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Leben und Stil

Veganer Wein - was soll das sein?

Um Wein ohne tierische Produkte herzustellen, greifen Winzer zu Erbsen und Bohnen. Schmeckt denn das?

Silvio Nitzsche ist Sommelier, betreibt in Dresden die WeinKulturBar und schreibt regelmäßig in der SZ.
Silvio Nitzsche ist Sommelier, betreibt in Dresden die WeinKulturBar und schreibt regelmäßig in der SZ. © SZ

Von Silvio Nitzsche 

Ist es ein Trend, der aus einem Sommerloch entsprungen ist oder ein ernst gemeintes Bedürfnis? Das haben sich einige Produzenten gefragt, als vor zwei, drei Jahren die Nachfrage nach veganen Weinen stieg. Vielen erschien es absolut unlogisch, Wein mit tierischen Produkten in Verbindung zu bringen. Wein kommt, das wissen wir alle, aus Trauben. Fleisch im Wein? Na ja, das kommt höchstens bei einigen Kochrezepten vor.

Aber es gibt durchaus Bereiche in der Weinproduktion, bei denen Produkte tierischen Ursprungs verwendet werden. Beim Anbau der Trauben in den Weinbergen gibt es keinen Unterschied zwischen konventionell und vegan hergestellten Weinen. Erst im Keller greift der vegan arbeitende Winzer zu alternativen Mitteln oder Methoden. 

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Schon seit vielen Hundert Jahren verwenden Winzer tierische Produkte wie Eiklar oder mittlerweile auch Gelatine, um den Wein zu klären. Sie werden in den fertig vergorenen Wein gegeben. Das Eiweiß verbindet sich mit den Trübstoffen im Wein und setzt sich anschließend am Fassboden ab. Als positiver Nebeneffekt findet neben der Klärung auch eine Harmonisierung der Gerbstoffstruktur statt.

In vielen Weinflaschen ist übrigens ohnehin veganer Wein enthalten, ohne dass die Winzer das hervorheben oder auf das Etikett schreiben. Denn immer mehr Winzer verzichten völlig auf die Klärung mit Hilfsstoffen jeglicher Art. Sie geben dem Wein mehr Zeit, sich auf natürliche Weise zu klären. 

Was aber auf keinen Fall heißen soll, dass geklärter Wein in irgendeiner Form minderwertiger als ungeklärter Wein ist. Der nun klare Wein wird ganz sanft abgepumpt, so dass von dem tierischen Produkt fast nichts im Wein zurückbleibt. Es werden also Stoffe zur Behandlung verwendet, die tierischen Ursprungs sind, was strenge Veganer ablehnen. 

Problem erkannt, doch wie verbannt man dieses? Die Proteine sind für die Trubstoffbindung verantwortlich – also um den Wein einigermaßen klar und ansehnlich zu bekommen. Und diese können auch durch pflanzliche Proteine ersetzt werden. So werden sie zum Beispiel aus Erbsen, Bohnen oder Kartoffelstärke gewonnen. Geschmacklich macht das keinen Unterschied.

Jedoch hat man bis jetzt noch keinerlei Langzeitstudien, ob ein alternativ behandelter Wein sich während einer langjährigen Reife anders entwickelt, als ein konventionell produzierter. Die Produktion der veganen Weine selber, ist auch nicht kostspieliger als die von konventionellen Weinen. Da keine Eiweißstoffe verwendet werden, sind solche Weine aber auch für Allergiker verträglicher.

Gibt es eigentlich auch eine Verbindung von veganen und ökologischen Weinen? Nein, im Prinzip nicht. Das kann für den Winzer aber nur von Vorteil sein, denn viele Weintrinker, die bewusst einen veganen Wein kaufen, achten zugleich darauf, dass dieser ökologisch an- und ausgebaut wurde.

Einigen Veganern geht es nicht nur um den Wein als solches, sondern ums gesamte Konzept. Nicht wenigen ist es wichtig, dass auch die Etiketten auf den Flaschen nur mit Leim auf pflanzlicher Basis und nicht etwa mit Knochenleim verklebt sind. Gesetzlich gibt es hierzu keine Vorschriften oder Siegel.

Aber einige Winzer vermerken es auf ihrem Etikett. Die Angaben „für Vegetarier geeignet“ oder „für Veganer geeignet“ sowie ein Hinweis auf die Zugehörigkeit zu einem einschlägigen Verein sind zulässig, nicht jedoch „veganer Wein“ oder „vegetarischer Wein“.

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