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Verbindung zu mutmaßlichem Kindermörder

Er hat gemordet, nun soll er mit Crystal handeln. Vor Gericht in Dresden geht es für einen Mann um Sicherungsverwahrung - und um einen alten Bekannten.

Zwei Angeklagte sollen mit Komplizen mehrere Kilogramm Crystal aus Polen nach Dresden geschmuggelt haben.
Zwei Angeklagte sollen mit Komplizen mehrere Kilogramm Crystal aus Polen nach Dresden geschmuggelt haben. ©  dpa / Symbolbild

Seit Mittwoch stehen zwei mutmaßliche Drogenhändler vor dem Landgericht Dresden. Sie sollen 2018 und Anfang 2019 mit Komplizen mehrere Kilogramm Crystal aus Polen nach Dresden geschmuggelt haben, um zumindest den Großteil weiterzuverkaufen. Soweit nichts Ungewöhnliches. Doch in dem Verfahren sitzt auch ein psychiatrischer Gutachter, der beurteilen muss, wie gefährlich der Hauptangeklagte Andre G. ist. Der 47-jährige Angeklagte ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen dreifachen Mordes.

1996 hatte G. in einem Wohnungsbordell in der Weimarischen Straße zwei Prostituierte und einen Zuhälter erschossen. 1999 wurde er dafür am Landgericht Dresden verurteilt. 17 Jahre hat er gesessen, bis Ende 2013. Nach erneuten schweren Straftaten will die Staatsanwaltschaft für den in der Ukraine geborenen Deutschen die Sicherungsverwahrung beantragen. Das hieße, G. bleibt auch im Falle einer Verurteilung nach Verbüßung seiner Strafe unter Verschluss. Erst wenn Gutachter überzeugt sind, dass von ihm keine Straftaten mehr zu erwarten sind, könnte er auf Freiheit hoffen. Das kann weitere Jahre dauern.

Es gibt noch andere dramatische Ent- und Verwicklungen. Ein Komplize von G. soll der Franzose Laurent F. (55) sein, der im Januar 2019 mit fast einem Kilo Crystal am Grenzübergang Ludwigsdorf gestellt worden war. Auch F. steht derzeit vor dem Landgericht Dresden wegen dieser Kurierfahrten für G. und weil er am 9. Mai 2019 seine beiden zwei und fünf Jahre alten Kinder ermordet haben soll. In F.s Anklage heißt es, der 55-Jährige habe sich unter anderem wegen der erwarteten langen Haft – auf bewaffnete Einfuhr von Drogen stehen mindestens fünf Jahre – zu der entsetzlichen Tat entschlossen. F. soll dreimal Crystal für G. geschmuggelt haben, 1,8 Kilo.

Andre G. wurde am 7. Mai verhaftet, zwei Tage vor dem Mord an den Kindern. Am 9. Mai soll die Wohnung von F. in Dresden von der Polizei observiert worden sein. Nach SZ-Informationen haben Beamte ihn nachmittags aufgesucht, möglicherweise um auch ihn zu verhaften.

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G. und der Mitangeklagte Dominik H., ein 38-jähriger Deutsch-Pole aus Zittau, machten zum Prozessauftakt keine Angaben. Das Gericht hat vorerst 13 Sitzungstage bis Ende April geplant.

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