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Verdächtig braune Panade

Der SZ-Tester wagt sich in ein Restaurant mit gehobener Küche und wird enttäuscht.

Auf eine gewellte Panade kommt es beim Wiener Schnitzel an, sagt SZ-Tester Peter Braukmann.
Auf eine gewellte Panade kommt es beim Wiener Schnitzel an, sagt SZ-Tester Peter Braukmann. © Annette Riedl/dpa (Symbolbild)

Von Peter Braukmann

Meißen. Nachdem ich mich nun in den vergangenen Jahren durch die preiswerteren Mittagstischangebote in Meißen getestet habe, wollte ich mich mal der anspruchsvollen Küche widmen. Freunde empfahlen mir das „Restaurant am Hundewinkel“ in der Innenstadt wegen seiner österreichischen Küche. Ich checkte zuerst die vielen positiven Meinungsäußerungen auf Google, die überwiegend wegen der schönen Atmosphäre und der netten Bedienung zustande gekommen sind. Nun ja, das hat ja in unserer schönen Stadt keinen Alleinstellungscharakter. Also auf zum Test.

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Vorweg: Ich liebe die österreichische Küche seit den späten siebziger Jahren. Da hatte mir bei einer Produktion der Burgschauspieler Rudolf Jusitz ein echtes Wiener Schnitzel zubereitet, das mich verzauberte. Später besuchte ich regelmäßig in Berlin das Restaurant Borchardt am Gendarmenmarkt. Also, lieber Leser, ich weiß, wie Wiener Schnitzel aussehen und schmecken müssen. Ich weiß auch, wie man das macht. Sie müssen nämlich das Kalbfleisch dünn schneiden und auf circa einen halben Zentimeter klopfen, ehe Sie es in Mehl wenden, in gequirltem Ei baden und vorsichtig mit Semmelbrösel panieren. Die dürfen nicht festgeklopft werden, sonst souffliert die Panade nicht (wellt nicht auf), was besonders wichtig ist.

Bei diesem Preis darf man mehr erwarten

Im Restaurant angekommen, wurden wir freundlich empfangen und warteten eine gute Weile, bis wir die Karte erhielten und dann nochmals rund zwanzig Minuten, bis wir bestellen durften. Wir bestellten verschiedene Gerichte.

Bleiben wir aber in diesem Test beim Wiener Schnitzel. Wir haben anschließend eine weitere halbe Stunde bei durchaus leckerem Budweiser Bier verbracht, dazu gab es vom Haus eine Tasse eisgekühlter Gurkensuppe. Endlich kam die Hauptspeise. Zum Wiener Schnitzel gab es zwei Pellkartoffeln mit frischer Petersilie, ein wenig Kartoffelsalat, Gurkensalat und grünen Salat, was geschmacklich recht neutral daherkam. 

Das Wiener Schnitzel war leider nur die Behauptung eines echten Wiener Schnitzels. Die Industriepanade klebte fest am Kalbfleisch und war mit ihrer tiefbraunen Färbung meilenweit von einem ordentlichen Goldgelb entfernt. 

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Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Werk in einer Pfanne bei mittlerer Temperatur in Butterschmalz entstanden ist. Da der panierte Zander meines Sohnes und die panierten Henderl meiner Frau exakt genauso aussahen, vermute ich mal, dass hier eine Friteuse zu Werke ging. Sollte das nicht der Fall gewesen sein, dann sollte der Koch noch einmal üben. Auch geschmacklich hinterließen das Schnitzel und die anderen Speisen keine bleibenden Gaumenfreuden. Das Schnitzel kostet 18,90 Euro, da darf man nun wirklich viel mehr erwarten. Ein „Möchtegern Gourmetrestaurant“ schrieb ein User auf Google. Recht hat er.

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