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Histörchen unterm Sonnenschirm

Gudrun und Ulrich Hoentzsch wollten nach Polen in den Urlaub. Das lassen sie wegen Corona bleiben. Zu Hause wird es ihnen aber keinesfalls langweilig.

Gudrun und Ulrich Hoentzsch aus Großenhain verbringen ihren Sommer dieses Jahr zu Hause.
Gudrun und Ulrich Hoentzsch aus Großenhain verbringen ihren Sommer dieses Jahr zu Hause. © Anne Hübschmann

Großenhain. Die Hängematte baumelt im Schatten. Die Solar-Außendusche ist bereit, erfrischendes Nass zu spenden. Auch auf der Terrasse hinter dem Haus in Zschieschen sitzt man angenehm. Uli Hoentzsch hat auf dem Tisch ganz viel beschriebenes Papier und Bücher ausgebreitet. Seine Frau Gudrun muss rechtzeitig und mehrmals vorher das Mittagessen ankündigen, damit er alles in der richtigen Reihenfolge zusammenräumen kann. Sonst gibt es Ärger.

Das Rentner-Ehepaar verbringt den Sommer dieses Jahr zu Hause. Das war so nicht geplant. "Wir wollten nach Polen, 70 Kilometer hinter Görlitz in ein Hotel", erzählt Gudrun Hoentzsch. Bis zu ihrer Pensionierung war die 77-jährige Schulleiterin der ersten Großenhainer Grundschule. 

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Ihr Mann (78) leitete zu DDR-Zeiten die wirtschaftlichen Dinge des Pionierlagers in Zschorna. Als Corona kam, war den Großenhainern klar, dass das nichts wird mit dem Urlaub. "Wir fahren auf keinen Fall, wir wollen nicht in Quarantäne, wenn wir wieder zurückkommen", sagen die Hoentzschens. 

Ruhiger und stressfreier verleben sie den Sommer in ihrem schönen Garten am Haus. Während Gudrun Hoentzsch sich im Kochen und Backen ausleben kann - heute gibt es Bohnen mit sauren Eiern - gräbt ihr Mann Uli in der Heimatgeschichte. Er gehört zum Förderverein Museum Alte Lateinschule und ist schon immer interessiert an Histörchen und Details aus früherer Zeit.

 Die Unterlagen, die er breit auf dem Terrassentisch verteilt hat, gehören wahlweise zur ehemaligen Zschieschener Windmühle, zur Geschichte von Zschorna und seinem Pionierlager oder zur Pestalozzischule. "Wir erforschen, wer von 1945 bis 1950 dort die Zeugnisse unterschrieben hat", sagt Ulrich Hoentzsch.

 Wer dazu Auskunft geben kann, kann sich gern bei ihm auf der Merschwitzer Straße oder beim Vereinsvorsitzenden Kai-Uwe Schwokowski melden. Ein Beitrag für den Großenhainer Heimatkalender soll entstehen. 

Nur Kurztrips an die Ostsee

Auf den Sommerurlaub verzichten zu müssen, das kennen die Hoentzschens zur Genüge. "Über 20 Jahre hatten wir keine Ferien, wenn in Zschorna von Juni bis August die Ferienlager stattfanden", erzählt das Ehepaar, das bis 2003 dort am Schloss wohnte. 

Ulrich Hoentzsch konnte sich nur mal übers Wochenende für einen Kurztrip an die Ostsee frei machen. Zur Freude der beiden Töchter. "Aber wirklich vermisst haben wir es nicht, wir waren dann eben im Winterurlaub", sagt Gudrun Hoentzsch. Nun gibt es schon Enkel, die die Großeltern in den Sommerferien besuchen. 

Mit dem Zwölfjährigen waren Oma und Opa bei einem Tagesausflug auf der Festung Königstein. Und oft im Naturerlebnisbad, denn die Schwimmstufe in Silber war fällig. "Kommen, sehen und siegen ging nicht, er musste üben, denn die Bedingungen haben sich verschärft", erklärt Ulrich Hoentzsch.

Doch die Schwimmmeister im Bad hätten sehr gut unterstützt und wertvolle Tipps für die Kondition gegeben. So schaffte der Zwölfjährige nicht nur das 20-minütige Ausdauerschwimmen, sondern auch 300 Meter Brust und Rücken.  

Demnächst kommt auch die Enkeltochter zu Besuch. Dann bleibt keine Zeit für die Heimatgeschichte. Also nutzt Ulrich Hoentzsch jetzt die Tage, "um meinen Nachlass zu ordnen", wie er sich ausdrückt. 

Der Großenhainer will die Regionalforschung voranbringen, während seine Frau lieber ein Buch liest. Hin und wieder fährt das Ehepaar auch nach Zschorna, in ihre alte Heimat. "Dort ist das Tor aber jetzt zu, an das verfallende Schloss kommt man nicht mehr ran", sind die Hoentzschens traurig. 

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