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Hoyerswerda

Verbindung von Meditation und Kunst

Barbara Awe stellt im Lausitz-Center Hoyerswerda vom 4. bis 14. April abstrakte Malerei aus.

Die Hoyerswerdaerin Barbara Awe an der Staffelei – grafische Elemente spielen eine große Rolle. Bilder von Barbara Awe gibt’s bald im Lausitz-Center
Die Hoyerswerdaerin Barbara Awe an der Staffelei – grafische Elemente spielen eine große Rolle. Bilder von Barbara Awe gibt’s bald im Lausitz-Center © Foto: Faramund Fabian

Hoyerswerda. Gelernte Grafikdesignerin ist die 60-jährige Hoyerswerdaerin Barbara Awe – und dieser Beruf ist nun zur Berufung geworden. Vom 4. bis 14. April sind im Lausitz-Center Bilder, geschaffen von Barbara Awe, zu sehen – ein ganz junger Mal-Stil wird damit Einzug halten. Ihr Handwerkszeug sind Bleistifte, Fineliner verschiedener Härten und Stärken sowie diverse andere farbgebende oder auch farbdämmende Gestaltungsmöglichkeiten und -methoden. Barbara Awe entwirft, zeichnet und malt Bilder in der Sparte Ausdrucksmalerei, sie bringt abstrakte Motive zu Papier, teilweise unter Verwendung geometrischer Grundformen – und sie schafft Zentangles in Schwarz-Weiß, bisweilen kombiniert mit farbigen Elementen.

Meditation und Eingebung

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Zentangles? Das ist ein Neuwort aus „Zen-Meditation“ einerseits und „Tangle“ andererseits. Letzteres bedeutet übersetzt aus dem Englischen „Wirrwarr“ – was es aber nicht genau trifft, denn Zentangles sind freie Zeichnungen, die aus strukturierten Formen mit immer wiederkehrenden Mustern, kombiniert aus Punkten, Linien, einfachen Kurven und Kreisen bestehen und auf meist kleinen „Kacheln“ aus hochwertigem Papier entstehen. Also keinesfalls „Wirrwarr“, sondern mitunter sogar von strenger Logik. Typisch ist, dass ein Zentangle-Bild von allen Seiten gleichermaßen betrachtet werden kann und die Formen in der Regel kein direktes Objekt „Oben-unten-vorn-hinten“ / „Hauptgegenstand und Nebendetails“ darstellen, sondern die meditative Intuition des Bildschöpfers wiedergeben. Wer ein Zentangle in Szene setzt, verbindet Meditation und Kunst, denn das Zeichnen ist gewissermaßen absichtslos. Es gibt keine konkreten Vorstellungen von einem bestimmten Ergebnis, sondern die Eingebung und die meditative Stimmung dürfen sich „treiben lassen“ und gestatten der Intuition, sich zu entfalten.

Der Ex-Mönch und die Künstlerin

Die Erfinder des Zentangles haben in den USA die ersten derartigen Stücke geschaffen: der Ex-Mönch Rick Roberts und die Künstlerin Maria Thomas wurden an einem stillen Sonnabendnachmittag im Herbst 2003 von der Inspiration „überwältigt“, nachdem Maria vorher speziell botanische Illustrationen auf Kunstmessen verkauft hatte. An jenem Tag war Maria damit beschäftigt, zu einem großen goldenen Buchstaben Muster als Hintergrund hinzuzufügen, und Rick hatte plötzlich eine Art Erleuchtung: „Du beschreibst Meditation.“ Musste nur noch ein Name gefunden werden – und der obige war’s dann schließlich.

Aber Barbara Awe zeichnet durchaus nicht nur Zentangles. Sie fühlt sich auch angeregt durch den Stil Friedensreich Hundertwassers. Natur-Malerei steht mehr im Hintergrund, sagt sie (obwohl auch in diesem Genre schon Bilder entstanden sind, beispielsweise von der Hoyerswerdaer Johanneskirche). Für abstrakte Kunst brauche man keine „akademische“ Vorbildung; sie sei in vielen Dingen offener und fordere den Betrachter zur Auseinandersetzung auf. Und nicht zuletzt: Die grafische Zeichnerin in ihr kann und will Barbara Awe nicht verleugnen. Sie profitiert vom Wissen und Können, das sie lange Jahre in eher nüchterne Darstellungen eingebracht hatte – in funktionale Dokumente, in der Abteilung Technik der Kokerei des ehemaligen Gaskombinates Schwarze Pumpe.

Intensiv widmet sie sich der Malerei seit zwölf Jahren, seit 2008. Was früher, auch aus Zeitgründen, nur sporadisch möglich, ist jetzt ihr Hobby Nr. 1.

Es ist eine Heimpremiere

Bislang hatte sie eine Personalausstellung: im „Elementarium“, im Museum der Westlausitz Kamenz. Die Schau vom 4. bis 14. April im Ex-Centrum-Teil des Lausitz-Centers ist also ihre Heimpremiere.

25 Werke werden zu sehen sein – in den Formaten A1, A2 und A3, allesamt unbenannt, um der Phantasie des Beschauenden Freiräume zu eröffnen.

Wer Interesse an einem der gezeigten Ausstellungsstücke hat, kann mit Barbara Awe in Kontakt treten. „Ich würde auch verkaufen“, sagt sie. Sie möchte, sooft es geht, in der Schau persönlich anwesend sein, um auf Fragen Antworten zu geben. Wenn sie nicht vor Ort ist, kann über das Lausitz-Center-Management der Kontakt zur Künstlerin geknüpft werden.

Apropos Lausitz-Center: Zwar hat Barbara Awe eindeutig erklärt, dass (foto)realistische Malerei nicht ihr Metier ist – aber wie wäre es denn mit einer Umsetzung der Ladenstraße, deren Treiben und Leben, in ein abstraktes Gemälde, vielleicht in ein Zentangle? „Eine Innenszene würde mich nicht so reizen – aber vielleicht eine Außenansicht ...“ Nun, warten wir’s ab; vielleicht ergibt sich im Laufe der Exposition doch ein Motiv, das dann sogar mit einem Titel versehen werden würde?

Jetzt, also vom 4. bis 14. April, sind aber erst einmal 25 „Namenlose“ von Barbara Awe im Hoyerswerdaer Lausitz-Center am Lausitzer Platz 1 zu sehen: eine ganz neue Kunst-Facette, die gewiss überraschende Entdeckungen bieten wird.