merken
PLUS Döbeln

Wegen Corona: Ostern ohne Familie

Die Bewohner Wohnstätte der Lebenshilfe in Döbeln wurden durch die Corona-Krise aus ihrem Alltag geworfen. Die Betreuer bemühen sich um neue Strukturen.

Die Bewohner des Heims der Lebenshilfe in Döbeln Ost können in der freien Zeit, von der sie jetzt sehr viel haben, das Gelände um die Einrichtung nutzen. Dort haben sie mit den Betreuern einen Osterbrunnen mit etwa 400 bemalten Ostereiern geschmückt.
Die Bewohner des Heims der Lebenshilfe in Döbeln Ost können in der freien Zeit, von der sie jetzt sehr viel haben, das Gelände um die Einrichtung nutzen. Dort haben sie mit den Betreuern einen Osterbrunnen mit etwa 400 bemalten Ostereiern geschmückt. © Erik-Holm Langhof

Döbeln. Viele Menschen müssen sich in der Corona-Krise neu organisieren. Bei der Lebenshilfe in Döbeln ist das Problem ein ganzes Stück größer. Dort wohnen 40 Menschen auf engem Raum miteinander, deren Alltag durch die Beschränkungen ordentlich durchgewirbelt wurde. 

Viele der geistig behinderten Bewohner arbeiten sonst in der Behindertenwerkstatt der Diakonie, was ihren Tag strukturiert. Seit die Einrichtungen wegen der Pandemie geschlossen sind, müssen sich die Betreuer etwas einfallen lassen, um die Bewohner durch die Krise zu bringen. 

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

„Wir kommen ganz gut zurecht. Die meisten Bewohner nehmen das gelassen hin. Nur mit wenigen haben wir jetzt Probleme. Für manche der Bewohner ist die Zeit jetzt wie Urlaub“, sagt die Leiterin Ute Eschner. 

„Wir versuchen, die Bewohner zu beschäftigen, binden sie in die Hausarbeit mit ein. Sie müssen ihre Handtücher und die Wäsche mal selbst waschen und ihre Wohnbereiche in Ordnung bringen. Heute haben wir die Blumenkästen bepflanzt“, erzählt die Leiterin.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Die Mitarbeiter versuchen, den Tag für die Bewohner zu strukturieren. Während sie an den arbeitsfreien Tagen eigentlich in der Zeit zwischen 8 und 10 Uhr frühstücken können, ist in der Corona-Krise um 8 Uhr das Frühstück angesetzt. „Einmal in der Woche kochen wir auch zusammen das Mittagessen“, sagt Ute Eschner. 

Zwei Stunden gilt Mittagsruhe. „Da dürfen die Bewohner machen, was sie gern möchten“, so die Leiterin. Außer, das Gelände verlassen. Auch gemeinsame Spaziergänge sind jetzt ausgesetzt. Das Gelände um die Einrichtung in Döbeln Ost ist aber relativ groß. Die behinderten Menschen können dort Fußball und „Ball-über-die Leine“ spielen. „Wir machen auch mal Sport.“

Heimleiterin Ute Eschner: "Zum Glück gibt es bei uns noch keinen Corona-Fall."
Heimleiterin Ute Eschner: "Zum Glück gibt es bei uns noch keinen Corona-Fall." © Erik-Holm Langhof

Wie in den Pflegeheimen sind Besuche von Angehörigen in der Krise ausgesetzt. Von den insgesamt 40 Bewohnern leben 16 auf der Pflegestation der Einrichtung und gehören damit zu den besonders gefährdeten Menschen. „Zum Glück gibt es bei uns noch keinen Corona-Fall“, sagte die Leiterin. Für die Belegschaft der Einrichtung bedeutet die Corona-Zeit Mehrarbeit. 

Während in normalen Zeiten der Dienst für die meisten erst um 14 Uhr beginnt, brauchen die Bewohner jetzt eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. „Dafür verschieben einige Kollegen ihren Urlaub. Das kann man aber nicht auf Dauer machen“, so Ute Eschner. „Ich staune, dass unsere Bewohner alle so lieb sind. Die wollen uns zur Zeit alles recht machen“, freut sich die Leiterin.

Für die Bewohner und Mitarbeiter hatte die Corona-Krise auch noch andere unangenehme Züge. Zu Beginn wurden sie in den Supermärkten angefeindet, wenn sie größere Mengen für ihren täglichen Bedarf einkauften. Nach einer Veröffentlichung bei Sächsische.de habe es positive, aber auch andere Reaktionen gegeben, sagt Eschner. 

„Manche Leute sagten, dass alle etwas kaufen wollen. Aber mittlerweile hat sich das eingepegelt. Der Hausmeister hat manchmal noch Probleme, wenn er größere Mengen einkauft. Er hat jetzt ein Schildchen ‚Lebenshilfe‘ am Revers. Da geht es.“

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln