merken
PLUS

Chemnitz

Alaa S. rechtskräftig verurteilt

Die Revision im Chemnitzer Messerstecher-Prozess bleibt erfolglos. Der Syrer muss wegen Totschlags an Daniel Hillig neuneinhalb Jahre in Haft.

Allaa S. wurde zu neuneinhalb Jahren Haft wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.
Allaa S. wurde zu neuneinhalb Jahren Haft wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. © Ronald Bonß

Dresden. Der Bundesgerichtshof hat das Urteil des Landgerichts Chemnitz um den tödlichen Messerangriff auf Daniel Hillig bestätigt. Mit dem am Freitag veröffentlichten Beschluss blieb die Revision der Verteidigung des Angeklagten Alaa S. erfolglos. Das Landgericht hatte den Syrer im vorigen August wegen gemeinschaftlichen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt. Alaa S. hat das 35-jährige Opfer nach Überzeugung des Gerichts gemeinsam mit einem flüchtigen Iraker nach dem Stadtfest in Chemnitz im Sommer 2018 mit einem Messer getötet.

Die Tat hatte in Chemnitz zu Trauermärschen, Neonazi-Demonstrationen und rassistisch motivierten Ausschreitungen geführt. Im Zuge der politischen Debatte um die Krawalle entließ die Bundesregierung den damaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen. Für Turbulenzen sorgte auch die illegale Veröffentlichung des Haftbefehls gegen Alaa S. und den mutmaßlichen Mittäter durch sächsische Justizbeamte. Wegen des großen öffentlichen Interesses fand der Prozess im Sicherheitssaal des Oberlandesgerichts Dresden statt.

TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region!

Die Verteidiger stellten mit Blick auf die politisch brisante Lage im Strafprozess die Unabhängigkeit der Chemnitzer Richter mit persönlichen Vorwürfen und Unterstellungen infrage. Die Anwälte forderten die Richter und Schöffen unter anderem zur Beantwortung zahlreicher Fragen zu politischen und privaten Haltungen auf. Sie verlangten zudem die Verlegung des Strafverfahrens an ein westdeutsches Gericht. Der Bundesgerichtshof stellte klar, dass die Chemnitzer Richter nicht zu diesen Antworten verpflichtet waren.

Laut Gericht zweifelsfrei der Täter

Nach einer schwierigen Beweisaufnahme mit nur einem Tatzeugen hielt das Landgericht den Syrer Alaa S. zweifelsfrei für den Täter. Während eines nächtlichen Vor-Ort-Termins verschaffte sich das Gericht einen eigenen Eindruck von den Licht- und Sichtverhältnissen am Tatort.

Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil. Es sei rechtsfehlerfrei, weder lückenhaft noch unklar oder widersprüchlich, wie die Verteidiger vorgetragen hatten. Das Gericht habe seine Überzeugung auf eine Vielzahl von ineinandergreifenden Aussagen und Befunden gestützt.

Daniel war in der Tatnacht mit Freunden nach dem Stadtfest in der Innenstadt unterwegs, als er von dem flüchtigen Iraker vermutlich nach Drogen gefragt wurde. Dabei kam es zu einer Rangelei, zu der plötzlich eine größere Gruppe hinzustieß. Während dieser Auseinandersetzung stachen der Iraker sowie Alaa S. auf Hillig ein. Er erlag am Tatort seinen Verletzungen. Der Angeklagte und sein Begleiter fügten zudem einem Freund Hilligs schwere Verletzungen mit dem Messer zu.