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„Venus“ dreigeteilt

Die Tanzcompany vom Gerhart-Hauptmann-Theater hat in Görlitz einen neuen dreiteiligen Abend mit verschiedenen choreografischen Handschriften herausgebracht.

© Theater/Marlies Kross

Von Gabriele Gorgas

Görlitz. Es ist immer eine gute Entscheidung, auch in Hinblick auf das Publikum, wenn zuweilen künstlerische Handschriften mit ins Repertoire einbezogen werden, die vor Ort weniger bekannt sind. Was auch für die Tanzcompany vom Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau zutreffend ist, welche mit ihrer jüngsten Premiere in Görlitz gleich drei neue Arbeiten vorstellt, sowohl von Gästen wie auch von einem Ensemblemitglied choreografiert. Mit dem Titel „Venus“ verweist der Tanzabend nachdrücklich auf Weiblichkeit, die, wie Oscar Wilde im Programm zitiert eine Eigenschaft sei, die er an Frauen besonders schätze.

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Ob der Titel nun der wahrhaft zutreffende für den dreiteiligen Abend mit der Dauer von knapp zwei Stunden ist, sei mal dahingestellt. Falsch kann er aber dennoch nicht sein. Zumal er ja auch verlockend klingen soll, was ganz gewiss kein Fehler ist. Konsequenterweise aber haben die beiden Ensemble-Chefs Dan Pelleg und Marko E. Weigert bewusst Frauen eingeladen, dazu ihre Sichtweisen vorzustellen. Und das ebenso in Hinblick auf Britta Bremer, die für die Ausstattung des kompletten Abends zuständig ist.

Wohl am kraftvollsten – was jeder auch anders sehen kann – hat sich die Choreografie der Israelin Adi Salant eingeprägt, viele Jahre künstlerische Co-Leiterin der Batsheva Dance Company in Tel Aviv. Ihr gelingt es mit „Steady Space“ ganz offenbar, das kleine, überschaubare Ensemble so herauszufordern, dass jene übergreifenden Energien zu spüren sind, die die Zuschauer mit auf eine emotionale Reise nehmen. Was überhaupt das Erfolgsrezept von Ohad Naharin und seiner Batsheva Company ist, die in den vergangenen Jahren beispielsweise auch mehrfach im Festspielhaus Hellerau zu erleben war.

Musikalisch greift Adi Salant dabei auf verschiedene Kompositionen zurück, dass es jedoch schlussendlich mit The Waves-Tuesday mal wieder Max Richter sein muss, wer begreift das schon?

Die Choreografie „Eiland“ zu Musik von Steve Reich bis zu Edith Piaf von der japanischen Tänzerin Mami Kawabata - sie ist Mitglied der Tanzcompany – sucht auf gewisse Weise den regionalen Bezug und spielt betont mit einer szenischen Metapher. So wird die Bühne von einer wohl auch die „Figürlichkeit“ assoziierenden „Wolke“ überquert, die entfernt schon irgendwie an die prähistorische Venus von Willendorf mit ihren üppigen weiblichen Rundungen erinnern könnte.

Und wenn die Gruppe dann den sorgsam von Pelleg/Weigert in abenteuerlicher Kostümierung gehüteten und vorangebrachten „Schatz“ in Stücken an sich reißt, ja dann, ja dann... weiß man eigentlich auch nicht so recht, warum. Aber so halbwegs liebenswert gemacht ist es schon. Nur eben nicht besonders spannend. Was sich von „Shutdown“ zum Auftakt des Abends wohl auch nicht gerade behaupten lässt. Aber von der eigenwilligen Struktur her, dem rhythmischen Duktus, den Veränderungen und Verwandlungen könnte das Stück, das als Gäste die langjährige Batsheva-Tänzerin Noa Zuk gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, dem interdisziplinären Künstler Ohad Fishof mit der Company in Görlitz erarbeitet hat (von ihm stammen auch die Klangbilder des Stückes), wohl noch ganz anders zur Wirkung kommen. Hier mangelt es möglicherweise den Tänzern an Erfahrung mit diesem speziellen Stil. Je mehr sie damit vertraut sind, umso intensiver könnten sie damit wohl auch umgehen. Wobei es schon bemerkenswert ist, wie sie sich überhaupt mit diesen Aufgaben auseinandersetzen.

Übrigens gastiert Ende Juni die Batsheva Company – The Young Ensemble mit drei Vorstellungen im Festspielhaus Hellerau vom Europäischen Zentrum der Künste Dresden. Der Titel des Stückes „Naharins Virus“ ist von Belang wohl ebenso für die Tanzcompany in Görlitz. Denn diese hat sich – und das nicht erst mit dem neuen Abend – damit schon längst infiziert. Aber es ist ein wahrhaft langer Weg dahin, um sich diesen Arbeitsweisen anzunähern und auch eine mächtig gewaltige Kraftfrage. Ebenso in Hinblick auf die stets geforderte Intensität und Expressivität.

Venus“, Theater Görlitz, wieder am 25. 5. und 2. 6., Beginn jeweils 19.30 Uhr, am 3. 6., 15 Uhr und am 8. 6., 19.30 Uhr