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Ursache für Unglück noch unklar

Die Polizei ermittelt zu dem Motorradunfall bei Reichenbach. Auch die Landwirte werten das aus.

Von Anja Gail

Der tragische Unfall auf der alten Bundesstraße zwischen Sohland und Reichenbach ist gerade mal zwei Wochen her. Noch steht nicht fest, wie es dazu kommen konnte. Ein 60-Jähriger war mit seinem Motorrad auf der Überholspur, als ein Traktor mit einer Scheibenegge hinten dran links nach Niederreichenbach einbiegen wollte. Es kam zur Kollision. Der Motorradfahrer rutschte unter die Landmaschine und starb noch an der Unfallstelle.

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Das Recht am eigenen Bild

Fotografiert wird überall. Bei der Veröffentlichung gibt es jedoch Einiges zu beachten.

Der Verkehrsunfalldienst bei der Polizeidirektion in Görlitz hat inzwischen auch die Expertise eines Gutachters hinzugezogen, erklärt Polizeisprecher Thomas Knaup. Zu prüfen bleibe, inwiefern dem Fahrer des Traktors ein schuldhaftes Handeln vorgehalten werden kann.

Der Unfall beschäftigt die Landwirte in der Umgebung sehr. „Wir sind immer noch sehr erschüttert“, sagt Sabine Vetter, die mit ihrer Familie eine Landwirtschaft in Mengelsdorf betreibt. An dem Abend, als der Unfall passierte, seien gerade junge Leute zu Besuch gewesen, die sich ein Motorrad gekauft hatten. Sie sollten ja aufpassen, wenn sie hinter einem Traktor fahren würden, habe sie ihnen gesagt. Nicht ohne Grund. Wenn so eine Landmaschine in der Erntezeit unterwegs sei, habe sie oft nicht nur einen Hänger hinten dran, sondern gleich zwei. Das müsse man beim Überholen beachten. Der Traktorist wiederum brauche viel Platz zum Ausholen und Abbiegen. Das werde einfach unterschätzt. Sie fahre deshalb oft mit dem Auto langsam hinter ihrem Vater her, wenn der mit dem Mähdrescher zu einem Feld will.

Eva-Maria Zachmann aus Markersdorf bestätigt diese Erfahrungen. Die Traktoren würden heute bedeutend schneller fahren als früher. Andere Verkehrsteilnehmer haben dabei gar nicht im Blick, dass so eine Landmaschine eben auch an Stellen auf einen Acker einbiegt, wo weder eine Einfahrt noch ein Feldweg zu sehen sind. Beim Abbiegen sollten sich die Fahrer auch rechtzeitig in die Mitte einordnen. „Wir haben das alles nach dem Unfall erneut im Betrieb mit den Beschäftigten ausgewertet“, sagt Frau Zachmann.

Dabei gibt es strenge Vorschriften für Landmaschinen auf öffentlichen Straßen, erklärt Rainer Peter, Geschäftsführer vom Bauernverband Oberlausitz. Und gerade, was die Fahrzeuge betrifft, würden die Betriebe darauf achten, dass die Spiegel richtig eingestellt, die Lichter samt Blinkern in Ordnung und auch zu sehen sind. Sicherheitskontrolleure würden sich das immer wieder zeigen lassen.

Und dennoch kann nicht jedes Unglück ausgeschlossen werden. Es liegt auf der Hand, dass im Sommer, wenn mehr Motorräder und Landmaschinen auf den Straßen unterwegs sind, auch mehr Unfälle passieren, in die diese Fahrzeuge verwickelt sind. Das bestätigt Polizeisprecher Thomas Knaup. Allein im vorigen Jahr haben sich im Landkreis Görlitz 156 Verkehrsunfälle mit motorisierten Zweirädern ereignet und 23 unter Beteiligung landwirtschaftlicher Fahrzeuge. Bei den Unfällen mit Landmaschinen wurden vier Menschen leicht verletzt. Aufgrund der Größe und Gewichte der Fahrzeuge sind im Falle einer Kollision andere Verkehrsteilnehmer zumeist unterlegen. Bei den Unfällen mit motorisierten Zweirädern wurden 2014 ein Mensch tödlich, 40 Personen schwer und 75 weitere leicht verletzt. Die Folgen sind bei solchen Unfällen oft schwer. Motorräder können sehr schnell beschleunigen. Ebenso unterschätzten manche Kradfahrer leicht ihre gefahrenen Geschwindigkeiten und wirkenden Kräfte im Falle einer Bremsung.

Fahrer von Landmaschinen hingegen verfügen bei Weitem nicht über eine so gute Übersicht und Rundsicht wie in einem Pkw. Das würden andere Verkehrsteilnehmer oft gar nicht im Blick haben, sagt Thomas Knaup. Aber rücksichtsvoll und vorausschauend sollte jeder fahren, nicht nur jetzt , während der Sommer- und Erntezeit.