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Verbeeks Sternstunden

P. H. Verbeek brachte die Sterne in die Welt und die Herrnhuter zusammen. Zum 150. denken seine Nachfolger an ihn zurück.

Von Gesine Schröter

Für Tilman Verbeek und seinen Neffen Pieter hat das kleine Wappen an der Verkaufsstelle für Herrnhuter Sterne eine besondere Bedeutung: Drei Generationen von Urgroßvätern und einige weitere familiäre Verzweigungen trennen die beiden von einer „Herrnhuter Ortspersönlichkeit“, wie sie Pieter Hendrik Verbeek nennen. „Wir haben in der Vergangenheit immer darauf geachtet, dass das Wappen nicht in irgendeiner Weise abgeschlagen wird“, erzählt Tilman Verbeek. Er spricht stellvertretend für die insgesamt neun in Herrnhut verbliebenen Nachkommen des Mannes, der den Herrnhuter Stern zu seiner heutigen Form weiterentwickelt hat. Eine „Ortspersönlichkeit“ war P. H. Verbeek aber auch deshalb, weil er für die Herrnhuter viel mehr verkörperte als einen tüchtigen Geschäftsmann.

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Über den Köpfen dieser Männer prangt das Wappen der Familie Verbeek. Zur Freude von Tilman Verbeek (re.) und seinem Neffen Pieter (li.) lässt es Sterne-Geschäftsführer Oskar Scholz zum 150. Geburtstag von Erbauer Pieter Hendrik Verbeek (oben) originalgetr
Über den Köpfen dieser Männer prangt das Wappen der Familie Verbeek. Zur Freude von Tilman Verbeek (re.) und seinem Neffen Pieter (li.) lässt es Sterne-Geschäftsführer Oskar Scholz zum 150. Geburtstag von Erbauer Pieter Hendrik Verbeek (oben) originalgetr

Als solcher beginnt der gebürtige Niederländer seine Geschichte in Herrnhut. Damals 31-jährig, bringt er 1894 das Wappen an seinem neu erbauten Geschäfts- und Wohnhaus an, im gleichen Jahr eröffnet er hier seine Buch-, Kunst-, Musikalien- und Papierhandlung. Unter anderem hat er einen Modellbogen zum Basteln eines Weihnachtssterns im Angebot. Gemeinsames Sternebasteln war in der Brüdergemeinde ein wichtiger Brauch. „Nun gehörte es aber zu Pieter Hendrik Verbeek, dass er voller Einfälle steckte, überall“, sagt Rüdiger Kröger, der sich als Archivleiter der Brüderunität intensiv mit dem Mann beschäftigt hat. Und so hat Verbeek auch mit diesem Stern eine zündende Idee: Er entwickelt einen durchbrochenen Metallkörper, auf den die Zacken aus Papier aufgeschoben werden. Der Bastelstern wird zur stabilen, zusammensetzbaren Konstruktion, ideal zum Verpacken und Versenden. P. H. Verbeek verkauft den neuen Stern ab 1897 in seinem Eckladen, ein erstes Patent auf die Konstruktion erhält er im gleichen Jahr. 1899 gründet er mit der Brüder-Unität die erste Sterne-Manufaktur, Verbeek & Co. Papierwaren- und Cartonagen, wo der Herrnhuter Stern erstmals in größeren Stückzahlen hergestellt wird. Die Ära des deutschlandweit und international verkäuflichen Weihnachtssterns war angebrochen.

Doch damit nicht genug der Ideen. Gemeinsam mit Sohn Harry bekommt Pieter Hendrik 1925 ein zweites Patent erteilt, für einen Stern, der sich nun selbst trägt, da die Papierzacken an ihren Ansätzen verbunden werden. So ähnlich wie heute.

P. H. Verbeeks Persönlichkeit strahlt aber nicht nur durch den Herrnhuter Stern. „Sein vielseitiges Engagement, verbunden mit seiner gütigen Art, machten ihn sehr beliebt in Herrnhut“, erzählt Tilman Verbeek. „Die Leute ließen sich gern für seine Ideen begeistern.“ Da ist die Musik, durch die Verbeek die Herrnhuter zusammenführte, ob sie Mitglieder der Brüdergemeinde waren oder nicht – in seinem Orchesterverein, im Gesangverein, im Kirchenchor. Darüber hinaus reorganisiert Verbeek 1919 in zwei Jahren die Ortsfeuerwehr. Zuvor hat er sich noch mit 56 Jahren freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. Zurück daheim, fördert er den Tourismus, beschildert Wanderwege, stellt Informationstafeln auf – an seinem Geschäft. Sternstunden, die man heute wohl als gutes Marketing bezeichnen würde.