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Untreue in Tirol – Urteil in Dresden

Eine Dresdnerin soll2009 in Österreich eine Tankstelle beklaut haben.Nach vier Jahren war das nun der zweite Prozess.

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Von Julia Lachmann

Im Januar 2009 soll Janette T. (40) aus Dresden als Kassiererin einer Tankstelle in Tirol 2776 Euro veruntreut haben. Der Verdacht kam auf, als eine Arbeitskollegin feststellte, dass die Tageseinnahmen vom Jahreswechsel nicht bei der Bank eingezahlt worden waren. Zwar wurde Janette T. auf den Bildern der Überwachungskamera der Volksbank Kufstein erkannt. Jedoch war darauf nicht zu sehen, ob sie die Geldkassette mit den Tageseinnahmen auch tatsächlich in den Banktresor hineinwarf. Außerdem ist von den betroffenen Tagen kein Einzahlungsbeleg vorhanden.

Im Januar 2011, recht zeitig also, stand Janette T. erstmals wegen dieser Sache vor dem Amtsgericht Dresden. Das Verfahren wanderte nach Sachsen, weil die Frau zwischenzeitlich am Hammerweg eine alte Haftstrafe absaß. Die 40-Jährige war schon vor der vermeintlichen Untreue in Tirol kein unbeschriebenes Blatt. Zweimal wurde sie zu Freiheitsstrafen verurteilt, 2005 in Dresden und 2007 in Innsbruck.

Der Prozess in Dresden hatte zur Folge, dass nun also eine Bank- und eine Tankstellenmitarbeiterin aus dem Tiroler Touristenort Kirchbichl an die Elbe reisen mussten, um als Zeugen auszusagen. Die frühere Kollegin der Angeklagten berichtete etwa, wie Janette T. Anfang 2009 überraschend verschwunden sei, als noch nichts von dem fehlenden Geld bekannt war. Zwei dunkel gekleidete Typen sollen sie abgeholt haben. Sie habe nach wenigen Tagen zurück sein wollen, doch blieb weg – mit dem schönen Geld. Doch die Sache zog sich hin. Der damalige Richter vertagte das Verfahren aufgrund offener Fragen zu Geld-Einzahlungen in den Tiroler Banktresor.

Plötzlich untergetaucht

Am Freitag nun der zweite Prozess. Die Angeklagte machte erneut keine Angaben zu den Vorwürfen. Wieder war Bankerin Ingrid B. (26) nach Dresden gereist, um über ihren Tresor zu berichten. Die Angaben der Tankstellen-Zeugin musste Richter Funk verlesen, weil die Frau offenbar nicht willens war, vor Gericht zu erscheinen. Sie hatte angegeben, dass sich Janette T. förmlich um die Nachmittagsschicht des 1. Januars gerissen habe: Nur so habe sie die Tageseinnahmen zur Bank bringen können.

Der Staatsanwalt war überzeugt, dass die Angeklagte das Geld veruntreut hatte. Er forderte eine Haftstrafe von vier Monaten ohne Bewährung. Verteidiger Oliver Wirz hingegen plädierte auf Freispruch. Seine Mandantin sei nicht klar auf den Bildern zu erkennen. „Es hätte jeder sein können“, sagt er. Richter Funk verurteilte die Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt ist. Zusätzlich muss sie 1000 Euro an die Opferhilfe Sachsen zahlen.