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Verein ohne Heim

Die Modellauto-Fahrer des RC Görlitz suchen eine eigene Strecke. Bisher ohne Erfolg.

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© nikolaischmidt.de

Von Matthias Klaus

Das Auto ist kindersicher. „Da kann nichts schiefgehen. Das verträgt schon was“, sagt Michael Frank, hebt das kleine Fahrzeug ein paar Zentimeter hoch und lässt es los. Federnd kommt das Mobil auf. „Damit kann der interessierte Nachwuchs mal testen, wie es ist, ein ferngesteuertes Auto zu lenken“, sagt der Vorsitzende des Vereins RC-Car Görlitz. Der wurde 2012 gegründet. Michael Franke ist aber schon länger Fan dieses Hobbys. Ferngesteuerte Modellautos – damit beschäftigt er sich schon seit Jahren. „Mit meinem Sohn waren wir am Wochenende auf Parkplätzen unterwegs, um unsere Autos fahren zu lassen“, erzählt er. Und Michael Franke beobachtete: Sie waren nicht allein. Es gab und gibt etliche Görlitzer, die diesem Hobby nachgehen. Deshalb die Idee: Warum nicht einen Verein gründen?

Regionale Vereine gibt es schließlich schon in Bautzen, Löbau, Lauba, Zittau, Hirschfelde und Niesky, außerdem in Polen und Tschechien. Die fahren jedes Jahr den Oberlausitzcup der kleinen Renner aus. „Warum sollte das nicht auch hier möglich sein? Wir könnten den Oberlausitzcup doch auch in Görlitz stattfinden lassen“, ist Michael Franke überzeugt. Sieben Gründungsmitglieder, Modellauto-Enthusiasten, fanden sich für den RC-Car Görlitz zusammen. So weit, so gut. Was ihnen fehlte und bis heute fehlt: eine eigene Rennstrecke.

„Das ist unser großes Problem“, sagt der Vereinschef. Denn wer sich an den Verein wendet, fragt zuerst: Wo können wir bei euch fahren? Darauf hat Michael Franke zurzeit noch keine Antwort. „Wir bekommen dann meist zu hören: Warum sollen wir Beitrag bezahlen, wenn nicht eine eigene Rennstrecke vorhanden ist? Da können wir ja auch auf den nächsten Parkplatz gehen“, so der Vereinschef. Er versteht diese Reaktion. Der Verein hat sich in der Vergangenheit ständig bemüht, ein eigenes Gelände zu finden. „Einer unserer Favoriten war an der Station 300 an der B 99“, schildert Michael Franke. Das Gelände liegt in den Händen der LMBV, der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft. Die schrieb den Görlitzer Modell-Rennfahrern freundlich zurück: Das klappt leider nicht. Denn die LMBV will das Stück Land in den Zustand versetzen, in dem es vor dem Bergbau war, sprich landwirtschaftlich genutzt. „Aber uns wäre eben gerade das Gelände recht gewesen, so wie es jetzt ist “, sagt der Vereinschef.

Auch Anfragen an die Stadt seien bisher erfolglos geblieben, so Michael Franke. „Dabei wollen wir uns doch auch um die Jugendarbeit kümmern. Bei uns fragen häufig Eltern nach, ob wir ihre Kinder nicht mal mit den Autos fahren lassen können“, sagt er. So weit wie möglich organisiert das der Verein auch – ohne Rennstrecke. Dann wird der Nachwuchs eben eingeladen und zu einer Kiesgrube in der Nähe kutschiert. „Auf Dauer ist das sicherlich keine Lösung“, weiß Michael Franke. Für ihn stehe die Frage, ob der Verein ohne eigene Strecke überhaupt überlebensfähig ist, oder ob das Ganze aufgegeben werden sollte.

Ein Problem ist die Lärmbelästigung. Eine Rennstrecke benötigt einen gewissen Abstand zu den nächsten Häusern. Die Benzinmotoren der kleinen Renner machen eben ordentlich Krach. Zudem sollte eine Rennstrecke dem Reglement entsprechen, um für Wettbewerbe geeignet zu sein. Das bedeutet: Das Gelände muss etwa 80 mal 40 Meter groß sein, hinzu kommt Platz fürs Fahrerlager, den Fahrerstand, eine kleine Werkstatt.

Noch hoffen Michael Franke und seine Mitstreiter, dass es mit einer Rennstrecke in oder um Görlitz klappt. Interessenten sind stets willkommen.

www.rc-car-goerlitz.de