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Verband kramt in alten Akten zum Mühlgraben

Welche Auswirkungen hätte der Rückbau des Stadtbad-Wehres? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit mehrere Fachleute.

© André Braun

Von Heike Heisig

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Roßwein. Fünf Aktenordner liegen auf dem Tisch vor Frank Lessig, dem Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes (AZV) „Obere Freiberger Mulde“. Die Unterlagen darin drehen sich um eine alte Sache, genau um die Stadtentwässerung Roßweins. Die war 1997 ein großes Thema. Damals wurde die Idee umgesetzt, in Teilen des Mühlgrabens einen Stauraumkanal mit einem beachtlichen Durchmesser von 2,20 Meter zu verlegen. Über diesen Kanal und ein Pumpwerk in Höhe der ehemaligen Studentenwohnheime werden noch heute die Abwässer zum nur ein paar Hunderte Meter entfernten Klärwerk an Fischers Teich befördert. „Eine Auflage damals war, parallel zum Hauptsammler eine Rohrleitung zu verlegen, in der Muldenwasser zum offenen Teil des Mühlgrabens gelangt“, erklärt Frank Lessig. Genau dieser Punkt ist heute ein Haken.

Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) plant, das Wehr in Höhe des Stadtbades zurückzubauen. Damit würde der Wasserspiegel um 30 bis 40 Zentimeter sinken. Das wiederum würde bedeuten, dass kein bis kaum noch Muldenwasser im Bereich Mühlgraben „landet“. Die LTV-Vertreter wollten die Ableitung bisher verschließen, Lessig zufolge liege inzwischen aber auch die Bereitschaft der LTV vor, den Kanal offenzulassen. Dann würde wenigstens bei hohem Wasserstand Muldenwasser in den Mühlgraben abgeleitet.

Nach Auffassung der LTV ist das aber gar nicht nötig. Das Biotop funktioniere laut Heinz Kaiser, LTV-Betriebsteilleiter Mulde, auch so. Dass habe eine Prüfung der eigenen Fachbehörde ergeben. Kaiser zufolge sehe dies die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Mittelsachsen, die vor mehr als 20 Jahren die Auflage erteilte, inzwischen genauso. Auch Frank Lessig ist zu dem Schluss gekommen, dass der offene Teil des Mühlgrabens wahrscheinlich nicht austrocknen wird. „Je nach Wetterlage speisen den Mühlgraben auch Oberflächen- und Grundwasser sowie Regenwasser von Dächern und Höfen, das eingeleitet wird“, sagt der AZV-Geschäftsführer.

Er ist von den Stadträten beauftragt worden, sich die Situation einmal anzuschauen. Zuständig für den Mühlgraben als Gewässer zweiter Ordnung ist die Kommune. Daher wird es wohl auch an den Stadträten liegen, endgültige Entscheidungen zu treffen. Die für Lessig wichtigste ist zunächst die der Unteren Denkmalbehörde. Denn stimmt die dem Rückbau des Wehres nicht zu, könnte theoretisch alles so bleiben, wie es im Moment ist. Ob der Rückbau des Wehres auf Zustimmung oder Ablehnung den Denkmalschützer stößt, dazu konnte der Sprecher der Behörde am Mittwoch keine Aussage treffen. Die Roßweiner befürchten eine Geruchsbelästigung, wenn der Mühlgraben austrocknet. „Dahingehende Beschwerden habe ich in den drei Jahren, die ich jetzt hier in Roßwein tätig bin, noch nicht gehört“, so der Geschäftsführer. Verschwindet das Wehr und es treten dann tatsächliche Probleme auf, müsste nach Meinung Lessigs die Frage beantwortet werden: Braucht die Stadt diesen Mühlgraben noch? Ein Rückbau sei durchaus eine Option, wenngleich die gewiss mit einem aufwendigen Verfahren verbunden sein dürfte.

Hinzu kommt noch ein wichtiger Aspekt, der bei allen Überlegungen eine Rolle spielen sollte: „Der Mühlgraben ist ein eigenes Grundstück und gehört einer Erbengemeinschaft“, sagt Lessig. Die Sache sei wirklich komplex, so seine bisherige Einschätzung.