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Verein will Fußball-Zoff beenden

Die SG Motor möchte das Parkstadion weiter pachten und die Kicker im Verein behalten. Aber wollen die das noch?

Von Annett Heyse

Der Tau glitzert auf dem kurz geschorenen Rasen, die Linien sind markiert und alles scheint in Wilsdruffs Parkstadion nur auf den nächsten Anpfiff zu warten. Doch so harmonisch, wie es ausschaut, ist es in Wilsdruffs Fußballwelt seit Monaten schon nicht mehr. Immer noch schwelt ein Zoff, der nun diese Woche beigelegt werden soll. Es geht darum, ob sich die SG Motor Wilsdruff weiterhin eine Fußballabteilung leisten will oder ob die Fußballer austreten und einen eigenen Verein gründen.

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„Vereinsführung und Fußballabteilung werden sich diese Woche zusammensetzen und in Ruhe darüber reden“, sagt SG-Chef Marion Gnannt. Auch der Bürgermeister sei involviert. Die SG Motor sei bereit, für das Parkstadion einen neuen Pachtvertrag zu unterschreiben. Lediglich einige Vertrags-Modalitäten müssten noch geklärt werden. Gnannt: „Dann können die Fußballer weiterhin in unserem Verein ihren Sport betreiben.“ Es ist ein klares Angebot und wohl auch ein Eingeständnis, dass man im Fußball-Streit zu weit gegangen ist.

Der Krach entzündete sich vor Monaten wegen des Geldes. Rund 20 000 Euro Betriebskosten muss die SG Motor im Jahr für das Parkstadion aufbringen. Der Vereinsführung ist das seit langem zu viel. „Das Parkstadion frisst uns irgendwann auf“, erklärte Thomas Günther, stellvertretender Vereinsvorsitzender im Juli 2013. Deshalb wollte man den zum Jahresende auslaufenden Pachtvertrag für die Sportanlage nicht verlängern. Zumal Stimmen aus anderen Abteilungen laut wurden, die monierten, für die Fußballer mitbezahlen zu müssen.

Die Fußballer wiederum fühlten sich gemobbt. Einem Verein, der plötzlich vorrechnete, wer wie viel Strom und Duschwasser verbraucht, wollten sie nicht mehr angehören. Bereits im November 2012 war deshalb von einer Abspaltung die Rede, angeblich wurde im Frühjahr 2013 gar ein eigenständiger Fußballverein gegründet. Es wäre ein Vorgang, der in jeglicher Hinsicht Signalwirkung hätte.

Bisher galt in hiesigen Vereinen das Solidarprinzip: Die Kosten eines Vereins für Sportanlagen, Strom, Wasser, Sportgeräte sind Gesamtkosten – egal ob sie durch Fußballer, Kegler, Gymnastiksportler oder Handballer entstehen. Dafür zahlt jeder einen Mitgliedsbeitrag. Deckt der nicht die notwendigen Aufwendungen, werden die Lücken mit Sponsorengeldern gestopft. In Wilsdruff wollte man dieses Prinzip nicht mehr gelten lassen.

Fußballer haben einen Plan B

Ob dieser Riss nun noch zu kitten ist, wird sich diese Woche zeigen. Frank Grunze, Leiter der Abteilung Fußball, wird sich das Angebot des Vereins sehr genau anhören. Und er hat vorsichtshalber schon mal erklärt, einen Plan B zu haben, sollte man sich nicht einigen können. Der Stadt Wilsdruff wiederum, der das Parkstadion gehört, wäre es am liebsten, weiterhin die SG Motor als Pächter zu haben: „Der Verein war über viele Jahre ein verlässlicher Partner, die Anlagen immer in einem Top-Zustand“, lobt Bürgermeister Ralf Rother.

In welche Richtung die Reise in Wilsdruff geht, interessiert noch jemanden – die Fußballer von der SG Kesselsdorf. Vor Jahren schon hatten sie in Wilsdruff wegen einer engeren Zusammenarbeit vorgefühlt. Jetzt will man die Gespräche noch mal aufnehmen. Denn beide Vereine sind mit ihren ersten Männermannschaften in der Kreisoberliga vertreten, der achten Liga also. „Perspektivisch müsste da mehr drin sein“, sagt Thomas Hoinka, Fußball-Chef in Kesselsdorf. Zumal man mit dem Kunstrasenplatz in Kesselsdorf und dem erst Anfang Oktober in Betrieb genommenen Kunstrasen in Wilsdruff jetzt Top-Bedingungen hätte. Die Kräfte besser zu bündeln, wäre doch da eine gute Idee, egal ob in einem neuen Fußballverein oder unter dem Dach der bisherigen Sportgemeinschaften.