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Riesa

Verdächtige im Crosspisten-Fall ermittelt

Auf der Deponie in Gröditz war eine illegale Rennstrecke gebaut worden. Dafür sollen etliche Jugendliche verantwortlich gewesen sein.

Auf der stillgelegten Gröditzer Deponie gab es 2018 eine illegale Motocross-Strecke. Inzwischen ist die Strecke beseitigt.
Auf der stillgelegten Gröditzer Deponie gab es 2018 eine illegale Motocross-Strecke. Inzwischen ist die Strecke beseitigt. © Archiv/Eric Weser

Gröditz. Erdaushub, alte Reifen, umgelegte Zaunfelder: Mit einfachen Mitteln war in Gröditz voriges Jahr eine Motocross-Rennstrecke entstanden. Deren Nutzer hatten offenbar nicht nur Fahrspaß, wie herumliegende Essenverpackungen, Grillreste und Flaschen verrieten. 

Für Aufsehen sorgte die Rennpiste, weil sie illegal auf der stillgelegten Mülldeponie am Stadtrand entstanden war. Der fast 40 Meter hohe, mit Gras bewachsene Hügel ist in der flachen Landschaft kaum zu übersehen. Die Crosspiste selbst hatte etwas versteckt gelegen. 

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Der Eigentümer der in den 2000er-Jahren stillgelegten Deponie hatte seinerzeit Alarm geschlagen und die Schäden bekannt gemacht. Man habe Strafanzeige erstattet und einen Wachdienst beauftragt, erklärte der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE) damals.

Was ist aus dem Fall geworden? Auf Nachfrage teilt der ZAOE mit, die Polizei habe die Täter ermitteln können. Was mit ihnen passierte, erklärt die Staatsanwaltschaft. Demnach gab es zehn Verfahren wegen Hausfriedensbruchs. 

Den Beschuldigten habe man jeweils nur nachweisen können, dass sie sich auf dem Gelände aufgehalten hatten. „Ob sie am Bau oder der Nutzung der Motocross-Rennstrecke und weiteren Sachbeschädigungen beteiligt waren, konnte nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.“

Bei den Beschuldigten handelte es sich laut Staatsanwaltschaft um Jugendliche „der Geburtsjahrgänge 2000 bis 2003, ein 2004 geborener Beschuldigter war noch Kind.“ Überwiegend seien die jungen Leute aus Gröditz gekommen, vereinzelt aus der Röderaue, einer aus Glaubitz.

 Die Ermittlungsverfahren seien abgeschlossen. In einem Fall sei eine Einstellung mit Ermahnung erfolgt, das Verfahren gegen das Kind sei eingestellt worden. In sechs Fällen seien die Verfahren eingestellt worden, weil die Beschuldigten strafrechtlich bis dahin nicht aufgefallen waren. In zwei Fällen sei die Anzeige mangels öffentlichen Interesses nicht verfolgt worden.

Auf der stillgelegten Gröditzer Deponie im Hintergrund gab es 2018 eine illegale Motocross-Strecke. Von der B 169 aus war die Piste nicht zu sehen.
Auf der stillgelegten Gröditzer Deponie im Hintergrund gab es 2018 eine illegale Motocross-Strecke. Von der B 169 aus war die Piste nicht zu sehen. © Archiv/Eric Weser

Strafrechtlich sind die mutmaßlichen Streckennutzer also glimpflich davongekommen. Und die Gröditzer Deponie – hat die Schaden genommen? Immerhin hatte der ZAOE voriges Jahr erklärt, dass im schlimmsten Fall die Abdichtung der Mülllagerstätte beschädigt sein könnte. Doch das ist offenbar nicht so.

Weitere Schäden am Deponiekörper habe man nicht feststellen können, heißt es vom ZAOE. Die „Bauwerke“ seien beseitigt und die Deponie-Oberfläche sachgerecht hergestellt worden. Die Schadensbeseitigung hat den Zweckverband nach eigenen Angaben etwa 3 000 Euro gekostet. Auch die rund sechsmonatige Bewachung des eingezäunten Deponie-Geländes im Anschluss an die Vorfälle 2018 habe Kosten im unteren vierstelligen Bereich verursacht.

Die illegale Strecke in Gröditz ist Geschichte. Bleibt die Frage: Wo gibt es in der Gegend eigentlich legale Motocross-Möglichkeiten? Laut Enrico Barth vom Motorsportclub (MSC) Riesa existiert in der Region durchaus ein Strecken-Problem. Motocross-Fans müssten auf entfernte Pisten in Lauchhammer, Kemmlitz (Ortsteil Mügeln) oder Kröbeln (Ortsteil Bad Liebenwerda) ausweichen. Von Gröditz nach Kröbeln sind es etwa zehn Kilometer.

Auch der MSC Riesa muss diese Strecken nutzen, da er keine eigene hat, sagt Enrico Barth. Ändern wolle man das seit der Gründung 2011. Doch eine Genehmigung zu bekommen, sei schwierig. Das Problem seien die lauten Motoren. Die fehlende eigene Strecke mache sich inzwischen bei der Mitgliederzahl bemerkbar.

 Die sei von einst 55 auf jetzt 23 gesunken, sagt Barth. Der Kräfteschwund sei auch der Grund für den Ausfall des Stoppelcross Anfang Mai in Radewitz gewesen. Interesse am Motorsport sei aber da – gerade bei Jugendlichen, sagt Enrico Barth. 

Das habe man erst am Wochenende bei der Riesaer Automeile gemerkt, wo der MSC viel Interesse erfahren habe. Der Verein bemühe sich weiter um eine eigene Strecke. Um das Problem mit dem Lärm in den Griff zu kriegen, überlegt der Klub, elektrisch betriebene Motorräder anzuschaffen.