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Verblüffend: Hänsel sieht aus wie Gretel

Barbora Fritscher hat in Humperdincks Oper ihre erste große Rolle am Theater. Dafür vollzieht sie eine Verwandlung.

© veröffentlichung nur gegen hono

Von Heike Hubrich

Bei Barbora Fritscher leistet die Maskenbildnerin ganze Arbeit. In 15 Minuten wird aus der jungen Frau mit dem langen blonden Haar ein Junge mit roter Igelfrisur. Die Mezzosopranistin aus dem tschechischen Olomouc bei Brno gibt am Mittelsächsischen Theater den Hänsel. Heute hat Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ Premiere auf der Freiberger Hauptbühne. Im Januar ist sie zum ersten Mal in Döbeln zu sehen.

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In weiß-rot-schwarz karierten Knickerbockern kommt Barbora Fritscher mit federnden Schritten in die Theaterkantine geeilt. „Muss das Interview wirklich sein?“, fragt die Hänsel-Darstellerin. Doch dann ist das Eis schnell gebrochen. Die junge Sängerin redet viel – und lacht zugleich. Klar kennt sie das Grimmsche Märchen, aber die Oper werde in Tschechien kaum gespielt. Akzent hat sie kaum, aber manchmal fallen ihr nicht gleich die richtigen Worte ein – wieder ein Grund zum Lachen.

Doch bei der Frage, warum sie bei der Matinee zu „Hänsel und Gretel“ am Sonntag unter den 100 Zuschauern und nicht auf der Bühne saß, wird sie ernst. „Mein Gretel war nicht dabei, und wir singen doch fast alles zusammen.“ Gretel-Darstellerin Miriam Alexandra war während einer Probe zu der Märchenoper umgeknickt und zog sich einen Haarriss am Fuß zu. In den ersten drei Vorstellungen wird deshalb Uta Simone, die vor Jahren am Mittelsächsischen Theater engagiert war, als Gast für die erkrankte Sopranistin einspringen. Deshalb proben die Akteure derzeit zweimal am Tag in der neuen Besetzung.

Barbora Fritscher erzählt, dass sie sich riesig über die Partie gefreut habe. „Ich musste anfangs immer gebremst werden, damit ich beim Tanzen nicht zu fröhlich war“, sagt sie und streckt dabei beide Arme seitlich hoch. Zu viel Ausgelassenheit vertrage sich nicht mit der tristen Lage der Geschwister. Musikalisch werde sie als Hänsel voll gefordert: „Ich muss oft mit ganzer Kraft singen, damit ich gegen die vielen Instrumente im Orchestergraben und neben der Bühne ankomme.“ Übrigens: Sie gerät richtig ins Schwärmen, wenn sie von den Leckereien auf der Bühne erzählt: echten Lebkuchen, Gummi-Erdbeeren und – vielleicht – Sprühsahne.

Im Theater Usti nad Labem spielte die Mezzosopranistin neben anderen auch schon Männerrollen, so den Cherubino in Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“, den Prinz Orlofsky in der Strausschen „Fledermaus“ und den Niklaus in „Hoffmanns Erzählungen“ von Offenbach. „Sopranistinnen müssen fast immer lieben und für die Liebe leiden und sterben, Mezzos haben es bunter – und ein Biest ist immer einfacher zu spielen“, sagt sie. (FP)

Die Döbelner Premiere von Humperdincks „Hänsel und Gretel“ ist am 18. Januar kommenden Jahres um 19.30 Uhr. Karten dafür gibt es an der Theaterkasse. Die Soiree zum Stück ist am 13. Januar um 18 Uhr geplant.