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Verband will mehr Schulsozialarbeiter

Ein Landesprogramm soll die Schulsozialarbeit im Freistaat langfristig sichern, fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Von Dominique Bielmeier

Dresden. Sie sind da, wenn es in der Schule oder zu Hause Probleme gibt, klären über die Gefahren von Drogen auf oder beantworten ganz alltägliche Fragen der Schüler: Schulsozialarbeiter. Doch gibt es in Sachsen nach Meinung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes bisher zu wenige davon.

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„Nur etwas mehr als elf Prozent der allgemeinbildenden Schulen in Sachsen verfügen über einen Sozialarbeiter“, erklärte der Verband gestern in Dresden. Rund 160 Sozialarbeiter decken etwa 180 der insgesamt 1 447 allgemeinbildenden Schulen im Freistaat ab. Der Verband wünscht sich jedoch einen Sozialarbeiter pro Schule. Das könnte aber teuer werden.

Im Moment gleicht die Finanzierung in Sachsen noch einem Flickenteppich. Schulsozialarbeit wird hier aus Mitteln der Kommunen und des Landes finanziert. Hinzu kommen Gelder aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Für diese muss aber immer ein neuer Antrag gestellt werden, wie Petra Bräutigam, Schulleiterin einer Gemeinschaftsschule in Dresden-Pieschen, sagt. „So gibt es keine Kontinuität.“ Für das nötige Vertrauen zwischen Sozialarbeitern und Schülern sei diese aber unerlässlich.

Der Wohlfahrtsverband setzt auf die Unterstützung des Landes Sachsen: „Ein Landesprogramm Schulsozialarbeit ist aktuell nicht vorhanden und erscheint längst überfällig.“ Für alle 1 660 Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien und freien Schulen in Sachsen errechnete er Kosten von rund 87 Millionen Euro pro Jahr. Das Ziel – ein weitgehend flächendeckendes Angebot an Schulsozialarbeit – solle stufenweise in den nächsten Jahren erreicht werden.

Laut des 4. Sächsischen Kinder- und Jugendberichts, der in diesen Tagen vom Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz herausgegeben wurde, wissen viele Schüler gar nichts von der Existenz der Schulsozialarbeit. Doch diejenigen, die Kontakt zu einem Sozialarbeiter hatten, berichteten positiv über ihre Erfahrungen. Die Staatsregierung betont, wie wichtig die Schulsozialarbeit als Bereich der Kinder- und Jugendhilfe sei und verweist auf die bestehenden Finanzierungen durch das Land, die bestehen bleiben sollen. Weiteren Handlungsbedarf will sie prüfen. Mittel aus dem ESF seien noch bis Ende des Jahres zugesichert.