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Uriges Mühlenflair am Neißeufer

Gastronomen und Investoren haben alte Mühlen zu neuem Leben erweckt. Und produzieren aus Neiße-Wasser sogar Öko-Strom.

Jörg Daubner ist Inhaber der Obermühle in Görlitz. Zu den Angeboten für die Gäste gehört auch ein Bootsverleih.
Jörg Daubner ist Inhaber der Obermühle in Görlitz. Zu den Angeboten für die Gäste gehört auch ein Bootsverleih. © Nikolai Schmidt/SZ-Bildstelle

Sommerzeit ist Biergartenzeit. An der Kunstmühle in Ludwigsdorf machen vor allem Radler gern Station und kehren in den Biergarten ein. Er liegt idyllisch am Mühlgraben und verspricht ein schattiges Plätzchen. Ingrid Dörfer, die Chefin der Kunstmühle, begrüßt bei schönem Wetter draußen vor allem Gäste, die auf dem Oder-Neiße-Radweg unterwegs sind. Manche haben noch einen weiten Weg vor sich, denn der Radweg verläuft auf rund 600 Kilometern bis zur Ostsee. Andere, die im Norden gestartet sind, haben nur noch wenige Kilometer vor sich: Der Radweg endet in Zittau. 

Die Wirtin kommt häufig mit den Radlern ins Gespräch. Immer wieder erzählt sie dann die Geschichte der Mühle. Als Kunstmühle wurde sie 1857 erstmals erwähnt. Grund dafür waren fünf französische Mahlgänge. Erst viel später, nämlich 1999, machte sie diesem Namen Ehre in unserem heutigen Sinne. Aus dem Walzenboden hatten Ingrid Dörfer, ihr Mann Dietmar und die Familie einen Gastraum gemacht. „Inmitten der funktionsfähigen Mühlentechnik aus dem 20. Jahrhundert laden wir seither zu Familien- und Betriebsfeiern sowie zu Tagungen ein“, erläutert Ingrid Dörfer. Sie betreibt zwar keine Gaststätte mit regelmäßigen Öffnungszeiten, aber „bei uns gibt es Mühlenromantik als Erlebnisgastronomie auf Anmeldung.“ Regelmäßig lädt die Kunstmühle zu Veranstaltungen ein, darunter zu Konzerten und Kabarett – eben Kunst in der Mühle.

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Die Ludwigsdorfer ist eine der Wassermühlen an der Neiße, die bis heute erhalten blieben – wenngleich nicht mehr in ihrer ursprünglichen Funktion als Getreidemühlen. Die Obermühle, die Vierradenmühle und die Dreiradenmühle sind heute attraktive Einkehrstätten und bei Touristen wie Einheimischen beliebt. Die Mehrzahl der Mühlen in und um Görlitz gibt es heute nicht mehr. Die Wiesenmühle bei Hagenwerder musste als eine der letzten in den 1980-er Jahren dem Tagebau Berzdorf weichen. 

Von anderen berichten nur noch Chroniken, darunter von Wassermühlen in Tauchritz und Deutsch-Ossig, von der stillgelegten Daubner-Mühle in Leuba sowie von Windmühlen in Klingewalde und Rauschwalde. „Wer sich für die Mühlengeschichte interessiert, sollte einen Abstecher in die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften machen“, rät der Görlitzer Ratsarchivar Siegfried Hoche. „Diese Bibliothek bewahrt die Rapp’sche Mühlensammlung auf“, berichtet er. Der Görlitzer Günter Rapp hatte sich ein Leben lang mit der Geschichte von Mühlen befasst. Sein Nachlass umfasst unter anderem Tausende Mühlenfotos und Zeichnungen.

Die Vierradenmühle in Görlitz ist die östlichste Gaststätte Deutschlands.  
Die Vierradenmühle in Görlitz ist die östlichste Gaststätte Deutschlands.   © Nikolai Schmidt
Das Getreidesilo der Dreiradenmühle ziert ein Mosaikgesicht. Es ist zum Wahrzeichen in Zgorzelec geworden.
Das Getreidesilo der Dreiradenmühle ziert ein Mosaikgesicht. Es ist zum Wahrzeichen in Zgorzelec geworden. © Nikolai Schmidt
Zu den Industriedenkmälern im Landkreis zählt die Kunstmühle in Ludwigsdorf.  
Zu den Industriedenkmälern im Landkreis zählt die Kunstmühle in Ludwigsdorf.   © Steffen Gerhardt

Radler auf dem Oder-Neiße-Radweg kommen direkt an der Obermühle vorbei. Auch hier lohnt sich ein Innehalten. Die Obermühle lädt mit ihrem Restaurant, einem Hotel und einer Brauerei ein. Diese ist die Östlichste in Deutschland, denn sie liegt noch ein paar Meter östlicher als die bekanntere Landskron Brauerei. Das naturbelassene Bier der Obermühle können die Gäste im Restaurant, aber auch auf der Sonnenterrasse oder am Mühlgraben probieren. Jörg Daubner, der Inhaber der Obermühle, plant immer wieder Neues. Im Vorjahr hatte das Water-Mill-Festival mit akustischer Rockmusik auf der Neiße-Insel Premiere. Es lief so gut, dass Jörg Daubner auch dieses Jahr wieder dazu einlädt – für den 3. August.

Mit einem weiteren Superlativ wartet die Vierradenmühle unterhalb von Waidhaus und Peterskirche auf. Sie ist die östlichste Gaststätte Deutschlands. Seit dem Sommer 2015 haben Anna Cerobski und ihre Söhne Gregorz und Michal das Restaurant Vierradenmühle von den Stadtwerken Görlitz gepachtet. „Wir verwöhnen unsere Gäste mit schlesischer und Lausitzer Küche“, berichtet die Köchin. Sie freut sich, dass eine Besonderheit der Gaststätte bei den Gästen auch Staunen hervorruft: ein Wasserkraftwerk. Ein gläserner Boden ermöglicht den Blick auf das Turbinenrad. Etwa eintausend Megawattstunden beträgt die Jahresleistung dieser Turbine, die das Neißewasser antreibt.

Ein Wahrzeichen der Nachbarstadt Zgorzelec ist schon von Weitem am anderen Neißeufer zu sehen: Den Siloturm der Dreiradenmühle ziert seit 1998 ein Mosaikgesicht, das „Europa“ darstellt. Und nur wenige Schritte über die Altstadtbrücke an das polnische Neißeufer sind es bis zur Gaststätte „Piwnica Staromiejska“ in der Dreiradenmühle. Dort bietet sich von der Terrasse an der Neiße aus ein schöner Blick hinüber zur Görlitzer Altstadt. Die Gebäude der ehemaligen Mühle wurden im Jahr 2012 saniert. Ein Laden verkauft dort farbenprächtige polnische Volkskunst und Souvenirs.

Wissenswertes zu den Mühlen

Kunstmühle Ludwigsdorf:

Feiern und Tagungen nach Vereinbarung, Biergarten bei schönem Wetter von 11 bis 21 Uhr geöffnet

03581/314261

http://kunst-muehle.de

Vierradenmühle Görlitz:

täglich außer dienstags von 11 bis 22 Uhr geöffnet

03581/8787344

Dreiradenmühle Zgorzelec:

täglich von 12 bis 22 Uhr geöffnet,

(+48) 757752692

www.piwnicastaromiejska.pl

Obermühle Görlitz:

Restaurant täglich geöffnet von 12 bis 22 Uhr

03581/879832

www.obermühle-goerlitz.de 

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Mehr Lokales unter:

www.sächsische.de/goerlitz

www.sächsische.de/loebau

www.sächsische.de/niesky

www.sächsische.de/zittau

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