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Zittauer Gebirge statt Mallorca

Wegen Corona ist Auslandsurlaub für viele tabu. Tourismusanbieter der Region warben deshalb für "Urlaub derheeme". Aber nicht alle Ideen funktionieren.

Geheimtipp: Der Schäferwagen an der Windmühle in Seifhennersdorf.
Geheimtipp: Der Schäferwagen an der Windmühle in Seifhennersdorf. © Matthias Weber

Er hat das gewisse etwas. Und wer hat schon einmal in einem Schäferwagen geschlafen? Mit Schmunzeln nehmen die Besucher das Gefährt an der Bildungs- und Begegnungsstätte Windmühle in Seifhennersdorf zur Kenntnis. Aber nicht nur das, der Schäferwagen wird auch gebucht. "Eine Nacht darin wird gern verschenkt", erzählt der Vorsitzende der Windmühle, Markus Kranich. Schon der Gag ist es wert, darin zu schlafen.

Zu ihrem ersten Hochzeitstag hat eine Nacht darin erst gerade ein junges Ehepaar geschenkt bekommen. "Sie hatten im Vorjahr bei uns geheiratet. Und jetzt beim Essen an gleicher Stelle gab es als Überraschung eine Nacht im Schäferwagen", erzählt Markus Kranich.

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Meist hängen an den Buchungen kleine Episoden. So wie bei der Oma, die eigentlich auf der Durchreise war und nur mit ihren Enkeln einen Ausflug zur Windmühle unternehmen wollte. Die hatten beim Spielen den Schäferwagen entdeckt. Als typische Oma ließ sie sich breitschlagen. Markus Kranich hörte es gern, als sie sagte: "Na dann buchen sie mal für mich ein Zimmer im Gästehaus und für die Enkel den Schäferwagen." Schon am Sonntag ist der Wagen wieder belegt.

"Wir wollten damit eigentlich nur ein Angebot für diejenigen machen, denen ein normales Ferienzimmer zu teuer ist", schildert er. Der Wagen ist wirklich nur zum Schlafen da. Immerhin gibt es aber Strom und WLAN darin. Gästebad und Familienküche können im Umgebindehaus nebenan genutzt werden. 

Im Tipi wollte noch keiner schlafen

Jetzt gehört die Windmühle mit dem Wagen zu den pfiffigen Urlaubsangeboten unter dem Motto "Urlaub derheeme". Die Schäferwagen-Idee ist eine von mehreren, die die Tourismuszentale Zittauer Gebirge seit Kurzem auf ihrer Internetseite unter PopupCamping vermarktet.

Dazu gehört auch das "Übernachten im Tipi" im Kindererholungszentrum Querxenland Seifhennersdorf, das "Übernachten allein im Zelt im Waldstrandbad" Großschönau sowie Zelten nach dem Motto "mit Kind und Kegel zu Esel und Ziege" im Eurohof Hainewalde. Unter dem Motto "ein Bett im Kornfeld" kann man im Eurohof auch mit der Familie in einer urig eingerichteten Kornkammer schlafen.

Bis zu sechs Personen können im Tipi im Querxenland übernachten.
Bis zu sechs Personen können im Tipi im Querxenland übernachten. © Querxenland

So gut wie der Schäferwagen laufen allerdings nicht alle Angebote. "Wir hatten nicht eine Anmeldung für das Zelten im Bad", berichtet Trixis Leiterin für Beherbergung, Alexandra Dreginat. Deshalb ist die Aktion beendet worden. Auch im Querxenland wollte bisher keine Familie im Tipi übernachten, erzählt Pressesprecherin Claudia Sobotta.

Aber: Jonsdorf und Oybin sind ausgebucht

Dennoch boomt der Tourismus im Zittauer Gebirge. "Wir können fast sagen, Jonsdorf ist ausgebucht. Wir müssen im Moment schon sehr lange suchen, um noch für Urlauber eine freie Ferienwohnung zu finden", sagt Ramona Zimmermann von der Tourist-Information. Seit Juni gibt es ständig Nachfragen. Gebucht wird meist kurzfristig. Am Donnerstag buchte eine Frau gleich für fünf Ehepaare. Die kommen alle aus dem Spreewald und waren noch nie im Zittauer Gebirge", berichtet sie.

"Wir sind gut ausgelastet", berichtet Robert Schwerdtner. Der Geschäftsführer von der Ausflugsgaststätte und Hotel Gondelfahrt in Jonsdorf bietet für Urlauber 35 Zimmer an. "Aber es sind nicht die Gäste, die sonst immer bei uns buchen. Ich habe eher den Eindruck, dass viele von ihnen in den letzten 20 Jahren in Deutschland keinen Urlaub mehr gemacht haben", schildert er. Fast alle seiner derzeitigen Gäste kommen aus den neuen Bundesländern. 

Auch die Chefin der Rübezahlbaude und Hubertusbaude in Waltersdorf stellt seit einigen Wochen ein ganz anderes Buchungsverhalten ihrer Gäste fest. "Die Leute buchen fast alle nur ein bis zwei Wochen im Voraus", sagt Christin Blümel. Einige sind durch Internetplattformen, auf denen Hotelangebote mit 120.000 Reisezielen weltweit angeboten werden, auf die beiden Bauden im Zittauer Gebirge aufmerksam geworden.

"Man hat den Eindruck, viele Gäste haben abgewartet, ob doch noch Mallorca oder andere südliche Reiseziele wieder frei gegeben werden. Dann aber doch lieber hier gebucht", schildert sie. Das hat aber den Nachteil, dass manchmal, wie jetzt in der  Rübezahlbaude und der Hubertusbaude, gar nicht so lange Urlaub gemacht werden kann, wie gewünscht wird. "Wir haben einfach schon wieder die nächsten Tage belegt", sagt Christin Blümel. Beide Bauden sind ausgebucht. Statt wie sonst üblich, ist die Übernachtungsdauer der Gäste dennoch von zwei bis drei Nächten auf derzeit fünf Nächte und länger bei ihr gestiegen. 

Auch der Wirt der Kammbaude in Oybin/Hain hat mehr Gäste als sonst in den Schulferien. "Man merkt schon im Ort selber, dass viel mehr Touristen unterwegs sind", erzählt Knut Popken.

Das bestätigen auch die Mitarbeiter der Tourist-Information Oybin. In der Sommerferienzeit wird der Gebirgsort schon immer gut von Touristen besucht. Im Moment sind es aber besonders viele, heißt es.

Campingplatz ist proppevoll

Besonders viele ist noch drastisch untertrieben, weiß Renate Sell. Ihr "Hofladen und Camping Lauscheblick" in Waltersdorf ist bis auf den letzten Stellplatz ausgebucht. Kein Platz für ein Zelt oder einen Wohnwagen ist auf dem Campingplatz noch frei. Mit etwas Glück werden in zwei Wochen ein oder zwei der 30 Stellplätze frei. Wer die aber ergattern will, muss schnell sein, berichtet Renate Sell. Ihre Urlauber kommen aus ganz Deutschland. "Der Campingplatz wurde im Vorjahr schon sehr gut angenommen. Mit jetzt ist das aber kein Vergleich", sagt sie. 

"Schon seit mit dem 15. Mai die Reisebeschränkungen gelockert wurden, haben wir hier im Tourismuszentrum deutlich erhöhte Anfragen nach Informationen über unsere Region", berichtet Sylvia Gulich, die Leiterin vom Tourismuszentrum Naturpark Zittauer Gebirge. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gibt es etwa 40 Prozent mehr Nachfragen. "Und die Leute fragen nicht nur an. Konkret können wir sagen, das wir vom 15. Mai bis Juli circa 25 Prozent mehr Buchungen haben als 2019 im gleichen Zeitraum.

Das Tourismuszentrum ist nicht nur Reisevermittler, sondern auch Reiseveranstalter für fast die gesamte Region von Ostritz über Zittau, das Gebirge bis Löbau. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sind allein die Anmeldungen für die Wanderungen um 30 Prozent gestiegen.

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Sonst kamen in Spitzentagen 200 bis 250 Leute wegen Nachfragen ins Tourismuszentrum. Jetzt sind es täglich 300. Und am verregneten Montag, dem 3. August, waren es sogar 500, die sich nach Freizeitangeboten erkundigten. "Die Leute wollen wieder den persönlichen Kontakt", sagt sie.

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