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Urteil mit Vorgeschichten

Eine Waldheimerin soll eine andere geschlagen, getreten, beleidigt und angespuckt haben. Aber was davon ist wahr?

Vorm Amtsgericht in Döbeln musste sich eine 34-jährige Waldheimerin wegen einer vermeintlichen Körperverletzung verantworten.
Vorm Amtsgericht in Döbeln musste sich eine 34-jährige Waldheimerin wegen einer vermeintlichen Körperverletzung verantworten. © Symbolfoto: Sebastian Schultz

Döbeln/Waldheim. Es sind schwere Vorwürfe, weswegen sich eine 34-jährige Waldheimerin vorm Amtsgericht Döbeln verantworten muss. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hätte sie eine 33-Jährige aufs Übelste beleidigt, geschlagen und angespuckt sowie gegen das operierte Knie getreten. 

Diese hätte dadurch eine Ruptur des Kreuzbandimplantats erlitten. Entsprechend stand eine schwere Körperverletzung zur Anklage.

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Angeklagte erscheint ohne Rechtsbeistand

Die Angeklagte erschien ohne Rechtsbeistand, weil sie die Beratungsgebühr nicht gezahlt hatte und ihre Anwältin daraufhin vom Mandat Abstand nahm. Sie schwor emotional aufgewühlt, die Geschädigte weder geschlagen, noch geschubst, beleidigt oder getreten zu haben. 

Auch deren zehnjährige Tochter hätte sie nicht geschubst. Mit dieser Aussage beginnt Teil eins der Vorgeschichte. Das Mädchen hatte bei ihrem Vater gelebt und war, als dieser schwer erkrankte und später starb, bei der Angeklagten untergebracht worden. Vor zwei Jahren bekam dann die Mutter das Sorgerecht.

 Als Teil zwei der Vorgeschichte stand im Raum, dass sich die Geschädigte auf dem Heuboden wohl mit dem mittlerweile Ex-Freund der Angeklagten vergnügt hatte. Da die Angeklagte das über kurz zuvor erhaltene Chatprotokolle beweisen konnte, sei sie auf die Geschädigte zugelaufen, hätte ihr das Handy unter die Nase gehalten. 

Was passiert nach Wortgefecht?

„Es gab ein Wortgefecht“, sagte die Angeklagte. „Ich habe sie nicht angefasst. Ich schwöre darauf“, fügte die zweifache Mutter an, die ihren Sohn als Zeugen „nicht in die Sache reinziehen wollte“. Auch weil sie froh ist, ihre von einschlägigen Strafen geprägte Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben.

 Allerdings gab sie zu, die Geschädigte „Drecksvieh“ genannt und neben ihr ausgespuckt zu haben.Die mutmaßlich Geschädigte sah das ganz anders. Erst hätte die Angeklagte ihre Tochter von einer Bank gestoßen, dann hätte sie eine Ohrfeige bekommen und wäre angespuckt worden. Zudem bekam sie einen Faustschlag gegen die Brust und als sie „abhauen wollte“ einen Tritt gegen ihr operiertes Bein.

 Zudem hätte die Angeklagte ihre Tochter bei anderen Aufeinandertreffen gemobbt. „Sie denkt, der Kleinen geht es schlecht bei mir“, sagte die Mutter. In der folgenden Aussage wiederholte die Zehnjährige fast wörtlich die Aussage ihrer Mutter. Als Richterin Ines Opitz sie aus dem Zeugenstand entlassen wollte, sprudelte es aus dem Mädchen förmlich heraus. Ohne Nachfrage erzählte sie die Geschichte vom Mobbing in der Schulküche.

Zeugin stützt Version der Angeklagten

Dagegen stützte eine weitere Zeugin, die mit der Angeklagten auf dem Weg zum Handballtraining der Kinder war, die Variante der 35-Jährigen. Die Geschädigte sei ihr nicht ganz nüchtern vorgekommen. Zudem sagte die Zeugin aus, dass die Tochter der Geschädigten die ganze Zeit neben ihr stand und nicht geschubst wurde.

Die Zeugin humpelte, als sie hereinkam, aber nicht, als sie zum Tisch ging, hatte Richterin Ines Opitz beobachtet. Auch die Aussage der Tochter stufte sie als nicht verwertbar ein, da diese absolut identisch mit der der Mutter war.

 Bis auf ein 2-Euro-Stück großes Hämatom am Schienbein fand sie in den medizinischen Bescheinigungen nichts Belastbares und sah auch in der Knieverletzungen einen fehlenden kausalen Zusammenhang. Allerdings sei ein verächtliches Ausspucken durchaus eine tätliche Beleidigung.

Gericht folgt Antrag der Staatsanwaltschaft

So sah das auch die Staatsanwaltschaft, die das Geständnis positiv bewertete. Allerdings konnten auch die sechs Eintragungen im Strafregister wegen Betrugs, Leistungserschleichung, Körperverletzung und Beleidigung, die letzte aus dem Jahr 2015, nicht außer Acht gelassen werden.

 Mit 50 Tagessätzen a 13 Euro und der Übernahme der Verfahrenskosten folgte Richterin Ines Opitz der Forderung der Staatsanwaltschaft.„Es gibt hier tiefgehende Hintergründe, die von uns nicht aufzuklären sind“, sagte die Vorsitzende. Die Bestrafung wegen Beleidigung sei angebracht gewesen, da die Angeklagte ihre Missachtung zum Ausdruck brachte. Dagen hätte sich die Tätlichkeit gegenüber der Zeugin nicht bestätigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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