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Verein rettet Umgebindehaus vor Abriss

Äußerlich tut sich an einem Umgebindehaus in Schirgiswalde bisher kaum was. Doch elf Enthusiasten haben viel erreicht.

Dieses Haus wird von einem Verein saniert. Vorsitzender Daniel Hain freut sich, dass alle Genehmigungen da und Fördermittel bewilligt sind.
Dieses Haus wird von einem Verein saniert. Vorsitzender Daniel Hain freut sich, dass alle Genehmigungen da und Fördermittel bewilligt sind. © Steffen Unger

Das Umgebindehaus an der Rämischstraße in Schirgiswalde sieht zumindest von außen so aus, als hätte sich bisher nichts getan. Und doch haben Daniel Hain und seine Mitstreiter im Verein viel geleistet, seit sie sich vor rund zwei Jahren zusammenfanden, um das etwa 240 Jahre alte denkmalgeschützte Gebäude vorm Verfall und dem drohenden Abriss zu retten. In den vergangenen Monaten war jede Menge Schreib-, Vorbereitungs- und Antragsarbeit zu bewältigen. Jetzt kann der Vorsitzende stolz berichten: „Die Baugenehmigung haben wir seit August. Seit Anfang September sind wir im Grundbuch eingetragen. Und seit wenigen Tagen liegt der Förderbescheid vor.“ Somit kann der Verein „Umgebindehaus Rämischstraße 23“ mit der Sanierung beginnen.

Das Gebäude, das in Nähe des großen Eisenbahnviaduktes steht, war etwa 20 Jahre lang ungenutzt und verfiel zusehends. Als der Eigentümer es der Stadt Schirgiswalde-Kirschau schenken wollte und sie darüber nachdachte, es abzureißen, fanden sich Enthusiasten zusammen, um das Haus zu retten. Seitdem treffen sich die elf Vereinsmitglieder fast mindestens einmal im Monat zu einer Versammlung und jeden Sonnabend zum Arbeitseinsatz. Dabei wurde unter anderem schon das Haus ausgeräumt, der Kellerfußboden ausgeschachtet, nicht originale Zwischenwände entfernt, zugemauerte Türen geöffnet und eine Notsicherung des Daches vorgenommen. „Wir haben die brüchigen Schornsteinköpfe abgebaut, fehlende Dachziegel provisorisch ersetzt, die Dachfenster abgedichtet und die total kaputten Dachrinnen durch andere ersetzt, die zwar auch schon gebraucht, aber noch in Ordnung sind“, berichtet Daniel Hain. Auch die Treppe zum nahen Stadtbach und die Bachmauer auf der Grundstücksseite saniert der Verein in Eigenleistung.

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Enger Bauablaufplan

Nächstes Vorhaben ist der Abriss des Toiletten-Anbaus. Im Frühjahr soll dann mit Hilfe von Firmen die Erneuerung des Daches beginnen. Die weiteren Arbeiten folgen Schritt für Schritt. „Den genauen Bauablaufplan müssen wir noch erstellen“, sagt Daniel Hain. Klar ist jedoch schon jetzt, dass er eng getaktet sein wird. Denn spätestens in drei Jahren muss die Sanierung des Hauses, das als Besonderheit zwei Blockstuben hat, abgeschlossen sein. So legt es die Förderrichtlinie fest. 86 000 Euro wurden über das Leader-Programm bewilligt. Das sind 80 Prozent der Bausumme. Jeweils 1 000 Euro haben die Stiftung Umgebindehaus und der Sächsische Verein für Volksbauweise beigesteuert. Für die vielen zu erbringenden Eigenleistungen und -mittel sucht der Verein weitere Mitglieder, Helfer und Spender.

Für die künftige Nutzung des Hauses gibt es schon klare Vorstellungen. Die große Blockstube soll Vereinen aus der Stadt und der Umgebung für Treffen zur Verfügung stehen; die kleine will der Verein „Umgebindehaus Rämischstraße 23“ selbst nutzen. Im Obergeschoss ist eine Ausstellung geplant, die unter anderem Weihnachtskrippen zeigen wird. Außerdem soll eine Fachbibliothek nebst Leseraum eingerichtet werden, in der man sich vor allem über die Fachwerk- und Umgebindebauweise, Lehmbau, Denkmalschutz und ähnliche Themen informieren kann. Im Hinterhaus, das von der Straße aus kaum zu sehen ist, will der Verein eine Schauwerkstatt für alte Handwerkstechniken schaffen, wo sich zum Beispiel Lehmbauer, Sattler und Besenbinder auf die Finger schauen lassen. Auch an eine kostenlose Unterkunft für wandernde Handwerksgesellen ist gedacht. „Es war immer schon ein Handwerkerhaus. Unter anderem waren mal eine Sattlerei und eine Schneiderei drin. An diese Tradition wollen wir anknüpfen“, sagt Daniel Hain. Vorm anfänglichen Plan, im Hinterhaus Wohnungen zu vermieten, um Einnahmen zu erzielen, musste der Verein Abstand nehmen. Denn das würde seine Gemeinnützigkeit gefährden.

Wer sich für das Umgebindehaus interessiert, muss nicht bis zum Ende der Sanierung warten. Zweimal jährlich ist es zu besichtigen – zum Tag des offenen Umgebindehaus (26. Mai 2019) und zum Denkmaltag (8. September 2019). „Beim letzten Mal kamen weit über 100 Leute“, berichtet der Vereinsvorsitzende erfreut. Auch im Internet kann man sich informieren. Seit wenigen Tagen hat der Verein eine eigene Homepage.

www.raemischstrasse23.de