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Vater unser, gleich nach der Werbung

Am Mittwoch, dem 29. Oktober, gastiert in der Hoyerswerdaer Lausitzhalle das Urgestein des deutschen Kabaretts: Dieter Hildebrandt! Er liest ab 20 Uhr aus seinem Buch: „Vater unser, gleich nach der Werbung“.

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Dessen Grund-Inhalt: Ein altes Ehepaar lebt in der Küche seines Hauses. Die anderen Zimmer haben die beiden an eine Fernsehgesellschaft vermietet, die die Küche als Senioren-Container zeigt, aus dem sie die Serie „Old Brother“ sendet. Um die zwei herum tobt das Leben, in der Küche aber auch. Die Frage stellt sich: Was ist Reality und was Reality-TV?

Bei Hildebrandt liest sich das dann so: „Jeden Dienstag kommen Besucher zu uns. Politiker, Industrielle, Filmstars, die intelligente Gespräche mit uns beiden über den Glauben an die Unsterblichkeit führen sollen. Zudem wollen sie etwas von unserem Ruhm abbekommen. Unser Schlafzimmer, Wohnzimmer, das ehemalige Kinderzimmer sind für uns nur zu den ausgemachten Livesendezeiten begehbar. Das ganze Haus ist bestückt mit Scheinwerfern und Kameras. Wenn wir auf’s Klo müssen, rufen wir den Aufnahmeleiter an, der das der Sendeleitung meldet. Die entscheidet, ob wir dürfen, wenn wir müssen...

Das Drehbuch für unseren zu lebenden Alltag verfasst ein Redaktions-Team. Wir haben dann zehn Minuten Zeit, jene Sätze, die wir spontan sagen sollten, auswendig zu lernen. Für unser Leben, das wir den Zuschauern nach dem Motto „gelassen in den Tod gehen“ vorspielen, sind zwei Dramaturgen zuständig....“ – Das kann natürlich nerven. Oder zu dieser Einsicht führen: Nicht die Kamera vermittelt, wie das Leben ist, sondern das Leben hat so zu verlaufen, wie die Serie es vorschreibt! „Seitdem, leben wir dramaturgisch einwandfrei. Wir haben erkannt: «Senioren-Container» soll ein Acht-Millionen-Publikum finden. Deshalb sollen die Schwierigkeiten des Altwerdens auch ausgespart bleiben. Ermunterung und Abnutzungspessimismus sollen sich zu Gunsten des Überlebens-Optimismus’ wirksam bekämpfen. Der Sozialminister hat ein Auge auf die Sendung, die Kirche auch...“

Karten sind noch im Kamenzer SZ-Treffpunkt, Theaterstraße 3 erhältlich