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Chemnitz

„Veränderung gehört zu einer Demokratie“

Nach 14 Jahren Amtszeit tritt die Oberbürgermeisterin von Chemnitz, Barbara Ludwig, zur nächsten Wahl nicht mehr an.

Barbara Ludwig hatte sich nach der Wende als Grundschullehrerin ausbilden lassen. Doch schon bald wechselte sie ganz in die Politik. In einem Jahr wird sie diese Welt nun hinter sich lassen.
Barbara Ludwig hatte sich nach der Wende als Grundschullehrerin ausbilden lassen. Doch schon bald wechselte sie ganz in die Politik. In einem Jahr wird sie diese Welt nun hinter sich lassen. © dpa

Es kam nicht überraschend, aber jetzt ist es endgültig: Im Herbst 2020 werden die Karten bei der Chemnitzer OB-Wahl völlig neu gemischt. Denn Amtsinhaberin Barbara Ludwig (SPD) wird dann nicht noch einmal antreten. Vermutet worden war dieser Schritt schon seit einigen Monaten.

Doch die 57-Jährige hatte zuletzt angekündigt, sich erst nach der Landtagswahl in Sachsen öffentlich zu ihrer politischen Zukunft äußern zu wollen. Das hat sie nun getan. Klar, schnörkellos und gerade, wie man sie in Sachsen kennt. Sie verzichte auf eine weitere Amtszeit, teilte Ludwig mit. Bei ihrer zweiten Wahl zum Stadtoberhaupt hatte sie stolze 63,8 Prozent eingefahren. „Zu einer starken Demokratie gehören Kontinuität, aber auch Veränderung. Deshalb ist es an der Spitze der Stadt nach 14 Jahren Zeit für einen Wechsel“, teilte die gebürtige Karl-Marx-Städterin mit. Mehr als 20 Jahre in öffentlichen Ämtern seien genug. „Ich möchte mit Ablauf meiner Amtszeit im kommenden Jahr anderen Dingen in meinem Leben mehr Platz geben.“ Was das sein wird, ließ sie offen, aber versprach zugleich, bis dahin all ihre Kraft für ihre Heimatstadt einzusetzen.

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Ludwig war zunächst von 1994 bis 2001 Landtagsabgeordnete, danach kurze Zeit Sozialdezernentin in Chemnitz, bevor die SPD sie Ende 2004 als Wissenschafts- und Kunstministerin in die erste schwarz-rote Landesregierung nach Dresden holte. Nur anderthalb Jahre später wechselte Ludwig dann nach Chemnitz. Die Vorgänge rund um den gewaltsamen Tod von Daniel H. vor einem Jahr in Chemnitz und die Reaktionen darauf sollen Ludwig so getroffen haben, dass sie seitdem als angeschlagen galt.

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Für die Stadt endet damit die Amtszeit einer Oberbürgermeisterin, die Spuren hinterlässt beim baulichen und wirtschaftlichen Aufbau der Industriestadt. Und ganz nebenbei brachte Barbara Ludwig, die so gar nicht als „Parteisoldatin“ gilt, der Landes-SPD den Glanz ein, den eine Oberbürgermeisterin der drittgrößten Stadt in Sachsen eben einer Partei so bringen kann. Ludwigs Abgang stellt die SPD, die mit Burkhard Jung Anfang 2020 um die Wiederwahl in Leipzig kämpfen will, nun aber vor die Aufgabe, auch für Chemnitz einen chancenreichen OB-Kandidaten zu finden.