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Verdienstvoller Sohn der Stadt

Geschichte. Gesternjährte sich zum 400. Malder Geburtstag des Zittauer BürgermeistersChristian von Hartig.

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Von Ingrid Seltmann

Stolz, Strenge, aber zugleich auch Milde strahlt das Antlitz Dr. Christian Hartigs aus. Zum 400. Mal jährt sich im Mai dieses Jahres der Geburtstag des verdienstvollen Zittauer Bürgermeisters, der die Geschicke der Stadt Zittau im 17. Jahrhundert erfolgreich lenkte und leitete.

Harter Richter und Feingeist

Geboren wurde Christian von Hartig am 16. Mai 1605 in Zittau als Sohn des verdienten Arztes Dr. med. Johann Hartig. Nach dem Schulbesuch begann Christian von Hartig seine Studien an den Hochschulen von Frankfurt, Straßburg und auch in Genf. Nach erfolgreichem Abschluss unternahm der junge Hartig Reisen in zahlreiche Länder.

An der Universität von Padua promovierte er zum Doktor der Medizin und erwarb auch den Doktorhut der Philosophie. Er wurde zum „Ritter des Markusordens“ geschlagen. 1630 schließlich kehrte er nach Zittau zurück und wurde 1632 Mitglied des Zittauer Rates, war Scabinus und Stadtrichter.

Als Stadtrichter und späterer Grundherr von Althörnitz war er ein Vertreter sehr harter Urteile gegenüber Missetätern. So fällte er auch ein sehr umstrittenes Urteil gegenüber der Magd Marie Kammler, die als einzige Frau in der Zittauer Gegend gerädert wurde.

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gelang es Hartig mehrere Male, durch sehr beherztes Auftreten größeres Elend von Zittau und seinen Bewohnern abzuwenden. Als die Exzesse (u. a. „Schwedentrunk“) der schwedischen Besatzung unter Oberst Wrangel gegenüber der Bevölkerung Zittaus und seiner Ratsdörfer immer üblere Ausmaße annahm, erwies er sich als ein aufrechter, mutiger Mann. Er wurde mit einer Zittauer Deputation beim Feldmarschall Banner im Lager zu Brandeis vorstellig. Und Hartig erreichte sein Ziel:

Einige Tage nach seiner Rückkehr nach Zittau mussten die schwedischen Truppen die Stadt verlassen (Korschelt). Die Bürger Zittaus und der Zittauer Rat vergaßen Hartig diesen Einsatz nicht, so wurde er im Jahre 1639 zum Ersten Bürgermeister Zittaus gewählt. Allein 13-mal wurde ihm diese Würde übertragen.

Dr. Christian von Hartig war aber nicht nur ein ausgezeichneter Bürgermeister, sondern galt allgemein als ein sehr gelehrter und kunstsinniger Mann. Als 1643 die altehrwürdige Kreuzkirche in Zittau während des Dreißigjährigen Krieges stark verwüstet wurde, zögerte er nicht, nach Beendigung des Krieges private Mittel einzusetzen, um einen Aufbau möglich zu machen. In der Zeit von 1651 bis 1654 ließ er die Kirche in Stand setzen, so dass sie am 2. Dezember 1654 wieder eingeweiht werden konnte. Zur Erinnerung an die Zerstörung der Kreuzkirche sind noch heute Kugeln, die am Mauerwerk angebracht wurden, zu sehen.

Im Jahre 1653 kaufte Dr. Christian von Hartig das Rittergut Althörnitz von Caspar Christoph von Gersdorf. Bereits 1651 hatte Hartig mit dem Bau seines Renaissanceschlosses in Hörnitz begonnen. Mit dem Bau wurde der böhmische Baumeister Valentin beauftragt. 1654 konnte das prächtige Schloss bezogen und eingeweiht werden.

Gartenfreund und Bauherr

Über Hartig wird berichtet, dass er ein großer Gartenfreund und Liebhaber schöner Blumen und Pflanzen war. Auf seinen Reisen durch Frankreich und Italien hatte er prächtige Gärten und Parks gesehen. In der vom Dreißigjährigen Krieg gebeutelten Stadt setzte er sich massiv für den Wiederaufbau ein. So war er neben seinen Amtskollegen Albert Gierisch und Heinrich von Heffter an der Neuaufsetzung des Turmes der Weberkirche (eigentlich Dreifaltigkeitskirche) beteiligt.

Eine kluge Politik führte er mit seinem Rat auch bei der Aufnahme von böhmischen Exulanten, die verstärkt nach 1648 nach Zittau kamen, da sie vom Haus Habsburg in Böhmen wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Für seine Verdienste wurde Dr. Christian von Hartig von Kaiser Ferdinand III. in den Adelsstand erhoben. Er starb 1677.