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Warum ein Drittligist nach Zahnarzt klingt

Unter dem sperrigen Konstrukt Dentalservice Gust VC Dresden gehen die Volleyballer in die Saison. Was steckt genau dahinter?

Sven Dörendahl ist Kopf und Herz des VC Dresden. Der Vereinsvorsitzende erläutert zwar den Deal, nennt allerdings keine konkreten Zahlen.
Sven Dörendahl ist Kopf und Herz des VC Dresden. Der Vereinsvorsitzende erläutert zwar den Deal, nennt allerdings keine konkreten Zahlen. ©  Robert Michael

Dresden. Ob der neue Name überhaupt auf die vermutlich nicht durchgängig hochmodernen Anzeigetafeln in der 3. Volleyball-Liga passt? Die Männer des VC Dresden laufen künftig unter der Bezeichnung „Dentalservice Gust VC Dresden“ in der dritthöchsten Spielklasse auf.

Dass ein Sponsor die Namensrechte erwirbt, ist selbst im Volleyball nicht ganz ungewöhnlich, siehe SSC Palmberg Schwerin und MTV Allianz Stuttgart bei den Frauen oder Berlin Recycling Volleys und Heitec Volleys Eltmann bei den Männern – jeweils in der Bundesliga. In der 3. Liga allerdings ist das schon ungewöhnlich. „Summen nennen wir nicht“, sagt VC-Chef Sven Dörendahl. „Verkauf von Namensrechten würde ich das auch nicht unbedingt nennen“, erklärt der 46-Jährige. „Ich würde das anders formulieren: Wir bieten Heiko Gust als Geschäftsführer der Firma für sein Engagement die größtmögliche Aufmerksamkeit oder Werbefläche, die es bei uns geben kann“, betont Dörendahl.

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Die Namens-Kooperation mit dem in Dresden ansässigen Unternehmen, das sich als Dienstleister für Reparaturen und Schulungen rund um die Dentaltechnik versteht, läuft vorerst über die nächsten zwei Jahre. „Heiko sichert einen Großteil des Etats ab und sorgt dafür, dass wir nach derzeitigem Stand sicher mit der 2. Liga planen können.“ Dort will der VC Dresden eher kurz- als langfristig wieder hin. In der vergangenen Saison hatten die Elbestädter von vornherein darauf verzichtet, einen Lizenzantrag für die 2. Liga einzureichen, obgleich sie sportlich als Vizemeister der 3. Liga Ost jeden Grund dafür gehabt hätten. Die Summe des neuen Namensgebers fließt nicht zu 100 Prozent ins Budget für die Drittliga-Mannschaft, sondern kommt auch dem Gesamtverein zugute.

Der Etat der vergangenen Saison von knapp 35.000 Euro ist also deutlich aufgestockt worden. „Der Rahmen hat sich für uns deutlich erhöht – und lässt uns alle im Vorstand deutlich ruhiger schlafen“, argumentiert der gebürtige Berliner. Das Budget im letzten Zweitliga-Jahr der Sachsen, 2016/2017, lag bei 50.000 Euro. Der Ex-Profi, mit dem SCC Berlin 1993 deutscher Meister, weiß sehr wohl, dass seine Männermannschaft anfangs wohl auch mit hämischen Stimmen rechnen muss. „Ob der Schriftzug nun komisch klingt oder nicht, ist mir eigentlich egal“, sagt er.

Namenssponsoring – da war doch mal was …

Bei einigen Volleyballanhängern löst die namentliche Sponsorenverquickung beim VC Dresden sicherlich ein Déjà-vu aus. Da war doch mal was … 2014 startete der Klub unter dem Namen Cloud&Heat Volley Dresden in seine dritte Erstliga-Saison. Dieser Versuch endete äußerst unglücklich. Im Dezember 2014 meldete die Spielbetriebs-GmbH Insolvenz an. Die Pleite hatte freilich nichts mit der namensgebenden Technologie-Firma zu tun. Allerdings bürgerte sich der sperrige Name für die Dresdner Volleyballprofis selbst in der Bundesliga nie so wirklich ein.

Dörendahl weiß das. Er war damals schon als Sportdirektor dabei. Die jetzige sportliche und finanzielle Situation hält er für so günstig wie lange nicht. „Wir sind leicht ins Plus gerutscht – auch ohne den neuen Namensgeber“, verrät er. Den Schriftzug werden die VC-Männer auf dem Rücken tragen. Als Brustsponsor wurde ein anderes Unternehmen gefunden. „Der Vertrag ist aber noch nicht unterschrieben“, sagt der Vereinsvorsitzende und will deshalb den Namen noch nicht nennen.

Kann der Verein denn sportlich auch den finanziell offenbar untersetzten Sprung nach oben wagen? „Wir zählen auf jeden Fall zu den Aufstiegsanwärtern. Wir wissen aber nicht, wer sonst noch Ambitionen hat. Viele Details erfährt man in der 3. Liga nicht“, hadert Dörendahl.

Über den VC Dresden, der am 21. September in Dachau in die neue Drittliga-Saison startet, ist wenigstens bekannt, dass der 21-jährige Diagonalangreifer Benno Hartung nach zwei Jahren beim TGSL Schöneiche zurückkehrt. Ebenfalls ein Rückkehrer ist Außenangreifer Felix Weishaupt. Mika Püschmann rückt aus dem eigenen Nachwuchs nach. „Um Spieler zu verpflichten, dafür reicht der Etat dann doch nicht aus. Das haben wir beim jetzigen Stand unserer Jugendarbeit auch nicht nötig – für den Anspruch 2. Bundesliga“, sagt Dörendahl. Die Talente des VC sammeln bei deutschen Altersklassen-Meisterschaften regelmäßig Medaillen ein. In diesem Jahr holten das U-16- und U-20-Team jeweils Bronze.

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