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Sommer, Sonne, Sachsen-Urlaub

Corona hat der Tourismusbranche schwer geschadet. Die Sommerferien machen Hoffnung – aber nur auf dem Land.

Aktivitäten in und an Seen sind in diesem Sommer beliebt. Am Bärwalder See ist beides möglich.
Aktivitäten in und an Seen sind in diesem Sommer beliebt. Am Bärwalder See ist beides möglich. © SZ/Uwe Soeder

Oberlausitz statt Mittelmeer, Erzgebirge statt Dolomiten – in diesem Jahr weichen viele Urlauber in den Sommerferien auf Ziele innerhalb Deutschlands aus. Auch in Sachsen steigen die Touristenzahlen wieder an. „Der Vorbuchungsstand ist derzeit gut“, sagt Rolf Keil, Präsident des Landestourismusverbandes. „Insbesondere die Regionen im ländlichen Raum werden gut nachgefragt.“ Beliebt sind Aktivitäten in der freien Natur: Wandern, Klettern, Radfahren oder Aktivitäten am oder im Wasser. Sachsen kann da punkten. Die SZ erklärt, wie die Lage in Sachsens Tourismusregionen aussieht.

Coronavirus legt die Branche still

Ab Mitte März waren touristische Reisen verboten, die Übernachtungszahlen brachen ein. Im April wurden nach Angaben des Statistischen Landesamtes nur 247.000 Übernachtungen gebucht – 1,4 Millionen weniger als im April 2019. Die knapp 45.000 Gäste bedeuteten gar einen Rückgang um 93 Prozent. 

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Am kommenden Freitag startet Dresdens beliebtes eintrittsfreies Festival für Kunst, Kultur und Bildung bereits in sein viertes Wochenende.

Die Hälfte der Gäste übernachtete in Vorsorge- und Rehabilitationskliniken. „Die nicht stattgefundenen Reisen, der nicht gebuchte Tisch und vieles mehr sind verloren und können nicht nachgeholt werden“, sagt Rolf Keil. „Wir gehen davon aus, dass wir allein in den Monaten März bis Mai Umsatzverluste von 1,8 Milliarden Euro verzeichnen müssen.“

Lage bleibt große Herausforderung

Nach den coronabedingten Schließungen öffnen viele Beherbergungsbetriebe und Freizeiteinrichtungen langsam wieder – unter Einhaltung der Hygienevorschriften, was für viele, vor allem kleine Anbieter eine große Herausforderung ist, so der Tourismusverband. 

Auch die immer wieder auftretenden Corona-Ausbrüche und die damit verbundenen Reisebeschränkungen führen zu Verunsicherung bei Gästen und Touristikern. „Man kann die allgemeine Stimmung mit verhalten optimistisch beschreiben, es ist aber von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich“, heißt es vom vogtländischen Tourismusverband. 

Beim Einchecken im Hotel muss man die Maske noch tragen, im Zimmer dann nicht mehr.
Beim Einchecken im Hotel muss man die Maske noch tragen, im Zimmer dann nicht mehr. © Daniel Schäfer

In der Sächsischen Schweiz ergab eine Umfrage unter 200 Touristikern, dass 81 Prozent der Beherbergungsbetriebe den Neustart nach Corona mit gut oder sehr gut bewerten. Bei den Freizeitanbietern sind es allerdings nur 50 Prozent.

Campingplätze sind beliebt

„Wir bemerken einen Trend zu autarken Beherbergungsangeboten, wie Ferienwohnungen und Campingplätze“, sagt Keil. Vor allem Plätze in der Sächsischen Schweiz, der Oberlausitz, im Vogtland, im Elbland und dem Erzgebirge oder am See sind aktuell und in den Ferien sehr gut nachgefragt. 

Nicht nur aus Sachsen, aus dem gesamten Bundesgebiet gibt es zahlreiche Anfragen. In der Regel gibt es genügend Abstand zum Nachbarplatz, Sanitäranlagen werden häufiger gereinigt, die meisten Plätze verfügten zudem über moderne Einzelduschen. 

Bereits im vergangenen Jahr verbuchten die Campingplätze im Freistaat mehr Zulauf: Das Statistische Landesamt zählte für 2019 knapp 770.000 Übernachtungen – ein Plus von rund 13 Prozent. Die Zahl der Gäste stieg um 20 Prozent auf 255.000. Aber auch Hotelbetreiber können zumindest für die Sommermonate einen guten Buchungsstand bestätigen, so der Präsident des Landestourismusverbands.

© dpa

Touristen meiden die Großstädte

Eigentlich stehen Dresden und Leipzig ganz oben auf der Liste der beliebtesten Reiseziele in Sachsen. Doch derzeit ist das anders. Das liegt vor allem am Geschäftstourismus: Mit Messen und Kongressen, aber auch Großevents wie Musikkonzerten oder Festivals fehlen wichtige Reiseanlässe. 

Die Leipziger Hotels leben zu etwa 70 Prozent von Tagungen, Kongressen und Geschäftsreisen, so Andreas Schmidt von Leipzig Tourismus und Marketing. Die Häuser seien derzeit nur zwischen 5 und 30 Prozent ausgelastet. Es gibt Kurzarbeit, auch über Personalabbau werde nachgedacht, so Schmidt. 

Die Dresdner Hotellerie rechnet 2020 mit 60 Prozent weniger Umsatz und Auslastung als im Vorjahr. Selbst in den sonst sehr nachfragestarken Sommermonaten liege die Buchungslage nur bei etwa 40 Prozent. Neben Tagungen finden auch Gruppenreisen derzeit nicht statt. Das trifft auch Chemnitz, wo gerade die 4. Landesausstellung eröffnet wurde. Jugendherbergen und Hostels leiden vor allem unter abgesagten Schulfahrten.

Viele Auflüge ins Umland der Städte

Sowohl Leipzig als auch Dresden könnten von der Attraktivität ihres Umlands profitieren. Die Buchungslage in der Region Leipzig sei gut bis sehr gut – vor allem bei Ferienwohnungen und Camping. „Für den Sommer sieht die Prognose für den Urlaubstourismus sehr gut aus“, heißt es vom Tourismusverband. Jegliche Angebote mit viel Platz und Raum in der Natur und an den Seen werden derzeit besonders gut nachgefragt. 

Leipzig punktet nicht nur das Seenland, sondern auch durch Ausflugsziele wie das Völkerschlachtdenkmal.
Leipzig punktet nicht nur das Seenland, sondern auch durch Ausflugsziele wie das Völkerschlachtdenkmal. © dpa-Zentralbild

Auch das Dresdner Elbland sei sehr attraktiv wegen der Kombination Stadturlaub mit Kultur, Shopping und Aktiv- und Genussurlaub in der Region. „Überrannt wie die Ostsee werden wir aber bisher nicht“, sagt Sindy Vogel, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Elbland-Dresden. Vor allem Tagestouristen kommen für Ausflüge, dadurch werde auch die Gastronomie gut besucht. Gefragt sind neben Radtouren auf dem Elberadweg auch Weinwanderungen und -verkostungen.

Viele Urlauber wollen aktiv sein

Der Oberlausitzer Bergweg ist aktuell sehr gut besucht – es kommen sogar mehr Gäste als im Vorjahreszeitraum. In der Oberlausitz gibt es auch gut ausgebaute Radrouten, etwa an der Spree sowie an Oder und Neiße. 

Das Erzgebirge zieht nicht nur Wanderurlauber an: Der Kammweg Erzgebirge – Vogtland ist sehr gut besucht. Auch die Mountainbikestrecke Stoneman Miriquidi boomt, viele Gäste kommen aus Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, so der Tourismusverband Erzgebirge. 

Auch im Vogtland ist Wander- und Radurlaub beliebt. Die dortigen Tourismusbetriebe erwarten vor allem viele Tagesbesucher aus den umliegenden Gebieten und dem Vogtland selbst.

Ausländische Gäste fehlen kaum

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Die meisten Sachsen-Urlauber kamen in den Vorjahren aus Deutschland. Das kommt der Branche gerade zugute, weil der Auslandstourismus auf dem Land nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Gäste stammen derzeit aus Berlin, Brandenburg, Bayern oder der näheren Umgebung. „Es kommen jetzt häufiger die klassischen Familienurlauber“, sagt Sindy Vogel vom Tourismusverband Elbland. „Viele reisen sehr kurz entschlossen an.“ Die Großstädte leiden allerdings unter den Reisebeschränkungen für ausländische Touristen. Da der Flugverkehr noch eingeschränkt ist, liegt die Hoffnung auf Gästen aus den umliegenden Ländern wie Österreich, Polen, Tschechien, Schweiz und Niederlande.

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