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Vater bricht Sohn die Nase

Der 62-Jährige gibt die Tat zu. Trotzdem sieht er die Schuld nicht bei sich. Sein Kind beschreibt er als aggressiv.

Vor dem Amtsgericht Döbeln muss sich ein Vater wegen Misshandlung Schutzbefohlener verantworten.
Vor dem Amtsgericht Döbeln muss sich ein Vater wegen Misshandlung Schutzbefohlener verantworten. © André Braun/Döbelner Anzeiger

Döbeln. Der Mann lebt seit 30 Jahren in Deutschland und besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Er betreibt einen kleinen Laden und unterstützt die Ausländerbehörde ehrenamtlich als Dolmetscher. Jetzt stand er wegen Misshandlung Schutzbefohlener vor Gericht.

Nach einer verbalen Auseinandersetzung des Sohnes mit der Mutter habe der Vater den 16 Jährigen auf dessen Bett gestoßen, ihn an beiden Handgelenken festgehalten und ihm schließlich so stark ins Gesicht geschlagen, dass er ein gebrochenes Nasenbein davontrug. Der Jugendliche wurde in der Uniklinik Leipzig behandelt, musste eine Nacht im Krankenhaus bleiben und sieben Tage lang einen Nasengips tragen.

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Sohn hat zwei Seiten

Gegen den Strafbefehl, den der Vater erhielt, ging er in Einspruch. Danach hätte er 160 Tagessätze a 10 Euro zahlen sollen.

Mit vielen ausladenden Gesten beschreibt der in Syrien geborene Mann vor Gericht, dass sein Sohn zwei Seiten habe. Auf der einen sei er sehr fleißig und artig, auf der anderen extrem aggressiv. Auch gegenüber seiner Mutter und den Geschwistern. Der 16-Jährige Spiele bis tief in die nach an der Xbox Gewaltspiele. Man könne nicht mit ihm reden. Er habe sowohl den Vater als auch die Geschwister schon einmal mit einem Messer angegriffen. Er werfe mit Gegenständen um sich und zerstöre Möbel, wenn ihm etwas nicht gefalle.

Mutter verweigert die Aussage

Am Tattag habe seine Frau den Beschuldigten angerufen, weil der Sohn wieder ausgerastet sei. Wenige Minuten später sei er Zuhause angekommen. Überall hätten Scherben gelegen. Er sei in das Zimmer des Jungen gegangen, um mit ihm zu reden. Doch dazu sei es nicht gekommen. Der Jugendliche habe ihn sofort angegriffen, am Hals und in den Augen verletzt, sodass er nichts mehr gesehen habe. Er habe ihn von sich weghalten wollen. „Ich habe mich gewehrt und ihn dabei leider verletzt“, sagt der Mann. Er habe seiner Frau gesagt, sie solle den Rettungsdienst rufen und die Wohnung verlassen. Es habe ihm wehgetan, dass er seinen Sohn verletzt hat. Deshalb sei er sofort selbst zur Polizei gegangen.

Außerdem sei er am 1. Juli ausgezogen, um seine Ruhe zu haben. Zu seinem Sohn habe er seitdem keinen Kontakt mehr. Aber seine Frau rufe nach wie vor täglich mehrmals an, und frage ihn, ob er die Kinder nimmt. Vor Gericht erklärt sie nur, dass ihr Sohn aggressiv sei. Ansonsten verweigert sie die Aussage.

Auseinandersetzungen sind normal

Auch der Jugendliche ist als Zeuge geladen. Er beantwortet alle Fragen in einem ruhigen Tonfall. Er bestätigt, dass er am Tattag eine Auseinandersetzung mit seiner Mutter gehabt habe, die zu eskalieren drohte. Dabei habe er einen Stiefel in die Glastür des Schlafzimmers der Mutter geworfen. Daher rührten die Scherben, die der Vater vorfand, als er wenige Minuten später eintraf. Die Mutter habe den Vater um Hilfe gebeten.

Als dieser in das Zimmer gekommen sei, habe er ihn sofort auf das Bett geschubst. „Dann ist die Faust geflogen“, erzählt der Gymnasiast. Die Mutter habe versucht, die beiden zu trennen und den Vater letztendlich aus dem Zimmer gezogen. Die Schwester habe den Krankenwagen gerufen. Seitdem herrsche Funkstille zwischen ihm und dem Vater.

Bleibende Schäden habe er nicht davongetragen, sagt der Sohn. Er erklärt auch, dass es nach wie vor zwischen ihm und der Mutter „normale“ Auseinandersetzungen gebe, aber nur mit Worten, nicht körperlich. Sie rufe auch immer noch den Vater an. „weil sie nichts daraus gelernt hat“, meint der 16-Jährige.

Einspruch zurückgenommen

Nachdem Richterin Marion Zöllner den Beschuldigten nach seinen wirtschaftlichen Verhältnissen gefragt hat, weist sie ihn darauf hin, dass sich der Tagessatz, der im Strafbefehl stand, im Falle einer Verurteilung auf 15 Euro erhöhen könnte. Daraufhin zieht der Beschuldigte seinen Einspruch zurück.

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