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Unwetter zwingt Woba zum Abriss

Die Wohnbaugesellschaft Zittau muss bei zwei Objekten schnell handeln. Von einem geht sogar Gefahr aus.

© SZ Thomas Knorr

Von Gesine Schröter

Plötzlich ging alles ganz schnell: Da standen Ende Oktober Bauzaun und Container auf der Schrammstraße, kurz bevor sie sich mit der Südstraße kreuzt. Da wurde der Abschnitt bis zur Neißstraße kurzzeitig abgesperrt. Und der Bagger mit seiner Riesenschaufel machte sich ans Werk. Zwei Wochen hat er sich nun in die reichlich hundert Jahre alten Mauern gefressen. Jetzt zeugt nur noch ein großer Haufen Bauschutt vom ehemaligen Eck-Wohnhaus mit der Nummer 64.

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Es ist nur eins von zwei Häusern aus dem Bestand der Zittauer Wohnbaugesellschaft (Woba), die in diesen Wochen fast zeitgleich abgerissen werden. In etwas langsameren Schritten verschwindet auch der 70er-Jahre-Wohnblock Pablo-Neruda-Straße 1 bis 11 in Zittau-Nord. Beide Häuser sollen bis zum Ende dieses Jahres „liegen“, das heißt, einer freien Fläche weichen, auf der im nächsten Frühjahr Rasen gesät werden soll.

Trotz der zeitlichen Überschneidung sind die Gründe für die beiden Abrisse verschieden. Zwar stand sowohl der Plattenbau seit 2010 als auch der Altbau seit mindestens 2008 leer. Seit Jahren geplant war allerdings nur der Abriss in der Pablo-Neruda-Straße. „Wir haben uns lange um die dafür notwendigen Fördermittel bemüht“, erklärt Woba-Geschäftsführerin Uta-Sylke Standke, „und im August endlich den Zuschlag bekommen.“ Das heißt konkret: Der Freistaat gibt im Rahmen seines Landesprogramms für Rückbau von Wohngebäuden 50 Euro pro abgerissenen Quadratmeter dazu, eventuelle Mehrkosten muss die Wohnbaugesellschaft selbst bezahlen.

Soweit alles gut in Zittau-Nord. Doch als sie von dem Zuschlag erfuhr, hatte Frau Standke schon ein neues Sorgenkind: Das Wohnhaus Schrammstraße 64 galt von einem Tag auf den anderen als massiv einsturzgefährdet. Die Wassermassen des Juni-Unwetters hatten die Lehmdecken des Altbaus so stark aufgeweicht, dass es Anfang August zu den ersten Deckendurchbrüchen kam. Das Haus war somit nicht mehr begehbar. Doch damit nicht genug: Einige Teile drohten sogar, auf die Straße zu stürzen. „Mit soviel Gefahr in Verzug mussten wir natürlich sofort handeln“, sagt Frau Standke. „Dazu sind wir verpflichtet.“ Allerdings ist die Woba nur für den Gebäudeteil bis zur Brandmauer zuständig. Es ist aber davon auszugehen, dass der Teil entlang der Südstraße mit ähnlichen Baumängeln zu kämpfen hat.

Durch den ungeplanten Abriss kommen also noch einmal erhebliche Kosten auf die Zittauer Wohnbaugesellschaft zu: Zwischen 70 000 und 75 000 Euro werde der Abriss an der Schrammstraße voraussichtlich kosten, schätzt die Woba-Chefin. Um diese finanzielle Lücke auszugleichen, müsse das Vorrichten und Instandhalten zahlreicher anderer Wohnungen erst einmal warten. Weitere Abrisse von Woba-Gebäuden sind laut Standke bis einschließlich 2020 nicht mehr in Planung.

Auf der anderen Seite der Stadt häufen sich derweil Bretter und andere Teile der Inneneinrichtung am Rande der Pablo-Neruda-Straße. Dass hier bald ein Plattenbau weniger steht, begrüßen auch die Stadt und die Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft (ZSG). „Der Abriss des Wohnblocks steht voll in Übereinstimmung mit dem Stadtentwicklungs- beziehungsweise Handlungskonzept Stadtumbaugebiet Zittau“, teilt Rathaus-Pressesprecherin Ines Hirt mit. Damit meint sie die Ende Januar vom Stadtrat abgesegneten Pläne, die „Neubaugebiete“ in Nord, Ost und Süd zu verkleinern und damit die historische Innenstadt zu stärken. Den Abriss weiterer Wohnblocks in Zittau-Nord sieht das Konzept erst nach 2025 vor.

Eine Verfahrensweise mit leer stehenden und baufälligen Altbauten wie den in der Schrammstraße enthält dieses Konzept aber nicht. Da sieht Uta-Sylke Standke noch Handlungsbedarf. Die Stadt ist sich indessen der schlechten Substanz und Verwertbarkeit solcher Häuser bewusst. „Kann ein Gebäude nicht verkauft werden und droht einzustürzen, muss die Woba auch an stadtentwicklerisch wichtigen und städtebaulich verantwortungslosen Standorten einen Abbruch vornehmen“, erklärt Frau Hirt. Dass der nun so plötzlich vor der Tür stand, damit hat wohl keiner der Beteiligten gerechnet.