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Urlaub im Notstand

Noch arbeiten die Hotels am Roten Meer normal – trotz des Ausnahmezustands. Wer nicht reisen will, kann stornieren.

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Hurghada liegt 500 Kilometer von Kairo entfernt. Bislang kannten Feriengäste die Demonstrationen auch nur aus dem Fernsehen. Doch gestern kam auch am Roten Meer ein Muslimbruder ums Leben. Noch arbeiten alle Hotels normal, Transfers zum Flughafen funktionieren, sagte Klaus Haller. Doch laut dem Chefreiseleiter der TUI wurden gestern alle Ausflüge abgesagt. „Noch will kein TUI-Gast vorzeitig zurück.“ Doch die Anfragen besorgter Kunden, die ihre Reise noch vor sich haben, nehmen jedoch deutlich zu. Deshalb lassen alle großen deutschen Reiseveranstalter kostenlos umbuchen. Die TUI datiert diese Kulanzregelung zunächst für Anreisen bis 22. August, Thomas Cook bis 23. August und Alltours bis 29. August. Phoenix Reisen beschränkt diese Aktion auf Scharm el Scheich. FTI hält sich noch bedeckt.

Laut Reiserechtler Paul Degott aus Hannover müssen Touristen nicht mit Stornierungskosten rechnen, wenn sie jetzt eine Reise nach Ägypten – egal in welchen Teil des Landes – absagen möchten. „In so einer Situation kann man niemandem mehr zumuten, dass er noch in Ägypten Urlaub macht. Ein flächendeckender Notstand heißt: Es kann alles zusammenbrechen, es ist gefährlich.“ Das gilt nach Degotts Einschätzung zunächst nur ungefähr für die kommenden zwei Wochen. Je weiter der Abreisetermin in der Zukunft liegt, desto weniger sicher ist, dass Touristen keine Stornierungskosten tragen müssen.

Von Reisen nach Kairo und Oberägypten sowie von Nilkreuzfahrten rät das Auswärtige Amt dringend ab. Die Veranstalter bieten derzeit entweder gar keine solchen Reisen an oder stornieren diese kostenlos. Bei FTI gilt dies zunächst bis 8. September. Bei DER Touristik darf bis 15. September kostenlos umgebucht werden, bei TUI bis 26. August. Thomas Cook nahm diese Ziele bis auf Weiteres aus dem Programm.

Teil des Ausnahmezustands ist auch eine nächtliche Ausgangssperre. Diese gilt dem Auswärtigem Amt zufolge jedoch nicht für die Urlaubsorte auf der Festlandseite des Roten Meeres. Betroffen ist jedoch die Provinz Süd-Sinai, in der Scharm el Scheich liegt. Die Regierung beschloss eine Ausnahme für den Badeort. (SZ/tg mit dpa)