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Veranstalter sehen rot

Auf spektakuläre Weise will eine ganze Branche am Montag deutschlandweit auf ihre corona-bedingte Notlage aufmerksam machen. Auch rund um Löbau.

Links Tobias Wagner von Wagner-Sound GbR (links) und Axel Bombach bereiten die Lichtaktion vor.
Links Tobias Wagner von Wagner-Sound GbR (links) und Axel Bombach bereiten die Lichtaktion vor. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Normalerweise ist Axel Bombach deutschlandweit unterwegs, um Veranstaltungen ins richtige Licht zu rücken. Er betreibt in Sohland/Spree eine Firma für Veranstaltungstechnik. Licht- und Lasershows sind seine Spezialität. Doch normal lief in den letzten Monaten aufgrund der Corona-Pandemie fast nichts mehr.  Große Veranstaltungen vom Konzert bis zum Stadtfest gibt es nicht. Das erschüttert die gesamte Veranstaltungsbranche. 

Am 22. Juni kann Axel Bombach seine Technik endlich mal wieder auspacken. In Schönbach wird er ab 21.30 Uhr die Kulturfabrik beleuchten. Der ehemalige Fabrikbau nahe der Kirche gehört Unternehmer Torsten Starke. Er hat ihn zum Veranstaltungshaus umgebaut. Bombach hat mit seiner Firma vor der Corona-Krise schon oft bei Events in der Kulturfabrik mitgewirkt. Diesmal geht es aber nicht ums Vergnügen. Bombach will ein Zeichen setzen und auf die Probleme der Branche aufmerksam machen. In der Signalfarbe rot wird die Kulturfabrik deswegen am Montag erstrahlen. Mit Licht und Laser will er auch einen Schriftzug an die Fabrikwand projezieren. "Damit die Leute wissen, worum es geht." Unternehmer Torsten Starke war sofort angetan von der Idee. Auch für seine Kulturfabrik ist das Veranstaltungsverbots ein Drama. 

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Wie Axel Bombach werden viele andere Unternehmer in ganz Deutschland Gebäude in rotes Licht tauchen. Als Zeichen dafür, wie schlimm es um eine ganze Branche steht.  

Tausende machen mit

Aufgerufen zur Aktion „Night of Light“ hat der Essener Kommunikationsexperte Tom Koperek. Er sagt: „Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht! Die aktuellen Auflagen und Restriktionen machen die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen quasi unmöglich.“

Das treffe auch Spielstätten sowie Zulieferer und Dienstleister jeder Art und Größe: von Technikfirmen, Bühnen- und Messebauern, Ausstattern, Caterern und Logistikern über Künstler bis hin zum Einzelunternehmer. Umso wichtiger sei es, für eine stärkere Wahrnehmung durch die Politik und Öffentlichkeit zu sorgen.

Dem Aufruf haben sich inzwischen über 5.000 Unternehmen angeschlossen. Auf der offiziellen Internetseite der Aktion gibt es eine Übersicht, wer dabei ist. In rotes Licht getaucht werden demnach unter anderem auch der Gusseiserne Turm in Löbau sowie die Messehalle und eine Lagerhalle an der Bergstraße in Ebersbach. 

Für den Essener Initiator Tom Koperek steht fest: „Die Veranstaltungswirtschaft war der erste Wirtschaftszweig, der von der Corona-Krise getroffen wurde, und er wird auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen betroffen sein.“ Seit Mitte März mache die Veranstaltungswirtschaft quasi keinen Umsatz mehr. Mit der Aktion am Montagabend will die Branche nicht nur auf ihre Lage aufmerksam machen, sondern auch den Dialog mit der Politik fordern. 

Auch Axel Bombach aus Sohland sieht große Probleme auf die Branche zukommen. "Viele werden es nicht schaffen", vermutet er. "Gerade diejenigen, die das hauptberuflich machen und davon leben, haben es schwer." Er selbst betreibt seine Firma im Nebenerwerb. Dennoch: die teure Technik liegt nun im Lager und bringt kein Geld ein. Auch auf die Preise in der Event-Branche wird die Krise Auswirkungen haben, wenn es dann irgendwann wieder weitergeht, vermutet Bombach. 

Azubi muss um berufliche Zukunft fürchten

Für Dominic Münch aus Löbau ist die Lage gerade besonders dramatisch. Er muss fürchten, dass ihn sein Chef nicht übernehmen kann. Der 24-Jährige schließt im August seine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker ab. Eigentlich hatte er fest damit gerechnet, nach dem Abschluss bei der Löbauer Firma Audioservice Ullrich eingestellt zu werden. Das ist nun mehr als fraglich. Erst am Mittwoch hatten sich Länderchefs und Bundeskanzlerin darauf geeinigt, dass Großveranstaltungen bis Ende Oktober weiterhin verboten sein sollen. Damit bleiben die Auftragsbücher leer. „Bei uns sind die festangestellten Mitarbeiter bereits in Kurzarbeit“, erzählt Münch. Wenngleich das nicht für Azubis gelte, „hängen wir letztendlich alle in der Luft“, sagt er. 

Seine Prüfungszeit beginnt kommende Woche. Darauf vorbereitet hat er sich im Home-Office. Mit gemischten Gefühlen geht der angehende Veranstaltungstechniker nun in die letzte Runde seiner Ausbildungszeit. Wie es für ihn danach beruflich weitergeht, ist derzeit völlig offen.

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Am Montag gehört auch er mit zu denjenigen, die bei der „Night of Light“ mitmachen. „Unsere Firma wird den Messepark und die Blumenhalle von 20 Uhr bis Mitternacht in rotes Licht tauchen.“

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