet es ohnehin. Der X2City muss auf Radwegen und – sofern nicht vorhanden – Straßen bewegt werden. Mit langsameren Rollern darf man dagegen auch auf Gehwege.

Fachleute befürchten, der Siegeszug der E-Scooter könne schlimme Folgen für Fußgänger haben. Bei Kollisionen mit Tempo 20 drohten schwere Verletzungen, warnt Siegfried Brockmann, Unfallforscher beim Versichererverband GDV. Sein Standpunkt: „Elektroroller sind Kraftfahrzeuge. Die haben auf Bürgersteigen nichts zu suchen.“ Noch kritischer sieht Brockmann Einräder oder andere Vehikel ohne Lenkstange, die lediglich durch Gewichtsverlagerung gesteuert und gebremst werden. Dabei sind gerade Mono-Wheels wegen ihrer ultrakompakten Bauweise praktisch. Sie wiegen nur ein paar Kilo und lassen sich bei Bedarf wie eine Tasche tragen.

Diese Handlichkeit kann mein Roller nicht bieten. Den Lenker einklappen und das Ding mehrere Treppen hoch ins Büro tragen? Lieber nicht. Auch der Preis schreckt eher ab: Knapp 2 400 Euro verlangt BMW für den X2City. Immerhin übernehmen die Bayern für die ersten 2 000 Käufer ein Jahr lang die Kosten für die obligatorische Haftpflichtversicherung.

Dieses dicke Ding macht Spaß

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Nach 13 gefahrenen Kilometern – mehr gab der Ladestand des Akkus zunächst nicht her – lässt sich so viel sagen: Dieses dicke Ding macht Spaß, vor allem beim flotten Cruisen. Doch das Trittbrett liegt gefährlich tief. Beim Überfahren einer abgesenkten Bordsteinkante gab es Bodenkontakt, was einen Kratzer am Rahmen hinterließ. Ansonsten lässt sich der E-Scooter leicht bedienen und wirkt gut verarbeitet. Länge und Gewicht schränken die Alltagstauglichkeit ein. Die versprochene Reichweite von 20 bis 30 Kilometern pro Akkuladung dürfte machbar sein. Was den Anschaffungspreis betrifft, liegt der Roller leider über meiner Schmerzgrenze.