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Alle Hutberg-Konzerte ein Jahr später

Veranstalter von Kamenz bis zum Rödertal kämpfen derzeit mit Verlusten durch Corona. Ein Newcomer will aber trotz der riesigen Probleme starten.

David Kliemann und Odette Künstler managen das Kulturangebait auf der Hutbergbühne und im Stadttheater Kamenz. Zurzeit geht da gerade nichts.
David Kliemann und Odette Künstler managen das Kulturangebait auf der Hutbergbühne und im Stadttheater Kamenz. Zurzeit geht da gerade nichts. © Matthias Schumann

Kamenz. Das  Kamenzer Stadttheater ist immer noch in der Corona-Zwangspause. Der Verlust für den Veranstaltungsbetrieb mit Theater, Hutbergbühne und den städtischen Sammlungen ist immens. Dazu kommt der kulturelle Verlust für die Menschen. 

Fest steht, auf dem Hutberg wird es dieses Jahr still bleiben. „Alle geplanten Konzerte konnten aber in das nächste Jahr verschoben werden“, so David Kliemann, verantwortlich für Stadtmarketing und Veranstaltungsdienste. So kommt 2021 am 5. Juni DJ Bobo, am 19. Juni Ben Zucker, am 23. Juli Wincent Weiss, am 13. August Johannes Oerding und am 28. August Roland Kaiser. Insofern gehen die Veranstaltungen nicht verloren, die Mieteinnahmen in diesem Jahr schon. Details zum Verlust nennt die Stadt nicht.

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Einige Termine werden nachgeholt

Beim Stadttheater fiel ab März das komplette Restprogramm fürs erste Halbjahr aus, immerhin noch zwölf Veranstaltungen, die abgesagt werden mussten. „Ohne zwischen Eigen- und Fremdveranstaltungen zu unterscheiden, kann von rund 2.000 entgangenen Besuchern ausgegangen werden“, sagt Odette Künstler, verantwortlich fürs Stadttheater-Programm. Für eine Kulturstadt wie Kamenz sei das wirklich bedauerlich. Es gehe dabei um ein Karten-Volumen von über 30.000 Euro.

Da einige der Termine im Herbst nachgeholt werden können, hofft die Stadt zumindest auf eine anteilige Kompensation. Falls es die Bedingungen zulassen, können sich die Theaterfreunde bereits ab Ende August wieder auf Vorstellungen freuen. Mit konkreten Terminen ist die Stadt noch zurückhaltend. Eine Hürde sind dabei die Corona-Regeln mit den geforderten Mindestabständen. Ein Konzept gebe es jetzt.  Zumindest für September stehen  zwei Veranstaltungen im Plan, mit Kabarettist Ingo Oschmann und Sänger Ronny Weiland.

Corona-bedingt sind auch in den „Städtischen Sammlungen“ zahlreiche Veranstaltungen im ersten Halbjahr auf der Strecke geblieben. Es war allerdings möglich, die meisten Frühjahrsveranstaltungen in den Herbst zu verschieben. Das sei auch im Interesse der beteiligten Akteure gewesen, die Einnahmeverluste durch viele abgesagte Termine hinnehmen mussten.

So wird nun am 14. Oktober der Schriftsteller und Lessing-Preisträger Christoph Hein mit seiner vor wenigen Wochen erschienenen Lessing-Novelle „Ein Wort allein für Amalia“ im Stadttheater zu erleben sein. Die beiden kurz vor der zeitweiligen Schließung der Museen eröffneten Kunstausstellungen mit Werken von Armin Mueller-Stahl im Malzhaus und Thomas Hellinger im Sakralmuseum konnten bis in den August verlängert werden.

Im Vorjahr organisierte Thomas Träber unter anderem das Gelenauer Sonntags-Open-Air und holte Sängerin Kerstin Ott in die Region. In diesem Jahr ist fast alles abgesagt.
Im Vorjahr organisierte Thomas Träber unter anderem das Gelenauer Sonntags-Open-Air und holte Sängerin Kerstin Ott in die Region. In diesem Jahr ist fast alles abgesagt. © René Plaul

Eine gewisse Hoffnung hat auch Thomas Träber von Träber-Events aus Kamenz noch, dass zumindest eine seiner geplanten Veranstaltungen 2020 stattfinden kann:  im Dezember die große Silvesterparty im Pulsnitzer Schützenhaus. „Es  kann aber noch keiner sagen, ob das unter Corona-Bedingungen funktioniert.“ Ansonsten sei alles abgeblasen. „In diesen Tagen wäre die große Schlossparty in Oberlichtenau gewesen“, sagt Träber mit Wehmut in der Stimme. Die soll nun im Juni 2021 steigen.

Die größte Hiobsbotschaft gibt es für Pulsnitz. Der Event-Manager hatte das Stadtfest vom Mai auf den Oktober verschoben und auf Entspannung in der Corona-Krise gehofft. Nun aber ist es ganz abgesagt. Er habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Fest zu retten, und sogar mit dem Büro des sächsischen Ministerpräsidenten telefoniert. Denn Sachsen wolle ja Veranstaltungen über 1.000 Besuchern ermöglichen.

Aber für ein Stadtfest seien die Auflagen unmöglich zu realisieren: „Es müssten alle Gäste mit ihren Kontaktdaten erfasst werden.“ Dazu die Abstandsregeln und viele weitere Auflagen. Es sei nicht machbar. Damit folgt Pulsnitz unter anderem der Stadt Kamenz, die das  Forstfest abgesagt hat. 

Start unter schwierigsten Bedingungen

„Wir planen in Pulsnitz jetzt für die Zeit vom 7. bis 9. Mai 2021“, so Träber.  Auch Firmenveranstaltungen seien ihm weggebrochen. Der Verlust gehe in die Tausende, Kosten für die Eventfirma laufen weiter. Es gehe an die Reserven. Zum Glück habe er noch einen festen Job, um finanziell abgesichert zu sein. „Ich kenne aber aus Telefongesprächen viele Künstler, Schausteller oder Veranstalter, die nicht wissen, ob sie im kommenden Jahr noch existieren.“

Andere wollen gerade unter den schwierigsten Bedingungen an den Start gehen, wie im Dezember der neue Rödersaal im früheren Großröhrsdorfer Kulturhaus. Er sei aber noch zuversichtlich, sagt Arnim Proft, Geschäftsführer der Dresdner Herkuleskeule und Berater für das Großröhrsdorfer Projekt. Er hoffe auf Lockerungen der Corona-Regeln. Ansonsten wären gerade die Tanzveranstaltungen  nicht machbar, Varieté und die Kinderveranstaltungen schon eher. 

Stühle und Tische ließen sich so rücken, dass man etwa 350 Leute corona-gerecht im Saal platzieren und mit kleineren Veranstaltungen beginnen könnte. Große Künstler seien mit den wenigen Plätzen allerdings nicht bezahlbar. Ende August wolle man zu Programmdetails informieren. Die ganze Kulturbranche leide furchtbar unter der Situation, so Proft: „Letztlich sind wir auf die Beschlüsse der Landesregierung angewiesen.“

Sie wollen in schwierigen Zeiten mit dem früheren Großröhrsdorfer Kulti als Rödersaal neu durchstarten: Eigentümer Robert Rumpel (r.) und Berater Arnim Proft. Prinzessin Aschenputtel begleitet das Projekt in Kinderveranstaltungen.
Sie wollen in schwierigen Zeiten mit dem früheren Großröhrsdorfer Kulti als Rödersaal neu durchstarten: Eigentümer Robert Rumpel (r.) und Berater Arnim Proft. Prinzessin Aschenputtel begleitet das Projekt in Kinderveranstaltungen. © Matthias Schumann

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